30 Jahre Aircomfort – wir feiern mit Deuter

Was braucht es um eine legendäre Marke zu werden? Legendäre Produkte mit legendären Innovationen und durchaus auch legendären Personen, die dahinter stecken. Deuter hat all das – und deshalb häufig Grund zu feiern. In diesem Jahr mit dem Aircomfort-Rückensystem, denn das wird 30 Jahre alt. Es war das erste Netz-Rückensystem, das auf den Markt kam – und eine kleine große Rucksackrevolution auslöste.

Wir haben mit Bernd Kullmann über die Konstruktion gesprochen. Damals war er frisch Produktmanager bei dem Unternehmen in Gersthofen – und leidenschaftlicher Kletterer. Legendär (!) seine Besteigung des Mount Everest in den 70er Jahren in Jeans... Kullmann war über Jahrzehnte Chef von Deuter. Erst vergangenes Jahr hat er die Leitung an Martin Riebel übertragen, um sich ein wenig mehr ums Klettern zu kümmern...


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Bernd Kullmann während seiner legendären Everest Besteigung in Jeans. Hier im Khumbu Eisbruch.[/caption]

Wie es so ist: Ich bin über Umwege – oder besser Touren und Routen – zu Deuter gekommen. Ein Kletterspezl hat mich zur Firma gebracht. Und so startete ich damals als Vertreter. Das war zu der Zeit, als Johannes Busch das erste Netz-Rückensystem erfunden hat. Den Aircomfort. Eine Zeit des Umbruchs bei Deuter...


Wieso Umbruch?


Wir waren damals zwar als Traditionsmarke bekannt. Aber es hatte sich nach Jahrzehnten solider Rucksackentwicklung ein Stillstand eingestellt. Zu wenig Neues, zu wenig Mut. Dann kam Johannes – ein leidenschaftlicher Bergsportler, der genauso leidenschaftlich nach neuen Produktlösungen suchte. Einer der großen Punkte war für ihn damals der nassgeschwitzte Rücken der Wanderer. Und eines Nachts kam ihm die Idee mit dem Netzrücken, der den Rucksack auf Abstand hält und so Luft zirkulieren lässt.


1984 war das Geburtsjahr von Aircomfort...


Genau, Weltpremiere feierte es 1984 auf der Sportartikelmesse ISPO. Johannes lud damals 600 Händler persönlich ein. Aber nicht einfach per Brief. Sie bekamen eine eigens produzierte Schallplatte, auf der der „Luftkissenrucksack“ beworben wurde. Das war grandios!


Heute ist ein Netzrückensystem eine Selbstverständlichkeit bei jeder Marke...


Ja, das war schon eine Rucksackrevolution damals vor 30 Jahren. Es hat sich damals aber auch einiges bei Deuter selbst getan. Die Marke musste erneuert werden und das kam im Zuge des Aircomforts.


Sie wurden dann recht bald Produktmanager.


Ja, aber ich habe damals total gepokert, weil ich auch auf längere Expedition gehen wollte.


Sie hatten ein Job-Angebot und wollten weg?


Ja... ich war frech. Ich wollte unbedingt zum Sishapangma (8.013 m) und Cho Oyu (8.201 m). Ich habe gesagt: „Wenn ich nicht 7 Wochen Urlaub bekomme, dann kündige ich!“ – und durfte gehen. Als ich zurück kam war die Stelle noch frei und ich habe sie übernommen. Der Aircomfort war damals für uns der richtige Kick-Off zum großen Erfolg. Außerdem konnte ich ein neues Team aufbauen und mit zwei Bergführern aus meinem Freundeskreis – Pepi Stückl und Peter Vogler – ein neues Vertreter- und Produktentwickler-Team etablieren.


Dann hat der Aircomfort sozusagen die Marke Deuter gerettet?


Ja, ich glaube schon, dass man das so formulieren kann. Wir sind auf jeden Fall raus aus dem Tal und hatten rasch ein frisches Image. Und auch intern hat die Entwicklung viel gebracht. Wir waren uns absolut sicher, dass das unser Weg ist: immer tüfteln, immer auf der Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten und Spezialisierungen. Von dort ging es dann weiter.


Wohin?


Naja, wir hatten das Selbstbewusstsein und den Drang, unsere Ideen umzusetzen. Ein gutes Beispiel ist die Geschichte mit Anderl Heckmaier – ein absoluter Pionier. Er ist der Erfinder der Bike Trans Alp und fuhr damals als erster über die Alpen von Oberstdorf nach Riva. Und er hatte die Idee, einen Rucksack speziell für Biker zu entwickeln. Keine Marke hörte ihm zu. Wir schon. Ich kann mich noch gut an unsere Meetings erinnern. Die fanden primär in den Bergen statt... Das Ergebnis war der weltweit erste Bike-Rucksack. Aus dem Bike One ist inzwischen eine ganze Bike-Linie entstanden mit unserem Trans Alpine und dem Trans Alpine Pro.


Aber das Aircomfort-System hat sich auch ständig weiterentwickelt.


Ja klar. Vom ersten Netzmodell bis zu den heutigen Modellen hat sich sehr viel getan. Die Grundidee ist gleich, aber  heute haben wir beispielsweise die vom Netz abgekoppelten, beweglichen Hüftflossen beim Aircomfort Pro und Aircomfort Vario. Sie erlauben es auch höhere Lasten mit einem Netzrücken-System zu tragen. Und das neueste System Aircomfort Flexlite, das auch bei unseren Futuras zum Einsatz kommt, hat auch wieder viele Preise abgeräumt. Er hat eine flexible Zwei-Rahmen Konstruktion, ist extrem leicht und sitzt wirklich, wirklich gut am Rücken – trotz Abstand.


Wie geht es weiter?


Wie immer! Wir haben ein tolles Team. Es ist sehr ehrgeizig, fachlich wie handwerklich top und immer in Bewegung – ob bei der Produktentwicklung oder privat beim Sport. Wir können schon sehr stolz sein. Unsere Kinderkraxen sind federführend auf dem Markt genauso wie unsere alpinen Packs wie die Guide-Serie oder unsere Schlafsäcke. Das ist gut. Das bedeutet auch, dass es immer etwas zu feiern gibt....


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