Fabian Cancellara - 7 epic moments

    Jeder Athlet kennt sie: die großen Momente im Sport, die emotionale Achterbahn im Wettkampf, das Duell mit Konkurrenten; das Leiden und Fluchen, der Frust und die Freude, der Stolz und die Belohnung für all die Entbehrungen. GORE® Wear Botschafter Fabian Cancellara hat in seiner 16 jährigen Profi-Karriere unzählige dieser „epischen Momente“ erlebt; leidenschaftliche Wettkämpfe ebenso wie Stürze und empfindliche Niederlagen. Und ganz oft: spektakuläre Siege, speziell bei den Frühjahrsklassikern (7 an der Zahl!) und am Ende seiner Karriere mit dem besten Abgang, den man sich als Sportler wünschen kann: Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Rio.

    Der Wald von Arenberg, Paris-Roubai

    „Ich mag Pflastersteine“

    Kaum ein Klassiker verdient den Namen so sehr wie Paris-Roubaix: seit 1896 wird es im April im Norden Frankreichs ausgetragen. Als der 1. Weltkrieg die Gegend verwüstete, bekam es den Beinamen „Hölle des Nordens.“ Heute verbinden die Fahrer mit dieser Hölle eher die über 25 „pavè“-Abschnitte, die berüchtigten Kopfsteinpflaster. Die Fahrer müssen ständig auf der Hut sein wegen Karambolagen und Pannen, vor allem bei Nässe und diffusem Licht sind sie eine extreme Herausforderung. Eines der schwierigsten pave´- Abschnitte befindet sich im Wald von Arenberg, etwa 100 Kilometer vor dem Ziel. Nur 2,4 km lang – aber so berüchtigt, dass es 2005 aus Sicherheitsgründen gar nicht befahren wurde. 2006 wurde es nach einer Restaurierung wieder Teil der Strecke. „Direkt vor der pavé fährst du mit der Geschwindigkeit wie bei einem Zielsprint hinein, etwa 60 bis 65 km/h. Da musst du vorne dabei sein, denn das Feld zieht sich in dem pavé schnell auseinander. Außerdem liegen die Pflastersteine recht weit auseinander, was das Ganze noch schwieriger zu fahren macht, „ erklärt Cancellara. „Ich mag die Pflastersteine. Am besten fährt man sie schnell und sitzend, mit wachsamem Auge, um den Löchern auszuweichen.“

    Cancellara meisterte souverän den Wald von Arenberg und setze sich etwa 25 Kilometer vor dem Ziel entscheidend ab. „Bei Paris-Roubaix kann der erste Angriff der entscheidende sein – das hat mich Tom Boonen im Jahr zuvor gelehrt. Und so machte ich es diesmal: Ich trat in die Pedale wie noch nie, drehte mich einfach nicht mehr um und gewann.“

    Mons en Pévèle, Paris-Roubaix

    „Stürze gehören zum Radsport dazu“

    Im Jahr 2010, Cancellara hatte eine Woche zuvor die Flandern-Rundfahrt gewonnen, ging er als Mitfavorit an den Start. Und er wollte das Double aus Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix, was zuvor nur einer Handvoll Fahrern gelang. „Oft beäugt man sich in solchen Rennen permanent. Mein Teamauto sagte mir dann, ich solle mein Rennen fahren und nicht so sehr auf die anderen schauen. Das habe ich getan, und als ich durch den Kopfsteinpflastersektor von Mons-en-Pévèle kam, entschied ich mich, den Weg bis zum Ziel alleine zu gehen." Fabian gewann das Rennen – und das Double.

    Der Ort einer seiner größten Triumphe war aber auch mit einer schmerzhaften Niederlage verbunden: 2016 versuchte er sich an seinem 4. Sieg – und stürzte auf dem berüchtigten Kopfsteinpflaster „Mons on Pévèle“, etwa 50 Kilometer vor dem Ziel, so dass alle Hoffnungen zunichte waren. Es war zwar trocken an dem Tag, allerdings hatte es ein paar Tage zuvor geregnet, so dass nasser Schlamm auf der Strecke lag. Fabian fuhr nicht ganz in der Mitte des Pavéabschnitts, rutschte weg und stürzte. Und selbst die Ehrenrunde im Velodrom sollte ihm nicht vergönnt sein – er stürzte ein zweites Mal mit der schwenkenden Schweizer Flagge in der Hand. „Es war wirklich ein schräger Auftritt. Aber Stürze gehören zum Radsport dazu.“

    Poggio, Mailand - San Remo

    „Du hast nur eine Chance“

    Mailand-San Remo ist mit über 290 Kilometer das längste klassische Eintagesrennen im Profi-Radsport. Weitgehend völlig flach, warten erst am Ende mit der Cipressa und dem Poggio (etwa 6 Kilometer vor dem Ziel) zwei entscheidene Hügel auf die Rennfahrer. 2008 galt Fabian nicht unbedingt als Favorit, und genau das sollte seine Chance sein. „Mailand-San Remo darf man nicht unterschätzen. Auch wenn es lange ziemlich flach ist: Du hast oft nur eine Chance für eine echte Attacke.” 2008 hob er sich die Attacke bis zum Schluss auf. Auf dem Poggio schälte sich eine kleines Feld heraus heraus. Nach der Abfahrt, auf dem Flachstück zirka 3 Kilometer vor dem Ziel, griff Fabian beherzt an – und rettete 4 Sekunden Vorsprung. Den Erfolg konnte er in späteren Jahren nicht wiederholen, trotz einiger Podestplätze. „Meine Stärken waren quasi auch mein Fluch: ich konnte am Berg attackieren, war ein sehr guter Abfahrer, konnte dank meiner Zeitfahrer-Qualitäten schnell alleine fahren und war zumindest auch bei kräftezehrenden Rennen im Sprint nicht zu unterschätzen. „Deshalb wurde ich danach penibel beobachtet.“

