Hanwag Bergschuhe – Pflegen für die Ewigkeit!

Ein guter Bergschuh, so sagt man, der hält ein Leben. Jetzt kommt es natürlich darauf an, ob man das Leben eines Bergführers oder eines ‚durchschnittlichen’ Wanderers meint, aber eines ist sicher: Der richtige Wanderstiefel an den Füßen ist nicht einfach nur irgendein Schuh. Er ist einer, dem man vertraut. Einer, der uns auf besonderen Touren begleitet. Genauso besonders sollte er auch behandelt werden – eben damit er ein langes Leben genießen kann. Auf was kommt es an, bei der Pflege der Bergschuhe? Wir haben mit Christian Wittig gesprochen, der beim bayerischen Traditions-Schuster Hanwag der Pflege-Experte schlechthin ist.

Christian, aber sowas von in Action!
Christian, aber sowas von in Action!

Christian, bist Du generell ein „sauberer Kerl“ – oder eher nur, wenn es um die Schuhe geht?

Nein, nicht nur, wenn es um Schuhe geht, auch bei der Ausrüstung bin ich ein ‚großer Pfleger’. Das hat für mich fast rituellen Charakter nach jeder Tour. Ich komme beispielsweise gerade von einer Hochtour auf den Mont Blanc über die italienische Seite. Und nach einer solchen Tour wird alles gepflegt: Schuhe, Karabiner, Rucksäcke etc.; Hard- und Softshells werden imprägniert und Hosen gewachst. Das gehört für mich dazu, weil die Ausrüstung das einfach verdient hat.

Auf was kommt es bei der richtigen Schuhpflege an?

Zunächst einmal besteht die Schuhpflege aus zwei großen Teilen: dem Nässeschutz in Form einer Imprägnierung und der Pflege des Leders durch das Auftragen und Einarbeiten von Wachs. Imprägnieren kann ich den Schuh immer, wenn er auf einer Tour mal richtig nass geworden ist. Das Wachsen ist schon etwas komplizierter, weil man das Leder schnell über- oder natürlich auch unterpflegt.

Wie würde das denn gehen?

Wenn ich zu wenig wachse, wird das Leder trocken, rau und kann irgendwann aufbrechen. Pflege ich zu viel, verstopfe ich die Poren und habe irgendwann einen Gummistiefel – frei von jeglicher Atmungsaktivität. Und den will keiner am Berg haben. Wichtig ist, dass man ein Auge für und auf die Schuhe hat und sie nicht einfach nach einer Tour im feuchten, stickigen Kellerabteil verschwinden lässt.

1. Erst muss der Dreck weg... 2. ...und dann wird die Imprägnierung aufgefrischt.


Muss man einen Lederschuh ganz anders behandeln als einen Stiefel aus synthetischen Materialien?

Ja, auf jeden Fall. Bei den meisten synthetischen Materialien reicht die Imprägnierung vollkommen aus. Wachs hat auf textilen Materialien nichts verloren, das ist eine reine Lederpflege.

Leder ist ein natürliches, ‚lebendiges’ Material – lebt so ein Stiefel auch länger als andere Wanderschuhe?

Bei der richtigen Pflege auf jeden Fall. Ich bin immer voll begeistert, wenn ich auf meinen Bergtouren Hanwag-Kunden treffen, die ganz alte zwiegenähte Lederschuhe tragen und immer noch total glücklich mit ihrem Schuhwerk sind. Das können sie nur sein, weil sie auf die richtige Pflege geachtet haben. Das ist für mich eine ganz großartige Bestätigung.

Welche Art Pflegemittel verwendet Ihr bei Hanwag im Haus?

Wir verwenden in der Produktion sehr hochwertige Pflegemittel, die wir beim Finish unserer Bergschuhe einsetzen. Wachs spielt hier noch keine große Rolle, da wir unser Leder bereits perfekt vorbereitet von den Gerbereien erhalten. Imprägniert werden unsere Schuhe aber auf jeden Fall nochmals!

Ihr entwickelt eine eigene Pflegeserie?

