Bergschuhe – Pflegen für die Ewigkeit!

    Ein guter Bergschuh, so sagt man, der hält ein Leben. Jetzt kommt es natürlich darauf an, ob man das Leben eines Bergführers oder eines ‚durchschnittlichen’ Wanderers meint, aber eines ist sicher: Der richtige Wanderstiefel an den Füßen ist nicht einfach nur irgendein Schuh. Er ist einer, dem man vertraut. Einer, der uns auf besonderen Touren begleitet. Genauso besonders sollte er auch behandelt werden – eben damit er ein langes Leben genießen kann. Auf was kommt es an, bei der Pflege der Bergschuhe? Wir haben die wichtigsten Fragen für Euch geklärt.

    Auf was kommt es bei der richtigen Schuhpflege an?

    Zunächst einmal besteht die Schuhpflege aus zwei großen Teilen: dem Nässeschutz in Form einer Imprägnierung und der Pflege des Leders durch das Auftragen und Einarbeiten von Wachs. Imprägnieren kann ich den Schuh immer, wenn er auf einer Tour mal richtig nass geworden ist. Das Wachsen ist schon etwas komplizierter, weil man das Leder schnell über- oder natürlich auch unterpflegt.

    Wie würde das denn gehen?

    Wenn man zu wenig wachst, wird das Leder trocken, rau und kann irgendwann aufbrechen. Pflegt man zu viel, verstopfen die Poren und der Bergschuh wird zum Gummistiefel – frei von jeglicher Atmungsaktivität. Und den will niemand am Berg haben. Wichtig ist, dass man ein Auge für und auf die Schuhe hat und sie nicht einfach nach einer Tour im feuchten, stickigen Kellerabteil verschwinden lässt.

    Zuerst wird der grobe Dreck weggebürstet.

    Muss man einen Lederschuh ganz anders behandeln als einen Stiefel aus synthetischen Materialien?

    Ja, auf jeden Fall. Bei den meisten synthetischen Materialien reicht die Imprägnierung vollkommen aus. Wachs hat auf textilen Materialien nichts verloren, würde sogar die darunterliegende Membrane dauerhaft schädigen. Das ist eine reine Lederpflege.

    Leder ist ein natürliches, ‚lebendiges’ Material – lebt so ein Stiefel auch länger als andere Wanderschuhe?

    Bei der richtigen Pflege auf jeden Fall. Man trifft immer wieder andere Wanderer auf Tour, die noch betagte zwiegenähte Lederschuhe tragen. Die sind zwar schwer, aber bei richtiger Pflege auch fast unverwüstlich.

    Eine kleine Bürste ist ideal, um Nieten, Ösen und Kanten zu reinigen.

    Welche Pflegemittel sollte man für Bergschuhe verwenden?

    Das kommt darauf an, was man für einen Schuh hat. Ist es ein stabiler Leder-Wanderstiefel wie der Hanwag Alaska GTX, nimmt man Imprägnierspray für den Nässeschutz und Wachs für die Lederpflege. Wenn man einen Schuh mit hohem Textil-Anteil hat, reicht die Imprägnierung völlig aus.

    Was braucht man ansonsten für Pflegeutensilien?

    Eine raue und eine etwas weichere Bürste zur Reinigung. Mit der rauen Bürste entfernt man den groben Schmutz, mit der feineren den Rest und für alle unzugänglichen Ecken, wie z.B. unter dem Schnürsenkel in der Lasche, hilft auch auch schon mal eine zusätzliche kleine, oder eine alte Zahnbürste.

    Was danach noch bleibt, ist schnell mit einem feuchten Tuch entfernt. Danach den Schuh erst wieder trocknen lassen.

    Was ist das Schlechteste, was man einem Bergschuh antun kann?

    Leider kann man bei Bergschuhen einiges falsch machen. Nasse Lederschuhe ganz nah am offenen Kaminfeuer, oder unter der Heizung trocknen. Leder muss ganz, ganz langsam trocknen, sonst kann es aushärten, Risse bekommen und aufbrechen. Ebenfalls schlecht: Wenn noch feuchte Schuhe in eine Plastiktüte gepackt wird und nach zwei Monaten wieder für die nächste Tour hervorgeholt wird.

    Eine wichtige Sache: Es hält sich teilweise noch hartnäckig das Gerücht, dass man Schuhe vor dem Wachsen bei geringen Temperaturen in den Backofen stellen sollen. Bitte niemals machen!!! Das ist das reinste Gift für die Klebstoffe, die Sohle mit Schaft verbinden. Außerdem tut das dem Leder gar nicht gut.

    Je nach Zustand kann man jetzt entscheiden: ist das Leder ausgetrocknet, sollte gewachst werden. Ist noch genug Wachs drauf, reicht Imprägnierspray.
    Beim Wachsen sollte die Schicht nicht zu dick sein. Einfach mit einem Tuch dünn und gleichmäßig einarbeiten.

    Was ist das Beste, was man einem Bergschuh gönnen kann?

    Sie an einem gut durchlüfteten trockenen Platz ohne Sonneneinstrahlung zu trocknen. Die Einlegesohlen sollte man vorher herausnehmen und den Schuh öffnen, soweit es nur geht. Je nachdem wie oft der Schuh getragen wird, sollte das Leder gepflegt werden. Geht man nur manchmal am Wochenende eine Tour bei schönem Wetter, reicht es vollkommen aus, den Schuh zwei oder drei mal jährlich zu wachsen. Wird gefühlt jedes Wochenende in den Bergen verbracht, egal bei welchem Wetter und meist in rauem Terrain, dann muss man schon öfter mal zum Wachs greifen. Da gibt es keine feste Regel. Es ist ein wenig wie mit der eigenen Haut. Man merkt und sieht einfach, wenn die Haut zu trocken ist und eingecremt werden muss.

    Shoe Proof
    Carbon Pro 400ml
    Sno-Seal Wax Tube
    Active Wax

    Sonstige Tipps & Tricks?

    Nehmt bei jeder Pflege die Schnürsenkel heraus. Sprüht dann etwas Imprägnierspray auf ein Tuch und zieht die Schnürsenkel durch die nasse Stelle. Dadurch nehmen sie nicht mehr so viel Feuchtigkeit auf und liegen nicht ewig patschnass auf dem Leder, wenn man zum Beispiel durch einen Gebirgsbach gelaufen ist.

    Uff! Das war's. Viele pflegeintensive Infos. Aber jetzt wisst Ihr alles, um Euren Bergschuh so richtig auf Kurs zu bringen. Damit er Euch auch lange auf vielen spektakulären Touren begleitet. 

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