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    Der Wilde Freiger – eine grenzüberschreitende Hochtour

    Grüne Wälder, liebliche Almwiesen, steinige Urlandschaften und ewiges Eis – kaum eine Bergerfahrung ist landschaftlich so abwechslungsreich und atemberaubend wie eine Hochtour. Der Aufstieg von Ranalt im Stubaital auf den Wilden Freiger war eine meiner ersten hochalpinen Touren und ist mir bis heute als eine ganz besonders intensive Erfahrung im Gedächtnis geblieben.

    Es sollte meine erste Mehrtages-Hochtour im Sommer werden. Ich hatte schon einen Hochtourenkurs absolviert, einige Tage mit einem Bergführer im Winter auf Skiern im Hochgebirge verbracht, im Sommer beim Kletterkurs an meiner Höhenangst gearbeitet und mich an einer Tages-Hochtour im Frühjahr auf den Hohen Seeblaskogel versucht.

    Nun standen zwei volle Tage, eine Hüttenübernachtung, Gratkletterei und gleich drei Dreitausender auf dem Programm: Die Runde von der Dresdner Hütte über den Wilden Freiger auf das bereits italienische Becherhaus und am nächsten Tag über den Wilden Pfaff und das Zuckerhütl zurück ins österreichische Stubaital ist eine beliebte Sommerhochtour. Sie erfordert jedoch eine gute Orientierung, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit, Kondition und in jedem Fall erste Hochtourenerfahrung.

    # 1: Das Wetter ist unberechenbar

    Blauer Himmel, Schäfchenwolken und ein endloses Panorama: Es ist Mitte Juli und die Wettervorhersage könnte nicht besser sein. Wir übernachten in Ranalt und beschließen, früh aufzustehen, um Gefahren durch tageszeitliche Erwärmung möglichst zu vermeiden.

    Doch als wir am nächsten Morgen auf dem Fenster sehen, verstecken sich die Bergspitzen hinter dicken Regenwolken. „Am Berg oben hat’s Neuschnee geb’n“, eröffnet uns der Wirt unserer Pension. Neuschnee im Hochsommer? Naja, man ist halt schon weit oben. Trotzdem war ich darauf irgendwie nicht eingestellt.

    Wir ziehen trotzdem los, die Hochtourenausrüstung inklusive GPS Gerät und Daunenjacke im Gepäck und werden lernen.

    # 2: Karte, GPS und Daunenjacke sind unverzichtbar – auch im Juli

    Die ersten Höhenmeter bis zu Gletscher steigen wir durch steiniges Gelände auf, bevor wir die Steigeisen und unsere Gurte anlegen und angeseilt weiter durch Schnee und Eis stapfen. Je höher wir kommen, umso schlechter wird die Sicht und das GPS-Gerät wird für uns zum unverzichtbaren Begleiter. Unterwegs begegnen wir einer größeren Seilschaft, die ohne Karte und GPS im Nebel die Orientierung verloren hat. Einige wenig erfahrene Mitglieder der Gruppe hat bereits die Kondition verlassen. Auch ich muss sagen, dass der Aufstieg ohne sichtbares Ziel vor Augen mental sehr ermüdend ist. Von den sommerlichen Temperaturen im Tal merkt man hier oben nichts mehr. Es ist bitterkalt und wir sind froh, unsere Daunenjacken dabeizuhaben.

    Am Einstieg in den Grat beschließt die andere, schlechter ausgerüstete Gruppe, ins Notlager abzusteigen. Wir fühlen uns noch fit und sicher und treffen einstimmig die Entscheidung, weiterzugehen. Kurze Zeit später werden wir mit einem gigantischen, sonnenüberfluteten Panorama über den Wolken belohnt.

    # 3: Schwindelfreiheit lässt sich trainieren

    Noch vor zwei Jahren konnte ich nicht ohne Unbehagen auf einer Leiter stehen. Jetzt klettere ich den felsigen Grat eines Dreitausenders entlang und bin überwältigt von der wilden Schönheit dieses Ortes, an dem Mitten im Hochsommer tiefer Winter herrscht. Dick eingepackt stapfen wir durch den Schnee, an vereisten Wegweisern und winterlich dekorierten Felsformationen vorbei, immer die Schönheit dieser gigantischen Hochgebirgslandschaft vor Augen. Ich bin froh, dass die Route mit Drahtseilen und einigen Bohrhaken versichert ist, so dass man sich an den heikleren, ausgesetzten Stellen sichern kann, denn durch die Kälte und den Neuschnee ist der Fels teilweise ziemlich rutschig.   

    # 4: Grenzen erkennen und Grenzen überwinden

    Als kurz hinter dem Gipfelkreuz auf einer felsigen Anhöhe das Becherhaus auftaucht, sind meine Beine müde, mein Körper erschöpft und mein Herz glücklich über die Erfahrungen, die ich an diesem einen, intensiven Tag machen konnte. Morgen noch zwei Dreitausender? Im Moment fühlt es sich nicht danach an. Mehr als heute habe ich meinem Körper bis dahin nicht zugemutet. „Nie wieder!“, ist nicht selten ein Gedanke auf Touren, wenn die Füße schmerzen, der Wind eisig bläst und nicht alles ganz so läuft, wie geplant. Und dann will ich doch wieder los. 

    Warum ich mir diese Strapazen immer wieder antue? Weil es so unglaublich schön ist da oben und weil du danach das Gefühl hast, du könntest einfach alles schaffen!

    Text: Anja Woertge

    Munich-Mountain-Girls

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