Langes Wochenende im Berchtesgadener Land

Bechtesgaden
Beim Abstieg vom Hohen Brett.

„Also da ist’s ja auch sehr schön und dann könntet Ihr auch so rauf und da runter, oder hier hinten rum und wenn Ihr noch Zeit habt's, müsst Ihr Euch unbedingt die Tour noch anschauen, ach, und hier ist's meistens so schön einsam und auf der Runde waren wir mal fünfzehn Stunden unterwegs...“
Natürlich sind wir davon ausgegangen daß sie sich hier auskennt, als wir die Wirtin unserer Pension nach Tourentipps fragten – mit einer Einweisung in die vollständigen Berchtesgadener haben wir dann doch nicht gerechnet.

Wir hatten ja eigentlich auch einen Plan für die vier Tage. Ganz klassisch: Watzmann! Zuvor waren wir allerdings auf der Blaueishütte im Hochkalter-Massiv und auf unserer ersten Tour hinauf zur Schärtenspitze blickten wir durch's Teleobjektiv hinüber zum Watzmanngrat. Da wurden leider unsere schlimmsten Befürchtungen wahr: Das kurzzeitig stabile Wetter hatte auch den letzten Gipfelaspiranten hergelockt, die Ameisenstraße zog sich zäh und träge vom Watzmannhaus zum Hocheck, dem ersten der drei Gipfel und auf Anstehen hatten wir nach kurzer Beratschlagung keine Lust.

Berchtesgaden-Watzmann-wandern
Der Watzmann vom Gipfelplateau des Hohen Brett.


Also, wohin dann im Berchtesgadener Land?

Eine Unterkunft war schnell gefunden und nun saßen wir über der Karte, aber für uns als Berchtesgaden Neulinge war das Angebot einfach enorm, hier, im Nationalpark. Redlich verdient hat er diesen Titel, den er seit 1978 trägt, denn die Anzahl der Naturwunder in den drei Haupttälern und den dazwischen aufragenden Gebirgsstöcken ist riesig. Begonnen beim Königssee, der sich fjordartig zwischen steilen Wänden in das Gebirge zieht, die mächtigste darf sich mit 1800 Metern reiner Wandhöhe sogar höchste der Ostalpen nennen, die riesige Watzmann Ostwand! Auf der anderen Seite des Berges liegt das Wimbachgries, ein schuttbedeckter Kessel mit reichhaltiger Tier- und Pflanzenwelt, ursprünglich durch einen Einsturz des Gewölbes zwischen Watzmann und Hochkalter entstanden und von den Eiszeiten in seine heutige Form gebracht. Am Hochkalter hat sich sogar bis heute ein Gletscher erhalten, der nördlichste der Alpen, das Blaueis. Allerdings lässt einen das kleine Fleckchen Eis eher wehmütig werden, in den letzten hundert Jahren hat er über 50 % seiner Größe eingebüsst. Und hinter alldem steht ruhig und mächtig die gewellte Karsthochfläche des steinernen Meeres mit ihrer rissigen Karrenlandschaft und den kleinen Seen. Kontrast pur zwischen vielen rauen Gipfeln...

Berchtesgaden-Königssee-Herbst
Berchtesgaden-Wimbachklamm
1. Romantik pur: Der Königssee früh morgens. 2. Wilde Wasser in der Wimbachklamm.


Wir konnten uns schließlich mit Hilfe unserer Pensionswirtin auch noch entscheiden, für eine Traumtour im Gebiet des Hohen Göll. Auf das vorgelagerte Hohe Brett. Ein steiler Aufstieg führt auf das weitläufige Gipfelplateau vor den mächtigen Abstürzen der Göll Ostwand. Das Panorama von hier oben ist unglaublich!

Und zu einem Halt am Königssee und einem Abstecher in die wildromantische Wimbachklamm reichte es auch noch.

Tourenvorschläge:

Schärtenspitze 2153m

Vom Parkplatz am Hintersee zuerst auf Forstwegen vorbei an der Schärtenalm, dann auf einfachem Steig hinauf zur Blaueishütte. Von dort zuerst in Richtung Blaueisgletscher bis der Weg nach links zur Schärtenspitze abzweigt, dann steil bergauf durch eine felsige Rinne. Danach folgen Passagen über ausgesetzte, schottrige Bänder und einige kleinere Felsstufen zum Gipfel. Mehrere Abschnitte sind drahtseilversichert.
Auf dem Gipfel bietet sich einem das volle Panorama ins Wimbachgries und auf die Watzmann Westflanke. Abstieg wie Aufstieg, oder, sehr empfehlenswert, über den Gratrücken zur Eisbodenscharte ( auch einige gesicherte Passagen ) und von dort vorbei an der Mitterkaser Hochalm zurück zur Schärtenalm.

