100 Jahre HANWAG

    Einer der beliebtesten und bekanntesten Bergschuster Bayerns feiert großartige 100 Jahre Unternehmensgeschichte - wenn das kein Grund zur Freude ist. Eine lange Geschichte lädt natürlich dazu ein, die Entwicklung der Marke und die mit ihr verbundenen Menschen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Ebenso wie die hochwertigen Produkte, die schon so lange all jene trittfest und zuverlässig auf die Berge bringen, die ihnen doch so viel Leidenschaft und Glücksgefühle abgewinnen können.

    Hundert Jahre? Die sind in der Outdoorbranche mit ihren ständig wechselnden Trends eine wahrhaft lange Zeit. Wenn man diese allerdings in eine ganz bescheidene Frage steckt und sinnvoll nutzt, kann großes entstehen. Bei HANWAG war diese Frage stets die eine: Was macht einen wirklich guten Outdoor-Schuh eigentlich aus?

    Die Frage wurde zum Credo und schließlich führte der Erfolg im Laufe der Jahrzehnte zu Veränderungen und aus dem beschaulichen Ort Vierkirchen, nordöstlich von München, hinaus in die Welt. Das alles passierte nicht plötzlich, wie es bei vielen modernen Unternehmen der Fall ist. Eher leise, langsam und mit Bedacht.

    Schnelllebigkeit war nie das Ding von HANWAG, weder bei den Schuhen, noch bei den Mitarbeitern und schon gar nicht in der Unternehmensphilosophie. In den ersten 83 Jahren gab es exakt zwei Firmenchefs: Unternehmensgründer Hans Wagner, damals bereits Schuhmacher in dritter Generation, und dessen Neffen, Josef Wagner. Wenn man heute aktuelle und ehemalige Mitarbeiter von HANWAG fragt, hört man schnell, wie die Frage nach dem guten Schuh das Unternehmen mit allen Beteiligten geprägt hat. Damals, in der kleinen Werkstatt, ebenso wie heute in der Schuh-Manufaktur.

    Die kleine Werkstatt. Hier ging alles los.

    ZWEI ORIGINALE BEI HANWAG

    Nun, da ist zum einen Franz Kreutner. Er trat kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in die Firma ein. Als Flüchtlingskind. Bleiben sollte er 47 Jahre, kannte Hans und Sepp, die beiden Firmenchefs und arbeitete sich vom Hilfsarbeiter zum Abteilungsleiter hoch. Kannte jeden Angestellten von 1947 – 1994 und sicher ebenso viele Geschichten vom Berg und von der Wiesn. Ebenso Adam Weger, er war von 1968 – 2015 bei HANWAG und testete als langjähriger Entwicklungsleiter jeden Schuh selbst.

    Franz Kreutner
    Adam Weger

    Natürlich gibt es in so einer langen Firmengeschichte auch Verlierer. Wie der Schuster einst die Hausmarke ASMÜ an den gleichnamigen Haken hängte, so stellte auch HANWAG Produktionen von einst erfolgreichen Linien ein. Skischuhe, Kletterschuhe und Gleitschirmschuhe wichen einer immer breiteren Palette an robusten und doch bequemen Berg- und Wanderschuhen. Schuhen, die allein durch ihre Langlebigkeit bereits nachhaltig waren.

    PRODUZIERT IN EUROPA

    Ein langlebiger Schuh lebt natürlich nur dann lang, wenn er die hochwertigsten Komponenten in sich vereint. Vibram-Sohlen, bestes Rindsleder und stabile Ösen – an keiner Stelle wird gespart. Dieser Standard sollte auch bei der Produktion immer höherer Stückzahlen zwingend erhalten bleiben. Daher wird nur an Produktionsstätten in Europa gefertigt, in Ungarn etwa. In einem Familienbetrieb in Kroatien, der seit über 30 Jahren ausschließlich für HANWAG Schuhe fertigt. Und natürlich immer noch am Firmensitz in Vierkirchen, jenem inzwischen nicht mehr ganz so beschaulichen, mit S-Bahn-Anschluss ausgestatteten Ort im Nordosten Münchens.

    Langlebigkeit bedeutet aber auch, mit der Zeit zu gehen, ohne dabei die eigene Geschichte zu vergessen. Als das Familienunternehmen mangels potentieller Erben im Jahr 2004 verkauft wurde, wählte der langjährige HANWAG Geschäftsführer Josef Wagner unter knapp einem Dutzend Interessenten damals die schwedische Fenix-Gruppe, weil sie HANWAG als bewährte Premium-Marke behalten wollten.

    Was auch immer äußerlich an Veränderungen kommt, an Form und Farbe. Welche Modelle im Laufe der Zeit die Produktpalette bereichern, im Kern steckt ein HANWAG. Aus dem kleinen bayerischen Dorf bei München.

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