Grundschartner Nordgrat – ein echter „Pause Klassiker“

Sebastian Benn arbeitet bei uns in der Bergsportabteilung und das lebt er auch. Immer wenn es die Zeit zulässt, zieht es den begeisterten Alpinisten in die steilen Wände der Alpen. Eines hat es ihm dabei ganz besonders angetan: Die Linien der legendären Pause Klassiker. Diesmal ging er gemeinsam mit Seilpartner Daniel in die Zillertaler Alpen zum Klettern. Zum 3061m hohen Grundschartner, die Nordkante soll es werden. Eine wunderbare Tour, auch an heißen Sommertagen, da die Nordseite immer etwas wohltuende Kühle spendet.

Nach einer kurzen Nacht im Auto hieß es um 5:30 aufstehen. Etwas zermartert aber frohen Mutes stärkten wir uns mit Kaffee und dick belegten Broten, dann starteten wir auch schon, zunächst von Mayrhofen rauf zur Bodenalm. Von dort öffnete sich der gewaltige Blick auf den Mittegrat (Nordkante) des Grundschartners – unser Ziel lag vor Augen.

Pause-Klassiker-Grundschartner
Der Gipfel hat sich fein gemacht, unten ist es noch düster.
Jetzt ging es ran, an den Grat!  

Fester Granit und eine wunderbare Gletscherkulisse, rechts und links neben dem Grat lagen vor uns. Die Vorfreude stieg. Der Schritt wollte schneller werden – doch sachte! Die Tour ist lang. Durch das Kar gelangten wir irgendwann an den Anseilpunkt, wo wir uns fertig machten, die Kletterschuhe auspackten, den Gurt anzogen und das Seil vorbereiteten. Jetzt ging es ran, an den Grat!

Vom Anseilpunkt (bei der Stange) gelangten wir zu einem markanten, gespaltenen Block. Über eine kleine Rampe ließen sich weitere Höhenmeter machen. Es fühlte sich gut an! Es lief! Flüssig und schnell gelangten wir zur ersten Schlüsselstelle (VI) an einem weiteren Block. Im Zick-Zack umgingen wir diesen und kletterten stetig hinauf, zum „Adlerschnabel“ (Riss-Schuppen V+). Ein irres Gefühl, hier zu klettern und besonders beeindruckend wenn man über die Schuppe gelangt ist.

Ruhig und konzentriert stiegen wir weiter und gelangten schließlich zur zweiten Schlüsselstelle. Eine überhängende Schuppe mit Klemmblock. Ist manchmal schon verrückt, was in so einem Grat alles wartet. Aber auch diese Hürde nahmen wir.

Pause-Klassiker-Grundschartner
Pause-Klassiker-Grundschartner
1. Granitkletterei vom feinsten! 2. Panorama pur...

Ab jetzt ging es leichter weiter – das Schwerste war erledigt. Ein Stück hatten wir allerdings noch vor uns. – Weit war es nicht mehr. Nach einigen lockeren Felspassagen ging es endlich hinauf an unser Ziel – den Gipfel! Zufriedenheit und unglaubliche Freude machen sich breit. Wir jubelten. Oben gab´s zuerst mal eine gemütliche Pause. Hungrig genossen wir unsere leckere Brotzeit, die heißen Sonnenstrahlen und einen atemberaubenden Ausblick über die Zillertaler Alpen.

Doch auf auf! Zu lange durften wir hier nicht ausspannen. Der Gipfel ist bekanntlich nur der halbe Weg, wir hatten noch etwas vor uns! Also machten wir uns nach der erholsamen Ruhe an den Abstieg. Über die südliche Scharte ging es talwärts. Hier stand die Hitze. Wir keuchten bergab, an den massiven Kainzenkarfällen vorbei, bis wir schließlich zur Kainzenalm kamen. Eine Rast war aber nicht mehr möglich. Es war mittlerweile dunkel.

Pause-Klassiker-Grundschartner
Pause-Klassiker-Grundschartner
1. Ruhe und Weite am Gipfel. 2. Sebastian.

Mit Stirnlampen gingen wir weiter durch den Sundergrund in Richtung Parkplatz. An der Straße streckten wir unsere Daumen raus um mit etwas Glück ein Auto anzuhalten. Mit mäßigem Erfolg. Es hielt zwar eines – war jedoch zu voll beladen. Also ging es doch zu Fuß weiter, immer mit der Peilung „Gasthaus Häusling“. Unsere Füße schmerzten derart, das letzte Stück gingen wir barfuß.

Endlich erreichten wir das erlösende Auto. Auf der Heimfahrt waren wir zwar total erschöpft, aber auch sehr glücklich über diese gelungene Paradetour.

INFO:
Die Route wurde 1928 von Peter Aschenbrenner und Willi Mayr erschlossen und ist ein lohnender Genuss für erfahrene und versierte Alpinisten. Wunderschöne, abwechslungsreiche Gratkletterei in bestem Granit auf einen wunderbaren Gipfel.


Was nicht fehlen darf:
Friends und Keile  
Schlingen  
Kletterschuhe für den Grat
Genügend Wasser (die Tour ist lang) 
Riegel
Stirnlampe