Dauer:
Parkplatz - Blaueishütte 3 Stunden, weiter zum Gipfel 1,5 Stunden, Abstieg ca. 4 Stunden. Abstiegsvariante über Eisbodenscharte ungefähr 1,5 Stunden länger.

Schwierigkeit: mittel - schwer

Höhenunterschiede: ca. 1350 hm im Auf- und Abstieg

Berchtesgaden-Hochkalter
Am Gipfelgrat zur Schärtenspitze.

Alternativen rund um die Blaueishütte:

Hochkalterüberschreitung 2606m
Aufstieg ab Blaueishütte ca. 3,5 - 4 Stunden, anspruchsvolle Gratüberschreitung, keine Absicherungen, teilweise Kletterei bis II, Abstieg über das Ofental nach Hintersee 4 - 4,5 Stunden

Bouldergebiet Blaueis
wunderschöne Boulder an griffigen, rauhen Kalkblöcken. Die ersten finden sich im direkten Umfeld der Hütte, aufgrund des 3 stündigen Zustiegs aber leider oft verschmäht.

Klettern
im Gebiet der Blaueishütte gibt es ca. 30 alpine Kletterrouten und ca. 40 Sportkletterrouten in fast allen Schwierigkeitsgraden ( III - IX )

Blaueishütte
Familie Hang
Telefon: 08657 - 271
info@blaueishuette.de
www.blaueishuette.de


Hohes Brett, 2340m

Vom Parkplatz Hinterbrand in ca. 1 Std. zur Mitterkaseralm, hinter der Almhütte geht ein ( unbeschilderter ) Steig nach oben auf das Joch zwischen Hohem Brett und Pfaffenkegel. Hier steigen wir linkerhand auf und gelangen über einen felsigen, teils ausgesetzten Steig ans Jägerkreuz. Nun den Steinmännern über das geneigte Plateau zum Gipfel folgen ( Aufstieg ab Mitterkaseralm ca. 2 Std.).
Abstieg zurück zum Joch und über den aussichtsreichen Rücken des Pfaffenkegels zum Carl v. Stahl Haus. Von dort über die Mitterkaseralm nach Hinterbrand.

Dauer:
Hinterbrand - Hohes Brett ca. 3 Std, Abstieg über Stahlhaus - Hinterbrand ca. 3 Std

Höhendifferenz: je ca. 1200 hm im Auf- und Abstieg

Schwierigkeit: mittel, zum Jägerkreuz teils ausgesetzter, gesicherter Steig

Berchtesgaden-Hoher-Göll
Am Hohen Brett sieht man in die mächtige Göll Ostwand.

Alternative:

Besteigung des imposanten Hohen Göll über den Mannlsteig ( mittelschwerer Klettersteig )
Ausgangspunkt: Kehlsteinhaus ( Bus ab Obersalzberg )
Dauer: Kehlstein - Hoher Göll ca. 3.5 Std, Abstieg über Alpeltal ca. 3 Std. nach Hinterbrand, von dort Busverbindung zum Parkplatz Obersalzberg.

Variante für sehr Konditionsstarke: Überschreitung zum Hohen Brett (plus 2 - 2 1/2 Stunden), Abstieg über Stahlhaus nach Hinterbrand ca. 3 Std.
Höhendifferenz: Aufstieg ca. 850 hm, Abstieg ca. 1400 hm
Schwierigkeit: anspruchsvoll, für den Mannlsteig komplette Klettersteigausrüstung empfehlenswert. Die gesamte Tour erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.

Hütte:
Carl v. Stahl Haus
Hüttenwirt Peter Pruckner
Tel: 08652-655 99 22
ganzjährig bewirtschaftet

Tipp: Sehr guter Ausgangspunkt auch im Winter für Skitouren, z.B. Hoher Göll, Hohes Brett, Schneibstein, Kleine und Große Reibn.

Allgemeine Informationen BGL:

Tourismusverband Berchtesgaden
www.berchtesgadener-land.com
Bahnhofplatz 4
83471 Berchtesgaden
08652 - 656 50 50

Alpine Auskunft:
https://www.berchtesgadener-land.com/natur/wandern/alpine-auskunft-des-dav


Text und Fotos: André Tappe