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    Dolomiten - auf geschichtsträchtigen Pfaden

    Ende Juli starteten unsere Mitarbeiter Nelly und Flo ihr Sommerprojekt: eine zehntägige Klettersteig- und Trekking-Tour in den italienischen Dolomiten. Allerdings sollte es auch eine ausgiebige Geschichtsstunde werden: Ziel war es möglichst viele alte Pfade und Klettersteige des ersten Weltkrieges zu begehen und dabei eine sowohl historisch, wie auch bergsteigerisch eindrucksvolle Zeit zu verbringen.

    Von den Pragser Dolomiten führte ihre Route über die Ampezzaner Dolomiten, vorbei am Croda Rossa und über den Monte Cristallo. Die letzte Etappe über Misurina und um die Drei Zinnen mussten sie wetterbedingt leider verkürzen. Trotzdem schafften die beiden es noch zum historischen Finale: dem Monte Piana, einem gigantischen, aber auch sehr bedrückenden Freilichtmuseum. Hier verlief die alte Frontlinie, an der sich Österreicher und Italiener gegenüberstanden. Die alten Gräben, Stollen und Zäune sind noch vorhanden und der ganze Schrecken, der sich hier oben abgespielt hat ist noch gut zu erahnen.

    Vom Touristenrummel in die Einsamkeit

    Nach der Anreise mit Bahn und Bus starten wir am frühen Nachmittag am Pragser Wildsee (1493m). Hier erwarten uns azurblaues Wasser, ein traumhaftes Panorama, Ruderboote und vor allem viele Familien mit überraschend vielen Hunden. Wir flüchten schnell in die erste Etappe auf dem Dolomiten Höhenweg 1. Dieser begrüßt uns und unsere prall gefüllten Rucksäcke mit knapp zwei Stunden Zustieg im Geröllfeld. Trotzdem freuen wir uns über unsere Entscheidung als Selbstversorger zu gehen und tragen unsere gesamte Verpflegung für die nächsten zehn Tage weiter bis zur Seekofelhütte (2340m). Passender wäre hier Rifugio Biella, denn ab hier spricht man ausschließlich italienisch. Nach einer kurzen Pause und der wohlverdienten Gipfel-Halben geht es weiter zum Lago Pizo und Lago Grande Foses (2150m). Zusammen mit uns kommen hier leider auch die ersten dunklen Wolken an. Glücklicherweise erlaubt uns der Schafhirte auf dem Plateau zu übernachten und wir schlagen unser Lager auf.

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    Steinmänner am Pragser Wildsee.
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    Rifugio Biella (Seekofelhütte)
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    Der Lago Grande Foses.

    Wilde Wege und ein steiler Abstieg

    Am nächsten Tag ist das Gewitter über uns weggezogen und wir starten mit blauem Himmel, als wäre nie etwas gewesen. Unsere Etappe verläuft am Fuße des markanten, roten Croda Rossa (3146m) und führt uns über Wege, die von Latschenkiefern überwuchert sind. Gute Orientierung ist hier sehr hilfreich, denn wir folgen schwarz übermalten Wegmarkierungen, kaum erkennbaren Pfaden und schließlich den Spuren des Wildes. Am Rücken des Monte Cadin (2367m) erwartet uns ein Abstieg, der es in sich hat. Mit höchster Vorsicht steigen wir im steilen und schottrigen Hang, auf dem überall noch alte Verpflegungsdosen, Patronen und Granatsplitter verteilt sind, zum Rifugio Ospitale (1475m) ab, wo wir die folgende Nacht und den kommenden Tag das in den Bergen hängende Gewitter aussitzen.

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    Eindrucksvoller Blick zum Monte Croda Rossa.

    Der Monte Cristallo ist bockig

    Bestärkt durch den Ruhetag und die perfekte Wettervorhersage, starten wir in der Früh in die größte und anspruchsvollste Tagesetappe unserer Tour: Die lange Variante der Via Ferrata Ivano Dibona. Dieser Klettersteig ist mit achteinhalb Stunden und knapp 1900hm Aufstieg nur erfahrenen, konditionsstarken Klettersteiggehern zu empfehlen. Wer sich der Aufgabe allerdings annimmt wird mit einem beeindruckenden Blick auf Cortinas Berge belohnt. Gegen 14:00 Uhr erreichen wir die Ruine der ehemaligen italienischen Kommandatur (2480m). Pünktlich, wie jeden Tag, ziehen am Horizont graue Wolken auf und wir verzichten auf weitere Pausen. Unser nächstes Ziel, der Bivacco Buffa di Perrero (2760m), liegt nur noch zweieinhalb Stunden entfernt. Etwa eine Stunde vor der Biwakhütte haben die Wolken die Nordostflanke des Berges erreicht, dichter Nebel kommt auf und es hagelt. Wir spielen kurz mit dem Gedanken den Notabstieg über ein Geröllfeld zu gehen, entscheiden uns dann aber doch, im eiskalten Gegenwind weiter zum Biwak aufzusteigen. Zum Glück verzieht sich auf halber Strecke der Nebel und wir kommen unbehelligt und mit teils sogar blauem Himmel am Biwak an. Doch kaum da, werden wir herbe enttäuscht: Das Dach der Hütte ist undicht, der Boden morsch. Innen herrscht ein kälteres und vor allem wesentlich feuchteres Klima, wie draußen.

