Fjällräven Polar – Die Wildnis ruft

Die Arktis. Klirrende Kälte, menschenleere Wildnis, unbändige Natur. Hundeschlitten bahnen sich ihren Weg durch die dick verschneiten Berge des nordskandinavischen Hochlands. Dick vermummte Gestalten stehen auf den hölzernen Gestellen und vertrauen auf ihre vierbeinigen Gefährten, die unbeirrt weiterziehen. Auf einem der Schlitten stehst... Du! 

Ja, richtig gelesen, genau darum geht es nämlich, beim Fjällräven Polar. Dass ganz normale Menschen den Schatz einer solchen Grenzerfahrung erleben können. Dass solche Abenteuer wie eine Polarexpedition mit der nötigen Vorbereitung durchaus machbar sind. 

1. Husky entspannt... 2. ...Natur auch.


300 km arktische Wildnis. Über 100 Schlittenhunde und ein kleines Team von Gleichgesinnten aus aller Welt. Gestartet wird in der norwegischen Bergwelt des Signaldalen. Die Teilnehmer passieren die schwedische Grenze, erreichen das Pältsa Massiv und folgen dann einer alten Handelsroute der Samen. Die Nächte sind klirrend kalt. Am Himmel ziehen mit etwas Glück noch Nordlichter ihre bunten Bahnen. Nach fünf Tagen durch die weiße Wildnis Lapplands ist das Ziel erreicht. Mit unglaublichen Eindrücken im Kopf und um viele Erfahrungen reicher.
  
Nun hatte der Schuster im letzten April, dank Fjällräven, das große Privileg, diese unvergessliche Veranstaltung zu besuchen und einen Teil mitzuerleben. Allein das war schon ein tolles Erlebnis, aber die leuchtenden Augen der Teilnehmer im letzten Camp und bei der Ankunft im Ziel sprachen Bände. Wir wollten die ganze Geschichte, also haben wir uns mit Annika und Patrick, den beiden deutschen Teilnehmern, nach ihrer Rückkehr unterhalten:

1. Annika... 2. ...und Patrick


Hallo Annika, hallo Patrick. Sagt mal, wie seid Ihr eigentlich auf das Event aufmerksam geworden?

Annika: Ich habe vor zwei Jahren eine Anzeige von Fjällräven bei Facebook gesehen, die ein Freund geteilt hatte. Über einem Bild von Hundegespannen, die durch die arktische Tundra zogen, stand „Bewirb dich jetzt für das Abenteuer deines Lebens“. Meine Neugierde war sofort geweckt. Ich bewarb mich mit einer eher unspektakulären Bewerbung und erreichte trotzdem den 8. Platz in Deutschland. Ich wurde auch nicht ausgewählt, doch ich habe ein Jahr lang immer wieder an Polar denken müssen. Die Videos vom Event und der Kontakt zu anderen Bewerbern, die Teil der Polar-Familie geworden waren, hatten mich fasziniert. Einen Monat vor Bewerbungsbeginn für den Polar 2016 habe ich dann ausführliche Pläne für meine zweite Bewerbung geschmiedet.
Patrick: Ich habe mir einige Produkt-Reviews auf YouTube angeschaut und bekam dann einen Trailer dazu angezeigt. Daraus entstand dann sehr spontan der Entschluss, mich zu bewerben.

Hattet Ihr schon vorher Interesse an Hundeschlitten und Polarexpeditionen?

Annika: In meiner Freizeit habe ich schon immer viel mit Hunden zu tun. Mit unserem Familienhund habe ich am Rettungshundetraining teilgenommen und heute arbeite ich mit Jagdhunden. Mein Interesse an Fjällräven Polar war deshalb zunächst durch die Möglichkeit geweckt, einmal Hundeschlitten fahren zu können. Ich schmiede auch gerne Reisepläne. Eine Polarexpedition habe ich aber meist schnell verworfen, obwohl mich eisige Welten reizen. Fjällräven Polar ermöglichte beides und ich wollte einfach die Chance zu nutzen, Teil dieses Events zu werden.
Patrick: Um ehrlich zu sein haben mich die arktischen Regionen schon länger gereizt. Einer meiner Vorfahren, Theodor Lerner (1866-1931), war Abenteurer, Journalist und Jäger und leitete mehrere Polarexpeditionen nach Spitzbergen. Dort verbrachte er beispielsweise 1907 die Polarnacht mit Hjalmar Johansen in einer kleinen Holzhütte. Johansen war ein Jahr zuvor ein Begleiter von Nansen, auf seiner Expedition zum Nordpol.