Ja, das haben wir und wir sind schon sehr stolz auf unsere eigene Linie. Wir haben sie gemeinsam mit den Spezialisten von Fibertec entwickelt. Das ist eine kleine deutsche Marke, die genauso große Nachhaltigkeitsstandards setzt wie wir. Ökologisch sehr hochwertig.

Was davon braucht denn der Normalwanderer?

Das kommt darauf an, was er für einen Schuh hat. Wenn ich einen Vollleder-Wanderstiefel wie unseren HANWAG Tatra habe, dann nehme ich das Imprägnierspray für den Nässeschutz und das Wachs für die Lederpflege. Wenn ich einen Schuh mit hohem Textil-Anteil habe, reicht die Imprägnierung.

Was braucht man ansonsten noch an Utensilien?

Ich persönlich benutze zur Reinigung eine raue und eine etwas weichere Bürste. Mit der rauen Bürste entferne ich den groben Schmutz, mit der feineren Bürste den Rest und für alle unzugänglichen Ecken, wie z.B. unter dem Schnürsenkel in der Lasche, habe ich auch schon mal eine alte Zahnbürste bereit liegen.

Der Christian beim Schuster. Wir sagen danke!
Der Christian beim Schuster. Wir sagen danke!


Was ist das Schlechteste, was man einem Bergschuh antun kann?

Was für mich persönlich immer ganz schlimm ist: Ich bin auf einer Berghütte und sehe, wie nasse Lederschuhe ganz nah am offenen Kaminfeuer getrocknet werden. Leder muss ganz, ganz langsam trocknen, sonst kann es Risse bekommen und aufbrechen. Ebenfalls schlecht: Wenn der noch feuchte Schuhe in eine Plastiktüte gepackt wird und nach zwei Monaten wieder für die nächste Tour hervorgeholt wird. Leider kann man bei Bergschuhen sehr viel falsch machen. Eine wichtige Sache noch: Es hält sich teilweise noch hartnäckig das Gerücht, dass man Schuhe vor dem Wachsen bei geringen Temperaturen in den Backofen stellen sollen. Bitte niemals machen!!! Das ist das reinste Gift für die Klebstoffe, die Sohle mit Schaft verbinden. Außerdem tut das dem Leder gar nicht gut.

Was ist das Beste, was man einem Bergschuh gönnen kann?

Sie an einem gut durchlüfteten trockenen Platz ohne Sonneneinstrahlung trocknen. Bei mir zu Hause ist das der Heizungskeller. Die Einlegesohlen nehme ich vorher heraus und öffne den Schuh, soweit es nur geht. Je nachdem wie oft der Schuh getragen wird, pflege ich das Leder. Wenn ich manchmal am Wochenende eine Tour bei schönem Wetter gehe, reicht es vollkommen aus, den Schuh zwei oder drei mal jährlich zu wachsen. Ich bin jedes Wochenende unterwegs, egal bei welchem Wetter und meist in rauem Terrain. Dann muss man schon öfters mal zum Wachs greifen. Da gibt es keine feste Regel. Ich sage unseren Kunden immer, dass das wie mit der eigenen Haut ist. Man merkt und sieht einfach, wenn die Haut zu trocken ist und eingecremt werden muss.

Die beliebtesten Hanwag Modelle:

Sonstige Tipps & Tricks?

Viele Schuhe bestehen ja nicht nur aus Leder, sondern haben auch einen großen umlaufenden Geröllschutzrand. Das ist vor allem bei schweren Trekking-Stiefeln und Alpin- und Kletterschuhen der Fall. Diesen Rand behandle ich mit ein wenig Gummipflege aus der Automobil-Industrie – das kann die Lebensdauer deutlich verlängern! Ich nehme auch bei jeder Pflege die Schnürsenkel heraus. Ich sprühe dann etwas Imprägnierspray auf ein Tuch und ziehe die Schnürsenkel durch die nasse Stelle. Dadurch nehmen die Senkel nicht mehr so viel Feuchtigkeit auf und liegen nicht patschnass auf dem Leder, wenn man durch einen Gebirgsbach gelaufen ist.

Vielen Dank für das pflegeintensive Gespräch!

Fotos: André Tappe