Auf der Suche nach dem Wolpertinger - eine Expedition

 
Bayern ist schön! Da sind wir uns schon mal einig, nehme ich an. Seine Fauna und Flora ist überragend!  Auch darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Wir haben Steinböcke, Murmeltiere, Adler, ja sogar Wolf und Braunbär sind auf dem Weg zurück. Aber dennoch gibt es Arten, um die es in den letzten Jahrzehnten sehr, sehr ruhig  geworden ist. Für jüngere Generationen sind sie gar ins Reich der Legenden übergesiedelt. Wir wollten Klarheit und haben uns auf die Suche gemacht! Drei Spezln im tiefen Holz und Gebirg, von Angesicht zu Angesicht mit dem Wolpertinger!

Die Idee entsteht
Alles begann, naja, wie so oft bei der Evi. Feierabend war, g´mütlich war´s, das Wetter warm, das Bier schön frisch und der David, der Basti und ich kamen ins Erzählen. Irgendwann, da war´s schon gar nicht mehr so warm und auch dunkel, zentralisierte sich das Thema.  Wir packten die alten Legenden aus, die uns unsere Eltern und Großeltern schon in der Kindheit (unserer) gerne erzählten. Seltsam war allerdings, dass  eine Figur bei jedem von uns präsent war. Immer und immer wieder tauchte der Wolpertinger auf. Als es draußen so langsam saukalt wurde gingen wir heim und in uns reifte der Entschluss, wir müssen dem Ganzen auf den Grund gehen, quasi auf Expedition!

Erste Spuren
Nach ausführlicher Vorbereitung und  intensivster Planung (bei der Evi), stellte sich die Frage wo wir mit den Nachforschungen beginnen sollten. Nach anfänglicher Ratlosigkeit kam uns Mitte Juli der Zufall zu Hilfe. In einer großen Münchner Tageszeitung prangte von der Titelseite die Schlagzeile: „Paderborner Ehepaar irrt 3 Tage durchs Arberland – der Ehemann beschwört: Ein kleines, seltsames Tier hat uns in die Irre geführt!“ Es ist immer einfach, solche Nachrichten auf sogenannte Sommerlöcher zu schieben. Nein, liebe Leute! So was denkt man sich nicht aus! Nessie, gut! Yeti, auch gut! Aber so was? Beim besten Willen nicht! Wir waren alarmiert, packten zamm und brachen auf.

Drei Männer tief im Wald
Am Arber gingen wir direkt, wie in der Zeitung beschrieben,  in das etwas abseits des Touristenrummels liegende Tal. An nähere Angaben kamen wir leider nicht, da der verantwortliche Redakteur uns jegliche weitere Information, sowie die Kontaktdaten des Ehepaares, verwehrte. Auch aus der heimischen Bevölkerung war nichts raus zu holen. Also eben ganz auf eigene Faust! Umso weiter wir in die schmale Schlucht vordrangen desto unwegsamer wurde es. Steine und umgefallene Bäume blockierten den Weg auf eine Weise, die uns kaum noch an Zufall glauben ließ. Teils konnten wir uns nur noch im Bach laufend vorwärtsbewegen. Nach Stunden mühevollen Dahinkraxelns, wir wollten schon aufgeben, hat´s mich recht unvermittelt, naja, der Länge nach aufs Maul genommen! Sagen wir´s mal so. Glück gehabt! Weil? Weil: Die neue Perspektive bot mir freie Sicht auf eine kleine Grotte, zwischen den Wurzeln einer alten Fichte. DER Platz! Der perfekte Platz! Bei näherer Betrachtung sah das Loch sogar ein kleines bisschen gepflegt aus, in unseren Augen. Fast gemütlich, da musste einfach was sein. Hier wollten wir uns die Nacht über auf die Lauer legen. Wir suchten uns eine geschützte Stelle hinter ein paar Felsen unter uralten Fichten, koppelten die Kamera mit dem Nachtsichtgerät, installierten Bewegungsmelder in der Umgebung der Grotte und platzierten ein anständiges Glas Bärwurz im Eingangsbereich. Anscheinend das Lockmittel schlechthin! Dann machten wir uns bereit für die Nacht. Die restliche Flasche nahmen wir erst mal mit ins Versteck...

Schlaflos
Die Uhr zeigte 23:26 an, bisher war nichts passiert, als ein leises Gurren und Quietschen und Gluckern durch die Dunkelheit drang. Unterbrochen von einem dezenten Rülpser. Es war stockfinster als plötzlich die Kamera auslöste. Einer der Bewegungsmelder hatte angeschlagen. Basti wollte gerade durch den Sucher schauen, als David losfluchte. Dann auch Basti und im nächsten Moment traf mich etwas hartes am Kopf. Dann nochmals und nochmals. Wir verkrochen uns jammernd unter den Felsen, die Kamera klickte jedoch stetig weiter. Irgendetwas fiepsendes schlich die ganze Zeit um unser Lager. Wir trauten uns bis zum Morgen nicht mehr raus. Als in der Früh die ersten Lichtstrahlen unser Lager erreichten, fanden wir unseren Schlupfwinkel übersäht mit Tannenzapfen, die „Geschosse“ der letzten Nacht.  Das Schnapsglas vor der Grotte war verschwunden!

Aufregung
Wir rannten zur Kamera und drückten auf die Wiedergabetaste. Die ersten beiden Bilder zeigten nichts als das volle Glas, doch auf dem dritten war etwas…  hinter den Wurzeln… Auweh!!! Tatsächlich, wir hatten ihn! Alles richtig, alles wahr, wir haben´s gewusst! Allen Zweiflern zum Trotz und dem depperten Redakteur wird sein Grinsen jetzt auch im Hals steckenbleiben! So schaut´s aus! Jetzt hieß es erst mal wieder runterkommen, wir hatten einen guten Start, ein undeutliches Foto im Dunkeln macht aber noch keine Story. Hinzu kam, dass das Tierchen jetzt natürlich alarmiert war.

Unerwartete Wendung
Wo soll unsere Suche weitergehen? Wir diskutierten fieberhaft. Tiefer in die Schlucht hineingehen? Hier war schon fast kein Vorwärtskommen mehr. Vielleicht gibt´s jetzt erst mal ein Schlückerl Bärwurz. Gute Idee, fanden wir, holten die angebrochene Flasche raus und jeder nippte ein, zwei Mal. Plötzlich raschelte es im Gebüsch neben uns. Da war er! Stand da, in sicherer Entfernung  und beobachtete uns neugierig. Vorsichtig nahm ich die Kamera und klick, das erste Foto eines Wolpertingers in seinem natürlichen Habitat war im Kasten. Er quietschte kurz und verschwand. Aufgeregt sprangen wir zu der Stelle an der er stand. Keine Spur von ihm, nichts, gar nichts, bis auf eines: hinter einer Wurzel stand das vermisste Köderschnapsglas von letzter Nacht. Sollte das wirklich…? Wir überlegten nicht lange, füllten auf und zogen uns ein paar Meter zurück. Es dauerte nicht lange, da kam er wieder aus den Büschen. Lief ein paar Minuten vor uns herum, ging zu „seinem“ Glas, beugte sich hinunter, natürlich nicht, ohne uns im Blick zu behalten und ließ es sich schmecken. Dann verschwand er wieder. Den ganzen Vormittag über ging es so weiter, auffüllen, ein bisserl posieren, weg.
Dann war die Flasche leer und wir sahen ihn niemals wieder, den Bazi!
Mindestens genau so war´s, glaubt es, oder glaubt es nicht...