Die richtigen Wanderschuhe für die Tour

Bergschuh ist nicht gleich Bergschuh: Geht es auf Hochtour oder zum Trekking, auf den Klettersteig oder auf eine entspannte Wanderung? Soll der Schuh aus Leder sein oder lieber eine leichtere Variante? Wie hoch, wie steif, wie robust? Wer hat die Antworten auf all diese Fragen? Unser Experte Hakki Faki!
Hakki, die Bergschuhabteilung im Schuster ist riesig. Wie orientiere ich mich als Kunde?
Wer bei uns im Sporthaus steht, sollte gleich einmal nach uns auf der Fläche Ausschau halten. Im Gespräch können wir recht schnell die richtige Auswahl ansteuern. Aber trotzdem gilt es beim Bergschuhkauf Zeit mitzubringen.
Auf was kommt es bei der Auswahl des richtigen Bergschuhs denn an? 
Zunächst einmal auf das Einsatzgebiet. In welchem Gelände bin ich mit dem Schuh zumeist unterwegs. Wer hauptsächliche leichte Wanderungen auf guten, befestigten Wegen unternimmt braucht einen anderen Schuh als jemand, der in hochalpine Bereiche vordringt und Steigeisen einsetzen wird.
Deshalb auch die Typisierung von A bis D – was verbirgt sich dahinter? 
Genau. Diese Einteilung erleichtert die Auswahl sehr. In die Kategorie A fallen Schuhe, die für einfacheres Gelände gedacht sind. So zum Beispiel die Multifunktionsschuhe, die extrem leicht sind, dabei aber eine griffige Sohle bieten und wirklich angenehm am Fuß sitzen. Wenn man den Adidas Terrex Swift oder den Salomon XA Pro 3D Ultra sieht, weiß man auch, warum sie ebenfalls im Alltagseinsatz so beliebt sind. Das Wort ‚Multifunktion’ spricht für sich...
Das sind aber niedrig geschnittene Modelle. Sollte man die am Berg nicht vermeiden?  
Traditionell findet man am Fuß des Wanderers natürlich Schuhe mit hohem Schaft. Allerdings verändert sich das gerade im Zuge des Leichtgewicht-Trends und auch die Trail Runner sind ja mit niedrigen Modellen unterwegs. Deshalb werden die Multifunktions- und auch die Approach-Schuhe immer beliebter. Mein Kollege Michael Decker hat Euch ja bereits einiges zum Thema Approach bzw. Zustiegsschuhe erklärt.
Sollte dann jeder mit niedrigen Schuhen auf leichte Wanderungen starten?
Bei einfachen Wanderungen in der Ebene und Spaziergängen sind sie auf jeden Fall zu empfehlen. Ist das Ziel eine Hütte oder ein Gipfel wird die Schuhwahl allerdings auch zur Geschmacks- bzw. Gefühls- und auch Könnensfrage. Ein niedriger Schuh ist etwas für Sportler, die sich häufig in den Bergen bewegen, keine Sorge haben umzuknicken und den Komfort und die Leichtigkeit schätzen. Wer hingegen das Sicherheitsgefühl eines höheren Modells bevorzugt und seinen Knöchel stabilisiert und geschützt haben will, greift zum Stiefel.
Das wäre dann Kategorie B?
Typ AB eher – das sind die leichten Wanderschuhe, die über den Knöchel reichen, zugleich aber noch recht weich und sehr komfortabel sind. Der Hanwag Banks oder Meindl Matrei sind hier absolute Klassiker. Oder auch der Lowa Renegade – allesamt Wanderschuhe, die sich seit Jahren bewährt haben.
Anspruchsvolleres Gelände bedeutet dann noch robustere, solidere Schuhwahl, oder?
Mit der Kategorie B kommen wir in den Trekkingschuh-Bereich. Das Gelände wird anspruchsvoller und wegloser. Wahrscheinlich läuft man über felsigen Grund und Geröll.
Was kann Typ B, was A und AB nicht kann?
Mehr Halt, mehr Stabilität, mehr Sicherheit. Ein fester Sitz im Schuh ist essentiell. Der Schaft bei einem Modell wie dem Hanwag Altai ist entsprechend hoch, die Schnürung komplexer und differenzierter, so dass der Fuß auch entsprechend fixiert werden kann.
Aber das bedeutet auch mehr Gewicht und zudem stellt sich die Frage der Belüftung...
Durchaus. Da trägt man schon gute 100 Gramm zusätzlich am Fuß. im Vergleich zu einem einfacheren Wanderschuh. In Sachen Belüftung wird viel an besonderen Konstruktionen getüftelt und das Material ist sehr technisch. Die Air Revolution Linie von Meindl kann man hier gut exemplarisch anführen: Hier kommt eine Lasche aus Mesh-Material und einem löchrigen Schwamm zum Einsatz, die sozusagen frische Luft nach innen saugt und die warme Luft nach außen drückt.
Noch eine generelle Frage: Leder oder Synthetik?
Leder ist ein Naturprodukt, bietet – als Futter eingesetzt – ein tolles, natürliches Fußklima und ist anschmiegsam. Sind sie einmal eingelaufen, sitzen Volllederschuhe perfekt am Fuß. Als Obermaterial ist Leder sehr robust, gleichzeitig aber schwerer als textile Materialien und pflegeintensiv. Man muss Lederstiefel regelmäßig nachfetten und sie brauchen oft lange, um wieder zu trocknen. Das heißt also, wer für mehrere Tage auf einer Hüttentour oder Ähnlichem unterwegs ist, sollte eher ein schnell trocknendes Modell aus Synthetik wählen und zu einem dauerhaft wasserdichten Futter wie GORE-TEX® greifen. Und natürlich auch, wenn man weiß, dass man bei jedem Wetter unterwegs ist oder in nassfeuchten Regionen oder sumpfigen Gebieten.
Danke für die Orientierung – und wenn wir noch höher aufsteigen, in die Bereiche Trekkingschuh / Bergtour und Hochtour, dann kommen wir erneut auf Dich  oder Deine Kollegen zu.
Immer gerne!
 
Wie versprochen: Hier geht es zu Teil 2 der Bergschuh-Beratung.