Im Focus: Nachhaltige Innovationen

 
Nicht nur der Wanderer an der Kampenwand hinterlässt seinen Fußabdruck – auch seine Ausrüstung hinterlässt ihre Spuren. Unter dem ökologischen Fußabdruck versteht man die Erdoberfläche, die notwendig ist, um den derzeitigen Lebensstil und -standard eines Menschen dauerhaft zu ermöglichen.


Pioniere und Projekte

Die Outdoor-Branche ist nicht nur in der Sportindustrie für ihre Innovationskraft bekannt. Sie zeigt sich besonders erfinderisch, wenn es um die Entwicklung neuer Produkttechnologien geht – und auch besonders vorausblickend, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz geht. Outdoor-Firmen sind von einer intakten Umwelt abhängig, aber ganz generell arbeiten in dieser Branche viele Menschen, deren große Leidenschaft der Sport in der freien Natur ist.

Um einheitliche Industrie-Standards durchzusetzen und die Verwendung von umweltfreundlichen Materialien zu verstärken, hat die European Outdoor Group (ein Zusammenschluss der größten europäischen Outdoor-Firmen) eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich intern regelmäßig austauscht.

Ein echter Umweltpionier ist Yvon Chouinard, der Gründer der Marke Patagonia. Bereits in den 60er Jahren hat er sich Gedanken gemacht, wie sich erfolgreich wirtschaften lässt, und dabei gleichzeitig der Gewinn nicht zu Lasten der Umwelt geht. Und seine Strategie hatte Erfolg! Patagonia ist ein gutes Beispiel für das Zusammenspiel von Umweltengagement und wirtschaftlichem Wachstum. Von Chouinards Gedanken haben sich viele Manager aus den unterschiedlichsten Industrie-Sparten inspirieren lassen. Immer mehr Marken liefern ihren Beitrag zur Erhaltung des Planeten. Sie forcieren ihre Bemühungen für eine ökologisch verträgliche Produktion und achten zudem darauf, dass unter sicheren und menschenwürdigen Arbeitsbedingungen hergestellt wird. Des Weiteren spielt auch der Produktionsstandort eine Rolle – die Marke Löffler beispielsweise stellt ihre Bekleidung zum größten Teil in ihrer österreichischen Heimat Ried her.


Technologie aus der Natur
Es hat sich also so einiges getan – unter anderem bei den Materialien. Da wäre beispielsweise Organic Cotton und die erfolgreiche Merinowolle. Oder die Recycling-Systeme, die aus entsorgten Plastikflaschen hochtechnische Funktionsmaterialien herstellen. Als natürlich nachwachsender Rohstoff macht Baumwolle etwa die Hälfte der gesamten Textilproduktion weltweit aus. Beim herkömmlichen Anbau in Monokulturen werden allerdings sehr hohe Mengen an Chemikalien eingesetzt: Ein Viertel aller landwirtschaftlich eingesetzten Insektizide und 10 % aller Pestizide gehen auf das Konto der Baumwollproduktion.

Auch nach der Ernte wird die Baumwolle noch unter hohem Chemieaufwand weiter verarbeitet und für den Anbau und die Verarbeitung ist ein enorm hoher Wasserverbrauch vonnöten. Dagegen wird bei Organic Cotton, dem kontrolliert biologischen Anbau (kbA), mit natürlichen Wachstumszyklen und durchdachter Bewässerung, weitgehend auf Chemie verzichtet. Das Ergebnis kann sich sehen und fühlen lassen. Dank natürlichem Wachstum ist die Baumwolle länger und sehr angenehm zu tragen.

Funktionell und fein präsentiert sich die sehr beliebte Merinowolle, die man von Hochlandschafen gewinnt. Bekleidung aus  Merinowolle ist weich, atmungsaktiv und verhindert auf ganz natürliche Art die Bildung von unangenehmen Gerüchen. Transparent geht es bei einem der führenden Merino-Marken zu: Das neuseeländische Unternehmen Icebreaker ermöglicht dem Käufer mit seinem einzigartigen Barcode die Rückverfolgung der Lieferkette. Den Code, den man auf dem Etikett des Kleidungsstücks findet, gibt man auf der Icebreaker-Website ein und kann so den Weg der Wolle dieses Artikels bis zur Schaffarm in den neuseeländischen Alpen zurückverfolgen. 

Durch Recycling-Polyester aus Plastikabfällen lassen sich bis zu 80 % an Energie und CO2-Emissionen im Vergleich zur herkömmlichen Produktion aus Erdöl einsparen. Die gereinigten Rohstoffe werden dabei eingeschmolzen und zu neuen Fasern versponnen. Hersteller wie Patagonia, Fjällräven, The North Face oder Vaude bieten unter anderem Fleece-Jacken oder Rucksäcke aus Recycling-Material an.

Dabei sind hinsichtlich Funktionalität, Haltbarkeit und Verarbeitung bei den Recycling-Materialien keine Einbußen zu befürchten. Zudem zeigt die Forschung immer mehr, wie viel Funktion die Natur selbst bietet: So besitzen Hemden aus Bambus-Viskose eine natürlich antibakterielle Wirkung und schaffen durch die hohe Feuchtigkeitsabsorption der Fasern einen  hervorragenden Tragekomfort. Die äußerst schnell wachsende Bambus-Pflanze kommt ohne zusätzliche Düngung und Bewässerung aus. Andere Hersteller wie Vaude und adidas setzen auf Kokosnussschalen (Cocona), die verbrannt und dann ins Polymer der Faser eingesponnen werden. Zudem bieten diese Textilien einen sehr hohen UV-Schutz. Es scheint gar so, als würde uns die Natur selbst lehren, wie man Hightech mit Umweltverträglichkeit perfekt verbindet.