1. Feuer machen. Eine wichtige Aufgabe in der Arktis.


Wie ist das, wenn man erfährt ‚Ich wurde ausgewählt‘? Pure Freude, oder auch ein wenig Respekt, vor dem, was auf einen zukommt?

Patrick: Natürlich war es eine große Überraschung und eine Riesenfreude. Vielleicht auch ein wenig Bestätigung, dass sich die vielen Vorbereitungen für die Bewerbung doch gelohnt haben. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an Jonas Borinski, der einen wirklich tollen Film erstellt hat. Viel vorzubereiten gab es für die Tour selbst ja nicht da quasi alles von Fjällräven gestellt wurde.
Annika: Am Tag der Entscheidung, vier Monate vor dem Event, konnte ich noch nicht ganz einschätzen, was mich wirklich erwarten würde. Es war einfach ein überwältigendes Gefühl, nach drei Wochen wirklich aufwendigen Stimmensammelns und wenig Schlaf mit dem ersten Platz belohnt zu werden. Es war wie ein Mannschaftssieg. Ich hatte sehr viele Unterstützer, Verwandte und Freunde, die ordentlich Werbung gemacht hatten. Über unsere Herausforderungen habe ich mir erst im Laufe der vier Monate bis zum Event Gedanken gemacht. Ich hatte großen Respekt, weil mich als Nicht-Wintersportlerin viel Neues erwarten würde, aber ich hatte auch viel Vertrauen in die Organisation. Fjällräven hält das Versprechen, dass man mit richtiger Ausrüstung und Know-How Spaß am Hundeschlittenfahren und am Draußen-zu-Hause-Sein haben kann.

Wie war das erste Zusammentreffen mit den anderen Teilnehmern?

Annika: Schon während der Bewerbungsphase war enger Kontakt zu einigen Gewinnern entstanden und über eine Facebook Gruppe waren wir von Anfang an in Kontakt. Es hat sich wie ein großes Treffen unter Freunden angefühlt, als wir alle in Stockholm eintrafen und Zeit hatten, einander persönlich kennen zu lernen. Es fühlt sich sehr vertraut an, wenn so viele Menschen mit demselben Ziel und demselben Interesse an Natur und Outdoorsport zusammenkommen, egal woher und mit welchem Hintergrund. Man hat gemerkt, die Motivation war hoch, Fjällräven Polar als ein Team zu meistern.
Patrick: Wir trafen in Sigtuna, in der Nähe von Stockholm, in sehr entspannter Atmosphäre zusammen. Es war doch interessant zu beobachten, dass es eine sehr heterogene Gruppe sein würde bezogen auf Alter, Interessen und persönliche Hintergründe. Das gemeinsame Interesse war aber so stark, dass es trotzdem ein toller Zusammenhalt in der Gruppe war. 


Und dann geht’s los… was fühlt man da?

Annika: Nach einem ausführlichen Coaching von Johan Skullman und den Organisatoren bekamen wir die Ausrüstung. Für mich war vieles neu. Schritt für Schritt haben wir uns unter realen Bedingungen mit der Bekleidung und Ausrüstung wie Zelt und Gaskocher vertraut gemacht. Vor dem Start war mir natürlich etwas mulmig zumute, aber wir haben uns alle auch mental unterstützt. Man ist ja nicht auf sich alleine gestellt, sondern darf Herausforderungen zusammen meistern. Als wir alle jeweils unsere sechs Hunde zugeteilt bekamen, wurde mir bewusst, was die Alaskan Huskies für arbeitswillige Tiere sind. Ihr Heulen, Bellen und der Enthusiasmus stecken einfach an! Das stärkte mein Selbstbewusstsein unheimlich und dann sollte es einfach nur noch losgehen.
Patrick: Bereits die Ankunft im Signaltal war atemberaubend da wir durch das Heulen und Bellen von ca. 200 Schlittenhunden empfangen wurden. Das war schon eine beeindruckende Szenerie. Ich habe selbst einen Hund und hatte mich auf diesen Moment ganz besonders gefreut. Kurz vor dem Start, bevor der Schneeanker dann tatsächlich gezogen wird, ging der Adrenalinspiegel schon ordentlich nach oben. Ich konnte schlecht einschätzen, wie schnell die Hunde sein würden und wie schwer es sein würde, den Schlitten zu balancieren. 

