Diamir Vipec 12 – Die neue Skitourenbindung im ersten Test

Die Pin-Skitourenbindung war bisher das (patentierte) Feld von Dynafit. Nun ist das Patent ausgelaufen und die Konkurrenz hat sich prompt daran gemacht, ihre eigenen Pin-Varianten zu entwickeln. Mit der Vipec 12 hat Diamir gleich einen Sicherheitspunkt obendrauf gesetzt! Die Neuerung: Sie kommt mit einer definierten Sicherheitsauslösung auch im Aufstiegsmodus! Wie bei den Alpinbindungen löst die Vipec 12 seitwärts im Frontautomaten aus. Und wie ist sie sonst so? Wir haben den Schnee gesucht und im Kleinwalsertal gefunden, in dem wir die neueDiamir einem ersten Test unterziehen konnten.


Kurzer Hintergrund
Bei den Tourenbindungen unterscheidet man zwischen Rahmenbindung und (rahmenloser) Pin-Bindung. Bei Ersterer sind Hinter- und Vorderbacken durch eine Schiene fest verbunden. Ihr Vorteil: Sie sind robust, vielseitig und einfach in der Bedienung: Ein- und Ausstieg erfolgt wie bei einer normalen Alpinbindung – und auch die Sicherheitsauslösung funktioniert wie bei einem Alpinski.


Anders bei der Pin-Bindung: Fixiert ist der Tourenschuh lediglich am Frontbacken durch zwei Metallstifte, die seitlich in den Schuh einrasten. Der Einstieg erfordert also zunächst ein wenig Übung. Die Ferse bleibt frei. Erst zur Abfahrt lässt man sie einrasten. Der große Vorteil: Da die Steg-Verbindung zwischen Vorder- und Hinterbacken fehlt, muss man beim Gehen nicht den Fersenautomaten mit anheben. Dadurch spart man nicht nur an Gewicht, es geht sich auch leichter (auch in technischen Passagen, wie bei Spitzkehren).


Der Einstieg
Zur Diamir Vipec 12 im Einsatz. Sie wirkt robust, für eine Pin-Bindung durchaus auf Anhieb vertrauenserweckend. Wir haben sie auch entsprechend auf breitere Skier montiert, um zu sehen, ob und wie sie dem Einsatz mit schwereren Geschützen standhält. Um zu sehen, wie der Umstieg für den unterschiedlichen Tourengeher-Typus ausfällt, ist der eine von uns traditioneller Rahmenbindungsfahrer, während der andere Dynafit Pin-Nutzer ist. Das Ergebnis zum Einstieg: Wir haben uns beide ein wenig schwer getan, das Gefühl für die Diamir Pin-Einrastung zu finden. Das ist sicher Übungssache, aber Training in unproblematischem Gelände muss auf jeden Fall sein, bevor es anspruchsvoller wird.


Die ersten Schritte
Intuitiv ist der Ein- und Ausstieg bei der Vipec nicht. Aber man gewöhnt sich an das „Easy Switch Concept“, wie es die Schweizer nennen. Vorne geht es unproblematisch zu: Hebel nach unten (Einstiegsmodus), einrasten und Hebel auf Walk- bzw. Ski-Modus. Besonders einfach fällt es, weil einem der Modus wortwörtlich angezeigt wird. Ein Blick nach unten und man weiß, in welcher Position sich die Bindung befindet. Ebenfalls einfach zu bedienen ist die (dreistufige) Steighilfe zum Umklappen. Gewöhnungsbedürftig dann die Handhabung des Fersenbackens... Wie fährt noch einmal der Stopper aus?


Aufstieg & Abfahrt
Natürlich läuft es sich Pin-Bindungsgerecht angenehm mit der Vipec. Am Gipfel angekommen herrscht erst einmal Zufriedenheit vor. Doch dann zickt ein Hinterbacken beim Einstieg und sorgt für ersten Frust. Bindung wie Schuh sind schneefrei, aber erst nach einigem Geklopfe und Gepuste will der Schuh einrasten. Vereisung? Bei den doch recht warmen Temperaturen? Bei der Abfahrt vermittelt die Vipec jedoch einen soliden Eindruck. Es geht durch wunderbaren Powder (Überraschung!) genauso wie über ruppige eisige Passagen (keine Überraschung) und bei ausapernden Bedingungen müssen/dürfen wir den Ein- und Ausstieg noch einige Male üben...


Die Sicherheitsauslösung
Das wohl entscheidend Neue an der Vipec ist, dass sie sowohl frontal wie auch seitwärts eine definierte Sicherheitsauslösung bietet. Bei Dynafit bleibt beim Aufstieg die Verriegelung geschlossen und löst von selbst nicht aus. Dabei kann es natürlich auch bergauf problematisch werden, ob durch Abrutschen oder natürlich einen Lawinenabgang. Der Ski bleibt in solchen Situationen fest am Schuh fixiert. Bei der neuen Diamir löst der Frontautomat wie bei einer Alpinbindung aus. Zunächst schwenkt der Pin-Steg vorne schwenkt seitwärts aus und dann geben die Pins den Schuh frei. Die frontale Auslösung erfolgt über ein seitliches Schwenken der Pin-Einheit im Fersengehäuse.


Weitere Details
Wer auf Individualität oder einfach nur auf Farbtupfer steht, darf sich freuen. Für den Vorder- wie Hinterbacken gibt es bunte Clips, die man ganz einfach aufstecken kann. Zur Montage: Wer unterschiedlich langes Schuhmaterial hat, sollte die längere Montageplatte wählen. So hat man mehr Spielraum beim Verstellen. Passend zur Vipec 12 gibt es auch das Traxion-Harscheisen (90 und 115 mm) mit variabler Eingriffstiefe, so dass es auch auf jeder Steighilfstufe greift.


FAZIT
Die Diamir Vipec 12 ist eine spannende Pin-Alternative zu den Dynafit Modellen. Gewöhnen muss man sich an den Einstieg und teilweise auch an die Handhabung. Sehr schön ist aber die klare Angabe der Position der Frontfixierung und natürlich ist die Sicherheitsauslösung das zentrale Argument, das für die Vipec spricht. Der erste Test ist bestanden. Das Resümee: Vielversprechend! Aber wie sie sich in der Zukunft beim dauerhaften Einsatz bewährt, muss sich noch zeigen...


Daten & Spezifikationen
Gewicht: 470 g (pro Einheit und ohne Stopper)
Skibreite: > 67 mm
DIN: 5-12


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