    Dolomiten-Trekking
    Da sah alles noch so gut aus!
    Dolomiten-Trekking-Stollen
    Ein alter Stollen
    Dolomiten-Trekking-Bivacco-Buffa-di-Perrero
    Das "gemütliche" Bivacco Buffa di Perrero

    Wir überlegen dennoch über Nacht zu biwakieren, nutzen aber letztlich ein Fenster zwischen zwei Schlechtwetterfronten für den weiteren Zustieg zum Rifugio Lorenzi (3000m). Der Klettersteig verläuft über den Grat, den Cristallino d’Ampezzo (3008m) und über die höchste Hängebrücke in den Dolomiten. Um 19:00 Uhr kommen wir am Rifugio an. Die Hütte ist seit 2 Jahren geschlossen, ebenso wie der historische Lift der Winterolympiade 1956 „Forc. Staunies“. Zum Glück finden wir Unterschlupf im Winterraum – über Nacht herrschen leichte Minusgrade und Schneefall, in der Hütte bleibt es bei angenehmen sechs Grad. Das machen die Schlafsäcke mit. Nachts hören wir einiges an Geröll abgehen, mehrere Male wird sogar unser Blech-Hüttendach getroffen. Zerknirscht müssen wir uns eingestehen, dass das Wetter aktuell einfach zu schlecht für weitere Klettersteige ist. Wir streichen den Weg über die Sentiero Bornacossa und den Paternkofelsteig um die Drei Zinnen. Unser historisches Highlight, das Freilichtmuseum mit den alten Frontlinien auf dem Monte Piana wollen wir trotzdem nicht verpassen.

    Dolomiten-Klettersteig-Ivano-Dibona
    Die alten Steige sind abenteuerlich.
    Dolomiten-Klettersteig-Ivano-Dibona
    Das Rifugio Lorenzi ist in Sichtweite.
    Dolomiten-Via-Ferrata-Ivano-Dibona
    Der Winterraum.

    Abstieg nach Cortina d' Ampezzo

    Beim warmen Frühstück ( Kocher sei Dank ) beschließen wir den Abstieg nach Cortina zu gehen und eine weitere Nacht im Rifugio Ospitale zu verbringen. Im Geröll der alten Skipiste des Forc. Staunies kommen wir mit hoher Geschwindigkeit voran und erreichen zügig die Talstation, wo wir dank Wasserfilter unsere leeren Trinksysteme füllen können. Unsere geänderte Route führt uns über Cortinas markante Berggruppe, genauer gesagt über den Punta Erbing (2301m). Auch in diesem finden wir alte Stollen und kurz darauf überascht uns sein Rücken mit unzähligen Edelweiß. Die Freude über diese Seltenheit lässt unseren Unmut über das wechselhafte Wetter rasch verfliegen. Am Nachmittag erreichen wir den Ort Cortina d’Ampezzo (1200m), welcher eine interessante Mischung aus Sport und Tourismus bietet. Wir erkundigen uns kurz nach einer geeigneten Busverbindung zum Rifugio Ospitale und gönnen uns dann ein wohl verdientes italienisches Eis, während es wieder zu nieseln beginnt.

    Dolomiten-Trekking-Cristallo-Lift
    Die alten Kabinen des Olympialiftes Forc. Staunies
    Dolomiten-Trekking-Cortina-d-Ampezzo
    Cortina schon im Blick, aber erst noch mal was Warmes.
    Dolomiten-Trekking-Cortina-d-Ampezzo
    Schmale Waldpfade führen nach unten.

    Demut am Monte Piano

    Mit dem Bus geht es am nächsten Morgen nach Schluderbach (1440m) am Fuße des Monte Piana (2330m). Wir gehen den Zustieg über den Touristi Steig und genießen ein wunderbares letztes Panorama auf Croda Rossa, Monte Cristallo und am Gipfel des Monte Piana, schließlich auch auf die Drei Zinnen. Auf dem Hochplateau der beiden Gipfel Monte Piana und Monte Piano standen sich 1915 bis 1917 Österreicher und Italiener in einem erbitterten Kampf um die jeweiligen Gipfel gegenüber. Das Wissen um die 14.000 Soldaten, die hier ihr Leben ließen, sorgen bei allen Besuchern für eine gedrückte Stimmung. Auf dem Plateau finden sich auf beiden Seiten übermannshohe Schützengräben und Stellungen. Unter der Erde wurden bis zu dreihundert Meter tiefe Angriffsstollen in den Fels getrieben, welche teilweise für Besucher wiederhergestellt wurden. Nach einer andächtigen Runde über dieses Zeugnis des Bergkrieges, welches den ganzen Wahnsinn spürbar macht, steigen wir ab zum Rifugio Angelo Bosi (2205m), von wo uns ein Taxi zum Lago di Misurina (1148m) fährt. Hier genießen wir unseren letzten italienischen Kaffee und unsere erste, italienische Pizza, bevor wir uns auf den Heimweg begeben – eine gute Entscheidung, wie sich im Nachhinein heraus stellt, da in dem Gebiet knapp eine Woche nach unserer Tour diverse Geröllmoränen Wege verschütten und diese daraufhin gesperrt werden.

    Dolomiten-Trekking-Monte-Piano
    Das Rifugio Ospitale.
    Dolomiten-Trekking-Monte-Piano
    Ein bedrückendes Mahnmal.

    Die Tour war trotz des schlechten Wetters ein beeindruckendes Erlebnis. Die ausgesparten Etappen werden wir auf jeden Fall bei der geplanten Alpenüberquerung, die bald folgen soll, nachholen.

    Übrigens: Da die Schäden an den Wegen im gesamten Dolomitengebiet durch die Geröllmoränen teils recht groß waren, sollte sich jeder der Interesse an der Tour hat, nach dem aktuellen Zustand erkundigen.

    Ihr wollt wissen, was Nelly und Flo alles dabei hatten? Hier geht's zur Rucksackpackliste

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