Der Gründer: August Schuster

„Euer Hochwohlgeboren gebe ich mir mit heutigem die Ehre, meinen neuesten Katalog für BERG-SPORT... zu überreichen“. So sprach mein Großvater August Schuster in unserem ersten Katalog seine Kunden an. Er war der Pionier, der dem Schuster die „Stammwürze“ gab. Wenn ich mir so ansehe, was er alles gegründet, organisiert und geleitet hat, dann habe ich davor den größten Respekt. Das war einer, der mit allen Wassern gewaschen war. Wie sonst hätte er all die Rollen als Kaufmann, Bergsteiger, Sektionsgründer, Sportbegeisterter und Familienvater unter einen Hut bringen können?


Als 24-jähriger entdeckte er seine Passion, die von da an sein Leben bestimmen sollte: Die Bergsteigerei! Mit seinen Erstbesteigungen, wie der des Loreley-Felsens von der Rheinseite aus, holte er sich das Selbstbewusstsein für seine kommende Lebensaufgabe. Am 22. April 1913 eröffnete er sein Geschäft in der Rosenstraße – er war 30 Jahre alt. Ein wenig mulmig wird ihm schon gewesen sein, als er nachmittags den Schlüssel herumgedreht hat, um die Ladentür zu öffnen. Aber er lag mit seinem Vorhaben genau in der Spur der Zeit und der Schuster entwickelte sich rasch zu einem unverzichtbaren Ausrüster.


Mit seinem Engagement festigte August über die Jahrzehnte den Ruf des Hauses und sorgte dafür, dass die Bergsteigerei mittig im Chromosomensatz des Sporthauses Schuster saß und heute noch sitzt. Schon in den ersten Jahren wurden zahlreiche Expeditionen ausgerüstet, von denen einige heute nicht nur in der alpinen Literatur zu finden sind, sondern auch in den Geschichtsbüchern.


Und auch bei der Erschließung der hiesigen Bergwelt spielte mein Großvater eine führende Rolle – allen voran mit der Gründung der Sektion Bergland im Jahre 1908. Er war im besten Sinne „Kulturschaffender für die Bergregion“. Er regte die Gründung der Gruppe „Jungbergland“ an, aus der die erste alpine Jugendherberge entstand, sowie die Gründung der Bergwacht. In einem Liederbuch der DuÖAV-Sektion München findet sich sogar schon 1914 ein Loblied auf den Schuster und seinen täglich aktualisierten Schneebericht:


„Ich ging in trüber Winterszeit die Bayerstraß’ entlang.
Ein grauer nasser Nebel rings, mir war ums Herz so bang.
Da führte mich ein guter Stern zum Sporthaus Schuster hin.
Dort wurde mir die Botschaft froh, und leicht wurd’s mir im Sinn.“


1919 konnte die Sektion die Pürschlinghäuser langfristig pachten. Sie waren­ einst das Jagdhaus von König Max II. und auch sein Nachfolger Ludwig II. war oft hier oben in den Ammergauer Alpen. 1932 verhandelte mein Großvater, so dass die Häuser samt Grund und Boden von der Sektion erworben werden konnten. Und er leitete die Ausweisung der Ammergauer Alpen zum Naturschutzgebiet in die Wege. Für all das bekam er 1952 von der Sektion die Ehrennadel verliehen. Im Sommer 1956 wurde bei einer großen Würdigungsfeier seines Lebenswerkes das Haus am Pürschling in August-Schuster-Haus umbenannt. Leider erlebte mein Großvater diese Auszeichnung nicht mehr. Er verstarb am 01. September 1955.