Johan Skullman. Outdoor Experte bei Fjällräven.
Johan Skullman. Outdoor Experte bei Fjällräven.


Euer persönliches Highlight unterwegs?

Patrick: Hm, schwer zu sagen. Die Tage waren alle sehr abwechslungsreich inklusive dem Wetter. Am zweiten Abend haben uns die Musher Rentierfleisch aus der Muurrikka serviert und wir schauten ins prasselnde Lagerfeuer. Das war schon eine tolle Atmosphäre und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Annika: Wir kamen am zweiten Tag etwas an unsere Grenzen. Über Nacht gab es viel Neuschnee und auch am Vormittag hatte sich das Wetter nicht beruhigt. Als erste Gruppe kämpften die Hunde und wir Musher die Schlitten erstes durch den teils tiefen Schnee. Auf einer Hochebene konnte ich durch das Schneetreiben gerade noch meine Teammitglieder und unseren anführenden Musher erkennen. Es war vor allem mental die anstrengendste Situation, die ich bisher meistern musste. Mir wurde bewusst, ohne Hunde wäre man in dieser Gegend etwas verloren gewesen. Diese Kilometer werde ich nie vergessen und ich bin immer noch ein bisschen stolz, so eine Erfahrung gemacht zu haben.


Gab es ‚Ich mag nicht mehr!‘-Momente? Wenn ja, wie habt Ihr Euch wieder motiviert?

Annika: Wenn ich merkte, dass meine Hunde langsamer wurden oder sie mit einem Blick nach hinten signalisierten „Schieb mit!“ hatte man keine Zeit darüber nach zu denken, ob man selbst noch Kraft hat. Wir wollten vorankommen. Ich habe eine gute Verbindung zu meinen neuen Freunden aufbauen können und es fühlte sich an, als motivierte man sich unterwegs gegenseitig mit den Hunden. Ich habe sie auch angefeuert und mich dann gefreut, wenn sie nochmal einen Zahn zugelegt haben oder wir einen Anstieg geschafft hatten. Wenn wir abends unser Lager aufschlugen, hatten die Hunde Priorität. Nach kräftezehrenden Tagen war dann Zeltaufbauen und Wasserkochen manchmal einfach anstrengend. Nach spätestens zwei Tagen waren aber alle Abläufe im Team routinierter und alles ging leichter von der Hand.
Patrick: Nein, nicht wirklich. Mein persönlicher Tiefpunkt war am Ende des ersten Tages. Die vielen neuen Eindrücke und nicht zuletzt 70 km auf dem Hundeschlitten – da war ich ziemlich platt. Am nächsten Morgen konnte ich dann aber wesentlich entspannter starten weil ich inzwischen mit dem Schlitten und dem Equipment gut vertraut war. 



Der letzte Tag, der Zieleinlauf, die Abschiedsfeier… da spielen doch alle Gefühle verrückt, oder?

Patrick: Ja, besonders der Zieleinlauf war natürlich ein sehr emotionaler Moment. Da kamen noch einmal viele Erlebnisse aus den letzten Tagen hoch. Es war natürlich auch ein bisschen schade, dass die Tour schon vorbei war – ich denke mal die meisten wären noch gerne 2-3 Tage länger unterwegs gewesen. Einige Teilnehmer haben auch eine sehr enge Bindung zu ihren Hunden aufgebaut und mussten am Ende doch die eine oder andere Träne verdrücken.
Annika: Wir hatten uns richtig eingelebt in den Rhythmus. Die letzte Etappe war landschaftlich eine der schönsten und ich genoss es noch einmal, den Schlitten und die Hunde inzwischen so gut zu beherrschen. Es war etwas surreal, als wir den See erreichten, an dessen anderem Ufer die Finish-Flagge stand. Eigentlich wollten wir alle wieder umdrehen. Es war so eine angenehme Erfahrung gewesen, wie wenig der Kontakt zur Außenwelt und Zeit eine Rolle spielen. Im Camp angekommen haben Sauna, sehr gutes Essen und die Abschlussparty alles noch wertvoller gemacht. Es kullerten vor allem Tränen, als ich mich von meinen Hunden verabschiedet habe. Ich bin ihnen in diesem Moment sehr dankbar gewesen.

