Das Lebenshilfe Projekt

Ich darf mir aussuchen, was mir gefällt?!  

Man sagt ja, man solle Gutes tun und nicht darüber reden. So halten wir es auch seit Jahren. Aber in der letzten Zeit haben wir diesen Gedanken ein wenig hinterfragt. Und zwar deshalb, weil die Aktionen und Projekte, die wir unterstützen durch unser Stillhalten eben auch nicht bekannter werden. Vielleicht wird der ein oder andere aufmerksam, vielleicht dient es dem ein oder anderen als Inspiration, wenn wir darüber sprechen? Und so sprechen wir darüber! Und zwar mit Harry Hahn, unserem Leiter der Logistik – und auch Leiter ganz spezieller Projekte, die ihm sehr am Herzen liegen!




Herr Hahn, soeben hat das Sporthaus Schuster die Lebenshilfe Starnberg besucht und 1.300 Sportartikel verteilt. Können Sie die Aktion ein wenig erklären?


Das Lebenshilfe-Projekt gibt es seit 2010. Wir verteilen sämtliche Verkaufsmuster und Ware mit kleinen Fehlern, die sich bei uns ansammeln an Menschen mit Behinderung. Der Schuster Transporter fährt also jährlich ein bis zwei Stationen der Lebenshilfe in München und im Umkreis an: von Bad Tölz über Freising und Erding bis Landsberg. In diesem Jahr haben wir nun zum zweiten Mal die Lebenshilfe Starnberg besucht.

Sportgeschäft für einen Tag! Die schön vorbereitete "Verkaufsfläche" bei der Lebenshilfe - ohne Kasse.
Sportgeschäft für einen Tag! Die schön vorbereitete "Verkaufsfläche" bei der Lebenshilfe - ohne Kasse.


Sie kommen mit einem Lastwagen voller Produkte und die Menschen können sich frei bedienen?


Wir kommen nicht nur mit der Ware, wir bauen inzwischen ein richtiges Sportgeschäft auf. Wir haben alles dabei: Spiegel, Umkleidekabinen, beratendes Fachpersonal – nur die Kasse fehlt... Das Projekt hat sich über die Jahre richtig professionalisiert.


Wie ist die Idee entstanden?


Es wurde als Projekt von Schuster-Mitarbeitern initiiert und der Ursprung liegt eigentlich in einer logistischen Herausforderung. Wir haben Reklamationsware, oft mit nur kleinen Mängeln, die einen recht aufwändigen Retourenprozess bedeuten. Wir wollten im Sinne unserer Kunden den Service optimieren, so dass nicht mehr vier Wochen auf ein Feedback des Lieferanten gewartet werden muss, sondern gleich Ersatz oder Gutschrift gewährt werden kann. Unsere Fachberater treffen nach Begutachtung der Ware eigenständig die Entscheidung. Wir haben hier mit den Lieferanten unterschiedliche Regulierungen getroffen. Und dann bleibt natürlich Ware bei uns liegen...


Und die Mitarbeiter wollten sie positiv einsetzen?

Genau! Sie ist viel zu schade, um entsorgt zu werden. So haben wir nach bedürftigen Menschen hier in unserem Umkreis gesucht.



Die Freude ist riesig.
Die Freude ist riesig.

Wieso hier vor Ort?


Es gibt auch in unserem direkten Umfeld Menschen, die bedürftig sind. Die Not um’s Eck sozusagen. Der Schuster engagiert sich schon seit Jahren wohltätig in den unterschiedlichsten Bereichen in und um München und darüber hinaus (u.a. Münchner Tafel und Sir Edmund Hillary Stiftung). Viel darüber gesprochen wird nicht. Doch ich finde, dass wir das durchaus tun sollten. Durch die Kommunikation erfährt manch einer erst von den Bedürfnissen der Menschen – gerade hier in der Region. Und vielleicht inspiriert das den ein oder anderen, ebenfalls aktiv zu werden.

Das Lebenshilfe-Projekt läuft nun seit vier Jahren sehr erfolgreich...


...und ist für uns immer wieder ein emotional sehr berührendes, freudiges Erlebnis. Es ist exemplarisch, wie toll, wie nachhaltig sich eine langfristige Kooperation entwickelt. Wir haben einst mit Starnberg klein begonnen. Waren dann in den Folgejahren in München, Bad Tölz, Erding, Freising, Landsberg – und nun kehren wir deutlich größer nach Starnberg zurück.


Wieso fiel die Wahl auf die Lebenshilfe?


Die Lebenshilfe ist eine Einrichtung, die in unserem Umkreis sehr gut aufgestellt ist und eine fantastische Arbeit leistet. Und  Sport ist ein wichtiger Bestandteil in der Förderung und Integration von Menschen mit Behinderung. Sport ist ein Brückenbauer. Menschen mit Behinderungen treiben genauso Sport und sie können sämtliche Sportartikel in sämtlichen Größen gebrauchen.


Und die Freude ist groß...


Riesig! Nicht nur bei den Kindern. Was man oft nicht weiß: Ältere Menschen mit Behinderung bekommen lediglich ein kleines Taschengeld zu ihrer freien Verwendung. So kommen sie nur selten in den Genuss, sich selbstbestimmt etwas im Laden auszusuchen. Jetzt können sie genau das bei unserer Aktion tun. Das trägt entscheidend zur großen Freude bei: „Ich darf mir aussuchen, was mir gefällt?!“


Und was gefällt besonders?


Gerne bunte Sachen und gerne alles rund um den FC Bayern! Wir haben immer wieder Trikots, die falsch beflockt wurden. Wo vielleicht der Name falsch geschrieben wurde oder Ähnliches. Die sind der absolute Renner...

Natürlich wird auch überprüft, ob alles richtig sitzt.
Natürlich wird auch überprüft, ob alles richtig sitzt.


Und was gefällt Ihnen besonders?


Wir freuen uns einfach unglaublich mit. Meine Kollegin Martina Stang und ich sind jedes Jahr dabei und dazu kommen noch ein, zwei Freiwillige. Wir haben jetzt schon Bewerbungen für die nächste Aktion. Und dieses Jahr hatten wir sogar eine Mitarbeiterin eines Lieferanten dabei. Sie wollte einfach mal selbst erleben, wie dieses Projekt abläuft und angenommen wird. Und hat sich prompt schon wieder für kommendes Jahr angemeldet.


Wie geht es denn weiter?


Der Termin für 2015 steht schon fest und wir werden dieses Mal wieder in München vorfahren. Jetzt, wo wir mit den Stationen in die zweite Runde gehen, ist auch die Wiedersehensfreude groß. Und ich habe soeben eine Bewerbung durch die Lebenshilfe vermittelt bekommen. Menschen mit Behinderung sind meist in Werkstätten in einem geschützten Bereich tätig. Viele sind aber durchaus für Außenarbeitsplätze befähigt. Es ist auch wichtig, diese Menschen in ihrer Selbstständigkeit zu fördern und sie in das alltägliche Arbeitsleben zu integrieren. Gelebte Inklusion! Wir werden den Kandidaten einladen und ihm dann wohl sehr wahrscheinlich einen Praktikumsplatz in unserer Logistik anbieten.


Herr Hahn, vielen Dank für das Gespräch – und die tollen Bilder!