6 Fragen an Angy Eiter

Die Tirolerin Angy (Angela) Eiter hat am 22. Oktober endgültig Klettergeschichte geschrieben! Mit der Wiederholung der 45 Meter langen Adam Ondra Linie „La planta de shiva“, kletterte sie als erste Frau überhaupt eine Route im Schwierigkeitsgrad 9b. Eine echte Mammutleistung und ein deutliches Signal dafür, dass nach oben einfach keine Grenzen gesetzt sind. Auch wenn die Luft stetig dünner wird.

Die viermalige Weltmeisterin, dreifache Gesamtweltcup-Siegerin und mehrfache Gewinnerin des legendären Arco-Rockmaster, hat nach ihrer Wettkampfkarriere den Plastikgriffen Adieu gesagt und widmet sich nun seit 2013 ganz dem Felsklettern. Die richtige Entscheidung, wie sich zeigte, denn nach bereits drei erfolgreichen Durchstiegen in Routen im französischen Grad 9a hat sie jetzt die Messlatte für Generationen weiblicher Kletterer endgültig weiter nach oben gelegt.

Wir freuen uns riesig für ihren Erfolg und wollten unbedingt ein paar Dinge von ihr wissen.


Zu Deinem ersten Wettkampf bist Du im Alter von 11 Jahren angetreten. Da hast Du doch vorher bestimmt schon ein paar Jahre trainiert? Wann ging es bei Dir eigentlich los mit dem Klettern?

Ich habe mit 11 Jahren zu klettern begonnen und gleich Wettbewerbe bestritten. Das wurde in diesem Kletterteam bei mir daheim an der Sporthauptschule in Imst so gehandhabt.

Du hast riesige Erfolge im Wettkampfklettern zu verzeichnen. Trotz allem hast Du 2013 Deine Wettkampfkarriere für beendet erklärt. Warum denn?

Zum einen haben sich die Verletzungen gehäuft und das hat an meiner Energie gezehrt. Zum anderen sehnte ich mich nach dem Klettern am natürlichen Fels. Schon als Kind bewegte ich mich viel in der freien Natur und jetzt beim Felsklettern kann ich meinen inneren Antrieb wieder voll auskosten. Die Linien sind eine wertvolle Schöpfung der Natur, wo das Abenteuer immer eine begleitende Rolle spielt. Ich wertschätze, dass ich noch gesund und fit am Felsen meine Grenzen austesten kann.

Du sagst von Dir selbst, Dein größtes Handicap beim Klettern sei Deine Körpergröße von 1,54 Metern. Dadurch seien Dir in Routen, die von größeren Personen eingerichtet wurden, ziemliche Grenzen gesetzt. Jetzt kletterst Du „La Planta de Shiva“, vom 1,85 Meter großen Adam Ondra. Das müssen doch völlig andere Bewegungsabläufe gewesen sein?

Meine geringere Reichweite und Körpergröße zwingen mich zur Kreativität. Ich muss mir an manchen Stellen in einer Route, wo die ursprünglich gewählten Griffe und Tritte der größeren Personen weiter entfernt sind, neue Lösungswege überlegen. Das kann oft energiezehrend zugleich aber spannend und lehrreich sein.

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...Griffausbrüche, Einschüchterungen und Verletzungen...

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Wie lange hast Du die Route versucht?


Im Oktober 2015 bin ich zum ersten Mal auf die Route gestoßen. Ich habe sie damals zwar nur zweimal versucht, aber sofort erkannt, dass die Linie mein Ding ist. Insgesamt flog ich sieben Mal, entweder für eine Woche oder zwei Wochen, nach Andalusien. Die Entfernung zu meiner Heimat in Imst machte es mir hier nicht gerade leicht. Zudem begleiteten mein Projekt neben Freude auch Verdruss durch Griffausbrüche, Einschüchterungen und Verletzungen. Rückzugsgedanken kamen auf, vor allem nachdem mich die Verletzungen mehrere Monate außer Gefecht zogen. Aber dann, als ich wieder verletzungsfrei war, kam die Sehnsucht zurück und nach genau zwei Jahren harter Arbeit kletterte ich am 22. Oktober mein Projekt.

Dir sind Erfolge ja nicht unbekannt, aber das Gefühl „die Schwerste“ geklettert zu haben ist schon noch mal ein ganz besonderes Sahnehäubchen, oder? Wie ging es Dir danach?

Als ich den Umlenker einhängte, konnte ich es noch nicht fassen, dass ich mein Projekt nun geklettert bin. Es dauerte mehrere Tage, bis mir das so richtig bewusst wurde.

Gibt es schon neue Projekte? Das war ja nicht die erste Mammutleistung, die Du am Fels vollbracht hast.

Im Moment habe ich noch keinen konkreten Fokus. Sicher ist, dass ich demnächst keine so schwere Route mehr verfolge. Ich möchte viele Routen klettern, die mich fordern und die ich in weniger Versuchen klettern kann. Die Bandbreite beim Klettern ist ja groß genug.

Wir freuen uns auf alles, was noch kommt! Vielen Dank für deine Zeit und alles Gute!