Am ersten Morgen im Hotel hab ich mir intuitiv erst mal das Messer an den Gürtel gebunden!


Eine Woche ist nicht lang. Einmal von null auf hundert und wieder zurück. Verändert einen so etwas?

Annika: Tatsächlich dauerte es ein paar Tage, bis ich wieder „normal“ gedacht habe, mir nicht mehr Schneeschmelzen und Hundegeschirre anziehen durch den Kopf gingen. Die erste richtige Dusche, ein warmes und weiches Bett, trockene Kleidung und Strom holen einen schnell wieder in die Realität zurück. Für meinen Geschmack war das zu schnell. Ein einfaches „Mir geht es gut“ zu versenden, wäre mir lieber gewesen. Ich merkte erst dann, wie anstrengend ständige Verfügbarkeit, z.B. über das Smartphone, eigentlich ist. Zwei Tage verbrachte ich im Anschluss noch mit einigen Teilnehmern in Stockholm. Es hat geholfen, Schritt für Schritt nach Hause zu kommen. Ich nehme mir jetzt öfter zum Ziel, mal nicht verfügbar zu sein und auch für meine Reisepläne traue ich mir jetzt definitiv mehr zu.
Patrick: Als Person habe ich mich durch die Tour nicht verändert. Ich muss allerdings gestehen, dass es doch so ca. 1-2 Tage gedauert hat, wieder in der Zivilisation anzukommen. Ich verbrachte nach der Tour noch 3 schöne Tage in Stockholm zusammen mit meiner Frau und meinem Sohn. Am ersten Morgen im Hotel hab ich mir intuitiv erst mal das Messer an den Gürtel gebunden (lacht)!

1. Wer drüber schreibt, der muss es wissen. 2. Der Morgen danach...


Habt Ihr noch zu vielen der anderen Teilnehmer Kontakt?


Annika: Wir haben viel zusammen erlebt. Vor allem durch Zusammenarbeit, aber auch durch gesellige Lagerfeuer sind wir alle zusammengewachsen. Es sind Freundschaften entstanden und ich habe regelmäßig Kontakt zu einigen Teamkollegen. Manche haben es auch schon geschafft, sich wieder zu sehen. Alle anderen freuen sich dann über die „Reunion“-Fotos. Geplant ist eine gemeinsame Teilnahme am Fjällräven Classic im nächsten Sommer.
Patrick: Hin und wieder posten einige Teilnehmer Kurzberichte von ihren Outdoor-Abenteuern auf Facebook. Schön zu sehen, dass es den anderen gut geht und sie am Thema dran bleiben. Auch mit Annika habe ich regelmäßig Kontakt. 

1. Der frisch verschneite Abreisemorgen.


Und zum Schluss: Ganz ehrlich, würdet Ihr es wieder tun?


Annika: JA! Die Frage, ob ich mich nochmal bewerben soll, habe ich nach dem ersten fehlgeschlagenen Versuch zum Glück mit Ja und viel Elan beantwortet und ich bin sehr froh darüber! Eine einzigartige Erfahrung in so einer Gegend mit solchen Menschen gemacht zu haben wird mir bestimmt mein Leben lang ein Lächeln ins Gesicht zaubern…
Patrick: Auf jeden Fall! Um ehrlich zu sein, bereite ich gerade eine Tour nach Spitzbergen vor! Das ist noch einmal eine ganze Ecke nördlicher und die Bedingungen werden extremer sein. Ich möchte die Orte besuchen und kennen lernen, die mein Vorfahre bereits vor über 100 Jahren erforschte. Auf den Spuren von Theodor Lerner sozusagen. Schlittenhunde werden dabei sicherlich auch eine Rolle spielen. Die Mannschaft ist noch nicht komplett, aber ich beabsichtige auf jeden Fall einen Fotografen/Filmer mitzunehmen und einen Kurzfilm über die Tour zu machen.

Das klingt doch wunderbar! Vielen Dank für Eure Zeit und Patrick, viel Erfolg bei der Vorbereitung und alles Gute bei Deiner Expedition!

Interesse? Ab 16. November kann man sich hier für Fjällräven Polar 2017 bewerben.

Fotos: Patrick Lerner (Nordlicht & Lagerfeuer)
           André Tappe