Felsige Steige im Wetterstein

Es ist ein imposantes Gebilde das einen empfängt, wenn man durch das Loisachtal zwischen Ammergauer Alpen und Estergebirge gen Süden fährt. Ganz anders als an den vorgelagerten Gipfeln erheben sich mächtige felsige Grate, die über wilde und alpinistisch geschichtsträchtige Zacken unaufhaltsam nach oben streben. Bis sie sich an Deutschlands höchsten Punkt vereinen: Der Zugspitze!


Josef Naus hätte es sich vermutlich nicht träumen lassen, als er 1820 mit seinen Gefährten als (vermutlich ) Erster auf dem Gipfel stand, dass fast zweihundert Jahre später jährlich mehr als eine halbe Million Menschen den Berg besuchen. Eine Forschungsstation steht auf dem Gipfel, von dem ohnehin nicht mehr viel zu sehen ist,  Seilbahnen und eine Zahnradbahn führen nach oben und dennoch hält Deutschlands Höchster noch abenteuerliches bereit. Von bayerischer Seite lässt sich der Gipfel über drei Routen erreichen und wenn es sein muss auch über die Seilbahn. Der Normalweg führt über das Reintal üblicherweise mit einer Übernachtung auf den Gipfel. Wer es anspruchsvoller mag, wird den Weg durch das Höllental mit kurzem Gletscherkontakt und einigen Klettersteigpassagen einschlagen. Ja und dann gibt es noch den einen Zustieg, der die Zugspitze für Bergsteiger aller Herren Länder interessant macht. Den ausgesetzten und kräftezehrenden Jubiläumsgrat, eine der klassischen Paraderouten in den bayerischen Alpen: Ein ganzer Tag Klettern im ersten und zweiten Schwierigkeitsgrad über die Gratverbindung vom Hochblassen zum Zugspitzgipfel. Trotz einiger Drahtseile weit von einem Klettersteig entfernt.


Doch sucht nicht jeder „nur“ den höchsten Gipfel, manch einer biegt im Reintal vor der Bockhütte links ab, schlägt den Weg in Richtung Oberreintal ein und verbringt einige Tage in den alpinen Traumrouten im Einzugsgebiet der wunderschön gelegenen Oberreintalhütte. Fernab von Bergbahnen und Karawanen. In den Wänden von Schüsselkarspitze, Dreitorspitze oder Oberreintalturm, um nur einige zu nennen, befinden sich unzählige rassige Klettereien. Das ganze Gebiet lässt sich wohl als einziger großer Klassiker bezeichnen!


Wer es nicht ganz so klassisch mag, findet mehr Betätigung im Schatten der perfekten Felspyramide der Alpspitze. Ein Klettergarten, viele alpine Sportkletterrouten in fast allen Schwierigkeitsgraden und ein moderater Klettersteig auf den Gipfel lassen einige sonnige Wochenenden füllen. Jedoch ist man auch hier sicher nicht allein unterwegs und der mittlerweile entstandene Alpinzirkus am Osterfelderkopf ist nicht jedermanns Sache! Ich für meinen Teil hoffe zumindest, das schöne Wetterstein wird zukünftig in seinem Zustand belassen und bleibt Hochgebirge wo es Hochgebirge ist. Denn so viel haben wir nicht davon! 


Tourentipps


Alpspitz Überschreitung


Dauer: ca. 5 Std.


Anspruch: mittel bis schwer, im Aufstieg Klettersteigausrüstung erforderlich.


Kondition: Wenn die Bergbahn auf den Osterfelderkopf genutzt wird mittel.


Vom Osterfelderkopf in 20 min bis zum Einstieg der Alpspitz Ferrata. Über diese fast durchgehend gesichert hinauf zum Alpspitz Gipfel. Von dort in Richtung des Ostgrates steil absteigen und darüber teils ausgesetzt und spärlich gesichert ins Matheisenkar. Hier dem Schild in Richtung Nordwandsteig folgen, dieser führt über Felsbänder und einen Tunnel wieder zurück zum Einstieg.


Zugspitzbesteigung über das Höllental


Dauer: ca. 7 - 8 Stunden


Anspruch: schwer


Kondition: Gute Kondition erforderlich, Aufstieg ca. 2100 Höhenmeter


Von Hammersbach durch die wildromantische Höllentalklamm in 2 Stunden hinauf zur Höllentalangerhütte (Übernachtungsmöglichkeit, falls man die Tour auf zwei Tage aufteilen möchte ). Von hier geht es auf zur ersten Barriere, dem Brett. Diese senkrechte Felsplatte wird mithilfe von Eisenstangen überquert und einige weitere Steilstufen überwunden, dann folgen wir dem Weg weiter, vorbei am „grünen Buckel“ und durch viel Geröll bis hin zum Höllentalferner. Hier sind je nach Schneeverhältnissen durchaus Steigeisen empfehlenswert, bis wir am finalen Klettersteig ankommen. Über diesen sind nochmals ca. 600 Höhenmeter zu überwinden bis das goldene Gipfelkreuz endlich erreicht ist.


Riffelweg


Dauer: 5 - 6 Stunden


Anspruch: mittel, leichter Klettersteig im Abstieg


Kondition: mittel


Von Hammersbach durch die Höllentalklamm bis zur Höllentalangerhütte. Dem Weg zur Zugspitze bis zu einer Weggabelung folgen (ca. 30 Min ). Hier nach rechts über einen teilweise gesicherten Steig bis zur Riffelscharte aufsteigen. Der Blick hinab auf den Eibsee ist eine Pause wert. Der Abstieg geht über einen recht einfachen Klettersteig hinab bis zum Riffelriss, wo auch die Zahnradbahn hält. Wer mag kann weiter bis zum Eibsee absteigen.


 


Hütten


Höllentalangerhütte (1387m)


(momentan im Neubau)


Hüttenwirte: Silvia Reichhold, Thomas Auer


Tel: 0163. 55 42 274


Geöffnet von 25. Mai bis 6. Oktober


Reintalangerhütte (1369m)


Hüttenwirt: Simon Neumann


Tel: 08821. 708 97 43


Geöffnet vom 26. Mai bis 13. Oktober


 


Meilerhütte (2366m)


Hüttenwirtin: Marisa Sattleger


Tel: 0171. 522 78 97


Geöffnet von Mitte Juni bis Anfang Oktober


Oberreintalhütte


Hüttenwirt: Hans Bader


Tel: 08821. 27 01


Geöffnet von Anfang Juni bis Anfang Oktober


info@oberreintalhuette.de


 


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