    Trotzdem bleibt Mailand-San Remo eines seiner Lieblingsrennen: „Man weiß nie genau was einen erwartet. Wind, Regen, Schnee, Sonne –Mailand-San Remo ist jedes Jahr ein Abenteuer.“

    Oude Kwaremont, Flandern-Rundfahrt

    „Man muss stets die Übersicht behalten“

    Der „Oude Kwaremont“ ist eine Schlüsselstelle bei der Flandern-Rundfahrt: 2,2 Kilomer lang, bei einer Steigung von bis zu 11% wird der Hügel in der Regel mehrmals befahren.  2014 reist Fabian zur Flandern-Rundfahrt, ohne einen Saison-Sieg im Gepäck – aber mit der Erfahrung von zwei gewonnenen Siegen an gleicher Stelle in den Jahren zuvor. Am Beginn des Kwaremont lag er noch im Verfolger-Feld, konnte sich beim Anstieg zusammen mit dem Belgier Vanmarcke absetzen und die Verfolgung der beiden Führenden, ebenfalls Belgier, aufzunehmen. 17 Kilometer vor dem Ziel wurden diese dann gestellt, Fabian gewann den Sprint letztlich souverän – vor drei Belgiern, in deren Heimat. „Ich habe nur gewonnen, weil ich die Übersicht behalten habe. Die anderen drei hatten bis dahin noch nie einen Klassiker gewonnen und wollten das um jeden Preis, gerade vor dem Heimpublikum. Der Druck war zu hoch für einen Sieg. “ Der Kwaremont ist selten die entscheidende Schlüsselstelle, „aber der Berg prägt den Rennverlauf.“

    Muur Van Geraardsbergen, Flandern-Rundfahrt

    „Ein mythischer Anstieg“

    73, 41, 62, 6, 53, 23, Aufgabe  - das waren die Platzierungen von Fabian bei seinen ersten 7 Flandern-Rundfahrten. Und dann kam 2010, die Muur van Geraadsbergen, einer der prestige-trächtigsten Abschnitte. „Der Angriff an der Mauer war nicht geplant. Ich wollte einfach nur oben ankommen, damit es vorbei war.“ Fabian lässt seinen Hauptkonkurrenten, den Belgier Tom Boonen, stehen und gewinnt mit über einer Minute Vorsprung. „Als junger Fahrer fehlt einem einfach Erfahrung. Und diese ist gerade bei der Flandern-Rundfahrt extrem wichtig. Neben guten Ortskenntnissen und einem guten Team sind zum Beispiel die Positionierungen vor den zahlreichen Anstiegen entscheidend. Zumal die Strassen vor den Anstiegen meist sehr schmal sind.“ Der Anstieg zur Muur beginnt  bereits im Dorf und ist dank der einzigartigen Kulissse mit der Kapelle „einfach ein mythischer Anstieg.“ 

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    Strade Biance, Piazza del Campo

    „Wie Spartacus in die Arena einfahren“

    Die Strade Biance in der Toskana wird erst seit 2005 als Rennen für die Profis ausgetragen, galt aber in Fabians letztem Profijahr 2016 bereits als eines der prestigeträchtigsten Eintages-Rennen. berüchtigt vor allem für die vielen Schotterabschnitte – immerhin ein Drittel der zirka 185 Kilometer langen Strecke. „ Das Tolle bei der Strade Biance ist, dass verschiedente Fahrertypen gute Gewinnchancen haben.“  Fabian hatte das Rennen bereits zwei Mal gewonnen als er 2016 antritt, unter anderen gegen Weltmeister Peter Sagan, Stybar und Brambilla. Cancellara attackierte in den kurzen Anstiegen der Häuserschluchten von Siena, liess Sagan und Stybar stehen und schnappte sich auch noch 400 Meter vor dem Ziel den bis dato führenden Brambilla. „Und dann alleine wie Spartacus in die Arena einzufahren und zu gewinnen, das gehörte zu einer der besten Momente meiner Karriere.“

    Olympische Spiele, Rio de Janeiro

     „Wenn ich gewinne höre ich auf“

    Olympische Spiele 2016 in Rio de Janeiro, Zeitfahren. Schon einmal hatte Fabian olympisches Gold gewonnen; 8 Jahre zuvor in Peking. 2012 wollte er seinen Triumph in London wiederholen. Als Favorit im Straßenrennen gestartet stürzte er in einer Kurve – und hatte dann im Zeitfahren ein paar Tage aufgrund der Schmerzen in Schlüsselbein keine Chance auf die Titelverteidigung. Und nun Rio. Die Tour de France im selben Jahr lief nur mäßig für Fabian, der hügelige Kurs wurde von vielen Experten als zu schwer für ihn angesehen. Doch Fabian sah das anders: denn in seiner Heimat in Bern in der Schweiz fand er ideale Trainingsbedingungen, ähnlich dem hügeligen Kurs von Rio. „Es war nicht so, dass ich die Saison einzig auf die Olympischen Spiele ausgerichtet hatte. Aber ich hatte aufgrund der Traingsdaten großes Selbstvertrauen getankt und außerdem einfach ein gutes Gefühl – so gut, dass ich kurz vor der Abreise nach Brasilien, am 1. August 2016, zu meiner Familie sagte: Wenn ich in Rio gewinnen sollte, dann beende ich meine Profi-Karriere.“

    Er kam, sah und siegte. 

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