Die richtige Bekleidungswahl: Schicht für Schicht auf Skitour

Funktionswäsche, Isolationsjacke, Hardshell... Auf Skitour geht es heiß (beim Aufstieg) und kalt (bei der Abfahrt) zu – und genau deshalb ist die Bekleidungswahl so wichtig. Unser Experte Ernst Söllner gibt Tipps.


Skitourengehen zählt zu den schönsten Sachen, die der Winter für uns parat hält: Landschaftserlebnis, Bewegung, Konditionstraining wie (hoffentlich) Abfahrtsspaß. Ein weiterer Pluspunkt: Eisige Temperaturen machen dem Skitourengeher nicht wirklich was aus. Man geht bei zweistelligen Minusgraden los und läuft sich ruckzuck warm – das kann man beim Alpin Skifahren nicht gerade sagen... Doch gerade weil auf das schweißtreibende Bergauf das zugige Bergab folgt, ist die Bekleidungswahl sehr entscheidend. Wir haben unseren Skitouren-Experten Ernst Söllner um seine Tipps gebeten.


Ernst, es hat -12° C am Start auf dem Parkplatz. Wie laufe ich los?


Grundsätzlich muss man erst einmal betonen, dass man beim Skitourengehen um das Zwiebelprinzip nicht herumkommt. Und das ist auch gut so. Es bietet einfach enorm viel Flexibilität. Schicht für Schicht kann man ablegen oder eben überwerfen wie man will.


Und was versteht man unter dem Zwiebelprinzip?


Diesen Begriff verwendet man, wenn man die unterschiedlichen Textillagen übereinander trägt – eben wie die Schalen einer Zwiebel. Direkt auf der Haut trägt man die Funktionswäsche. Beim Material hat man die Auswahl zwischen feiner Merinowolle, Kunstfasern (wie Polyester) oder inzwischen auch Mischprodukten. Grundsätzlich ist das eine Frage der Vorliebe. Wobei Synthetik bei wirklich schweißtreibenden Aktionen noch im Vorteil ist. Dafür hat man mit Merino ein tolles Naturprodukt, das sehr gut isoliert und mit dem man nicht so schnell ins riechen kommt... Wichtig ist, dass die erste Lage wirklich auf der Haut aufliegt und so den Schweiß abtransportieren kann. Es hilft nichts, wenn sie am Körper schlabbert.


Und als zweite Schicht?


Ich trage gerne eine Weste über der Funktionswäsche, die den Rumpf gut vor Wind schützt, aber die Arme angenehm belüftet. Andere tragen einen Fleece-Pulli. Als wirklich wärmende Schicht (die aber oft schon gleich zu Beginn im Rucksack verstaut wird) eignen sich die Isolationsjacken hervorragend.


Die sieht man generell überall im Einsatz, in der Stadt genauso wie auf dem Berg. Was macht die Isolationsjacken so beliebt?


Sie sind unglaublich leicht und kuschelig, halten dabei extrem gut warm und sehen zumeist auch sehr stylisch aus... Isolationsjacken gibt es auch in den unterschiedlichen Varianten und so ist für jeden die passende dabei. Sie unterscheiden sich in der Konstruktion (mit und ohne Kapuze/Taschen etc.), dem Wärmegrad (dünn bis dick), und natürlich dem Füllmaterial. Manch einer schwört auf das Daunenmodell, andere auf synthetische Füllungen wie Primaloft und Ortovox ist sehr erfolgreich mit seiner Swisswool-Füllung.


Fehlt noch die dritte Schicht, also die Außenlage?


Ja, ich habe eigentlich immer eine 3-Lagen-Jacke dabei – absolut wasser- und winddicht – die ziehe ich dann aber meistens erst oben am Gipfel an.


Bleiben noch Kopf und Finger...


Dünn bergauf, dick bergab: ein Stirnband oder eine Mütze für die Tour bieten aureichend Schutz und transportieren den Schweiß ab. Oben setzt man dann die warme Mütze bzw. natürlich den Helm auf und man wechselt in die dicken Handschuhe.


Generell ist am Gipfel Austausch angesagt – muss das sein?


Das muss sein! Raus aus den nassen Klamotten, schneller Wechsel in frische Funktionswäsche, Isolationsjacke und die Außenschicht überwerfen. Das geht ruckzuck und man kühlt nicht in den klammen Sachen aus. Jeder routinierte Skitourengeher geht hier einfach mit System vor: Wenn man mit nacktem Oberkörper dasteht und dann erst nach der Wechselwäsche kramt, kühlt man natürlich aus. Also alles schön herrichten und schnell wechseln.


Sonstige Tipps?


Weil es so viele unterschiedliche Schichten sind und man da vielleicht mal was vergisst, richte ich immer schon alles am Vortag her. Ich habe meistens auch noch einen Buff dabei. Ob bei Wetterwechsel, aufkommendem Wind oder Kälte bietet er guten Schutz und wiegt fast nichts.