Expedition Kirgistan

Gipfelmomente sind immer speziell...

Zum Schluss der zweieinhalbjährigen Trainings- und Ausbildungszeit des Herren DAV-Expeditionskaders ging es heuer im September nach Kirgistan. Einen Monat verbrachten die fünf Jungs mit Trainer David Göttler und Expeditionsarzt Ulli Steiner im Tian Shan Gebirge. Dank Sponsor Mountain Equipment durften wir uns auf ein Exklusiv-Interview freuen! Wir haben uns mit Josef „Steno“ Pfnür und Xaver „Xari“ Mayr unterhalten – sie erzählen uns von ihren Erfahrungen und was für sie unterwegs unverzichtbar war.



Servus ihr zwei – Super, dass ihr für das Interview Zeit gefunden habt. Wo steckt ihr denn gerade?

Steno: Bitte, gerne. Ich bin seit drei Jahren Metallbau-Meister und arbeite in meiner Heimat Berchtesgaden bei der Bundeswehr.

Xari: Und ich komme aus Uffing am Staffelsee bei Garmisch – eigentlich bin ich gelernter Feinwerkmechaniker, aber jetzt im Winter arbeite ich bei einem Bergsporthändler in Garmisch, das taugt mir mehr.

Und wie seid ihr zum Exped-Kader gekommen?

Xari: Ich glaube, das war bei uns beiden ähnlich. Wir waren schon immer begeistert in den Bergen unterwegs, besonders beim Sport- und Alpinklettern. Irgendwann haben uns Freunde angesprochen, das der Expeditionskader doch was wär`. Tja, und dann haben wir es einfach mal versucht und sind zur Sichtung nach Chamonix gefahren.

Steno: Ja, genau. Ich wollte mal schauen, ob ich da rein komme. Begeistert in den Bergen unterwegs waren wir beide ja schon seit der Kindheit.

Und es hat geklappt. Von 18 Bewerbern wart ihr unter den sechs, die in das Team des Kaders aufgenommen wurden. Zwei Jahre lang wart ihr gemeinsam unterwegs, das Ziel eurer Abschluss-Expedition durftet ihr aussuchen. Wieso habt ihr euch für Kirgistan entschieden?

Steno: Den Zeitpunkt und das Ziel unserer Expedition konnten wir selbst wählen. Terminbedingt kam nur der September in Frage, für einige klassische Expeditions-Ziele ist das die falsche Zeit. Jeder von uns hat für sich recherchiert, dann wurde abgestimmt. Von unserem Hauptziel, der Südwand des Pik Chapaev (6371m), haben wir ein Bild im Internet gefunden, mehr nicht. Damit war die Entscheidung klar (lacht)!


Wie ist es euch dort ergangen?

Steno: Aller Anfang war schwer. Ein Großteil unseres Gepäcks ist auf dem Weg nach Bishkek, der kirgisischen Hauptstadt, verloren gegangen. Wir waren insgesamt knapp viereinhalb Wochen unterwegs, mein Gepäck und Ausrüstung kamen erst nach zwei Wochen in Bishkek an. So lange konnten wir natürlich nicht warten, so dass ich mir unterwegs meine Ausrüstung von den anderen habe leihen müssen.

Xari: Ja, das war nervig. Gott sei Dank war die Stimmung bei uns im Team wirklich super, es gab nie Streit und wir sind zu guten Freunden geworden. Das hilft, auch wenn es mal nicht ganz nach Plan läuft. Toll war auch der David, mit seiner Erfahrung konnten wir wirklich viel von ihm lernen.

Steno: Man lernt, mit wie wenig man zum Leben eigentlich braucht. Und: wie sehr man sich über frische Klamotten freuen kann (lacht).

Und wie lief es aus bergsteigerischer Sicht?

Xari: Wir waren an insgesamt zwei Stützpunkten: Unser erstes Basislager lag am South-Inylchek-Gletscher auf 4000m. Von dort war die Besteigung des Pik Chapaev geplant, was aber auf Grund von Seracs und Steinschlaggefahr nicht möglich war. Alternativ konnten wir die Westflanke des Pik Otkrytyi (5664m) erstbegehen.

Steno: Außerdem ist zwei Teams die Eröffnung einer neuen Route durch die Nordwand des Pik Tehglavyi (5250m) gelungen. Ein Wetterwechsel hat uns dann im zweiten Teil unserer Expedition ins „Ala-Archa“-Gebiet in der Nähe der „Ratzek-Hütte“ getrieben. Das war ein spitzen Gebiet für Stützpunkttouren à la Alpenstil – ein bisserl wie Chamonix mit vielen Gipfeln bis knapp 5000m.

Was war der schönste und der schwierigste Moment auf der Expedition?

Steno: Gipfelmomente sind immer speziell – man ist erschöpft und der Abstieg steht auch noch bevor. Gleichzeitig ist man glücklich, wenn man es geschafft hat und den Moment mit Freunden teilen kann. Glück gehabt habe ich, als ich auf einer Tour mit den Steigeisen abgerutscht bin und 30m ins Seil gestürzt bin – eher unangenehm, es ist aber nichts passiert.

Xari: Ich hatte unterschätzt, wie sehr man in der Höhe schnaufen muss, das war zum Teil wirklich anstrengend. Einen „schönsten Moment“ gibt es gar nicht, die ganze Expedition war eine super Erfahrung.


Was war auf eurer Reise unverzichtbar? Ausgenommen Ausrüstung, versteht sich.

Steno: Schafkopfkarten – unbedingt!

Xari: Mein Ipod – Musik ist immer dabei.

Wie geht es bei Euch persönlich nach dem Kader weiter?

Steno: Mit Vorfreude auf den Winter – ich plane, ab kommendem Jahr die Bergführer-Ausbildung zu machen. Und ein paar alpine Ziele für nächstes Jahr gibt es auch schon...

Xari: (lacht) Ja, bei mir ist´s gleich. Ich habe mich auch für den Eignungstest zum Bergführer angemeldet.



Dann wünschen wir euch für die Eignungsprüfung jetzt schon alles Gute und einen schönen, unfallfreien Winter! Danke euch sehr für das Gespräch.

Fotos: Xaver Mayr