City of Rocks – Klettern in Idaho

Klettern in den USA, was läuft da nicht sofort für ein Film im Kopf ab? Wilder Westen, rote Sandsteintürme mitten in der Wüste, zwischen schattenspendenden Kakteen eine Kühlbox voll mit „Papst“ Dosenbier und ein einsames Zelt, Feuerschein irgendwo in der endlosen Weite. Oder doch lieber der goldene Granit im Valley, Abenteuerklettern im Black Canyon oder Sportklettern am perfekten Sandstein in der Red River Gorge? So vielfältig wie die Möglichkeiten zum Klettern in den USA, so vielfältig ist das ganze Land.

Text und Fotos: Sabrina Markus

Der Plan

Nachdem wir leider nicht mit der nötigen Zeit für einen ausgiebigen Road-Trip gesegnet sind und bereits vor einigen Jahren einen längeren Aufenthalt in den Smith-Rocks verbringen durften (unser Auto gab damals seinen Geist auf und bescherte uns einen sechswöchigen, wunderschönen Kletteraufenthalt in der Geburtsstätte des Sportkletterns Amerikas), hatten wir beschlossen die Gebiete eben eins nach dem anderen kennenzulernen. Dies hat den entscheidenden Vorteil, dass Folgetrips quasi zwangsläufig und obligat sind. Und so entschieden wir uns nach längerem hin und her, das bei uns eher weniger bekannte Gebiet „City of Rocks“ in Idaho näher in Augenschein zu nehmen. Zu verlockend klangen die Beschreibungen von herrlichen Wandklettereien an festem Granit in allen Schwierigkeitsgraden, sowie die Möglichkeiten sich im Trad- und Rissklettern zu üben. Das Ganze eingebettet in eine bizarre Wild-West Wüstenkulisse mit erstaunlich grünen Bachtälern und ganz viel Sonne. Und was sollen wir sagen, die Beschreibungen vorab haben nicht zu viel versprochen.

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Felstürme, Rinnen, Platten und dazwischen grüne Täler - die City of Rocks

Erst mal ankommen

Zwölf Stunden, drei Filme, unterbrochen durch ziemlich gutes Essen, und ein unruhiges Nickerchen später landen wir in San Francisco. Hier nehmen wir nach verblüffend unkomplizierter Einreise auch gleich den gebuchten Mietwagen in Empfang, ganz nach dem Motto wer die Wahl hat, hat die Qual. Aus einer Reihe von bestimmt 20 Autos verschiedenster Hersteller, Ausführungen und Größen hat man freie Auswahl. Mittlerweile beladen mit Tüten voller Lebensmittel und anderen „lebensnotwendigen“ Errungenschaften wie Gaskartuschen und einer Kühlbox trudeln wir gerade noch mit dem letzten Tageslicht auf einem Campingplatz irgendwo kurz vor Sacramento ein. Es ist schon beeindruckend wie hier alles ein bisschen größer, lauter und greller ist. So auch die Wohnmobile die in etwa Reisebusgröße haben und durch seitliches Ausfahren auf die Fläche einer 50 m²- Wohnung erweitert werden können.
Lake Tahoe

Erster Stop vor unserem eigentlichen Grund hier zu sein ist Lake Tahoe, ein kleines aber feines Klettergebiet, eingebettet in eine wilde Landschaft und hervorragend geeignet zur Eingewöhnung ins traditionelle Klettern. Traditionen gibt es ja auch bei uns, hier heißt das aber ganz konkret so gut wie keine Bolts, weder in der Route noch am Stand und somit gleich schon mal ein bisschen Nervenkitzel. Clean heißt hier tatsächlich was der Name verspricht, nix drinne. Auch in Mehrseillängen müssen die Stände komplett selber eingerichtet werden, was bei der Materialplanung und Auswahl auch gleich mal herausfordernd ist, müssen doch am Stand immer noch die richtigen Größen vorhanden sein um selbigen aufzubauen. Nach dieser kurzen aber intensiven Eingewöhnung ins Granitklettern fühlen wir uns einigermaßen gewappnet und können unsere Neugier eh kaum mehr im Zaum halten wie es denn in unserem anvisierten Ziel der City of Rocks wohl sein wird.

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Granit am Lake Tahoe

City of Rocks

Zehn Stunden und knapp 800 Meilen später, Zeit und Raum verschwimmen hier schnell ein wenig, kommen wir wieder im letzten Licht des Tages am Ziel unserer Träume an. Und auch wenn wir im Zuge der fortschreitenden Dämmerung nicht mehr allzu viel erkennen können, ist es genau so wie wir es uns vorgestellt hatten. Granitmonoliten soweit das Auge reicht, einer bizarrer geformt als der Andere. Dazwischen eine schmale Schotterpiste und von ihr abzweigend schmale Pfade die zu gemütlichen Campsites mit Feuerstelle und Sitzgelegenheit führen. Am nächsten Morgen geht es nach einem ausgiebigen Frühstück hoch motiviert an den Fels und so können die ersten Klassiker wie "Rye Crisp" oder "Wheat Thin" am Elephant Rock im Tourenbuch verewigt werden.

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1. Gemütlicher Abend zwischen den Felstürmen. 2. Netter Besuch. 3. Wilde Felsformationen aus feinstem Granit.

Es mag viele Unterschiede zwischen Amerika und Europa geben, bezogen auf das Klettern ist es die ausgeprägte Liebe der Amis zum Trad-Klettern. Eine Spielart die bei uns, auch mangels geeigneter Klettergebiete, eine eher untergeordnete Rolle spielt, hier jedoch die Aspiranten an den namhaften Linien Schlange stehen lässt. Im Umkehrschluss sind die eingebohrten Routen, auch davon gibt es hier mehr als genug, so gut wie immer frei. So können wir in aller Ruhe Klassiker wie „She´s the Bosch“, eine Hommage an die Anfangszeit des Sportkletterns, und viele andere geniale Linien klettern. Wie es immer so ist, vergeht die Zeit wie im Fluge und wir müssen unsere geliebte Campsite 8 nach fast zwei Wochen viel zu schnell wieder verlassen. Zum Glück noch nicht endgültig gen Heimat, sondern ins für Kletterer fast heilige Yosemite Valley.

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Kurztrip ins Yosemite Valley

Was wir dabei nicht bedacht haben ist die Tatsache das es hier offensichtlich einen Jahrhundertwinter mit Rekordschneemassen gab und somit viele der Campingplätze entlang Tioga Road noch nicht geöffnet haben was natürlich zu einem nicht geringen Ansturm auf die restlichen Plätze führte. Nun ja, letztendlich gab es immer irgendwo einen annehmbaren Schlafplatz und es galt sich einmal mehr umzustellen. Umzustellen auf technische Granit-Plattenkletterei gespickt mit kleinen Felspatknubbeln und zum Teil recht sportlichen Sicherungsabständen. Aber gerade deshalb geht man ja Klettern, oder? - Aufgrund der Vielfalt - an Bewegungen, an herrlichen Landschaften, an physischen und mentalen Herausforderungen und interessanten Begegnungen...

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1. Darf im Valley nicht fehlen: El Capitan

Zu guter Letzt haben wir es auch noch ins Allerheiligste der Klettercommunity geschafft – ins Valley, ins Camp IV zum Fuße des El Caps. Wenn auch nur als einfache Touristen, in einer langen Autoschlange, aber nichts desto trotz genauso staunend, bewaffnet mit Fernglas und einem kühlen Papst!

Der große Rest bleibt… für den nächsten großen Urlaub.