Im Licht des Nordens - Teil 1

Norwegen wäre nicht Norwegen, wenn man nicht an der nächsten Ecke eine mindestens genauso schöne Alternative fände. 

Im Juli ist unsere junge Autorin Marianne einen Monat durch Norwegen gereist. Sie ist eine wahre Norwegen-Expertin und berichtet in zwei Gastbeiträgen von ihren schönsten Trekking-Touren in Mittelnorwegen zwischen Rondane Nationalpark und Dovrefjell. Von Osprey wurde sie dafür mit dem Rucksack Sirrus 36 ausgestattet.


3 Uhr Nachts. Taghell. Ich kann nicht schlafen. Obwohl ich in diesem Jahr zum achten Mal in Norwegen bin irritiert mich die Mitternachtssonne. Dazu bin ich unglaublich aufgeregt und gespannt auf all die Abenteuer, die mich hier erwarten werden.

Die erste Woche verbringen wir in der Nähe von Dombas in Oppland, einem kleineren Ort und ein zentraler Verkehrsknotenpunkt zwischen dem Rondane Nationalpark und dem Dovrefjell. Unser Fokus liegt zunächst auf dem höchsten Berg Skandinaviens. Mit 2469m ist der Galdhöpiggen kein Riese, die Touren hinauf sind aber anspruchsvoll. Spiterstulen, im Visdalen, ist der beliebteste Ausgangspunkt, um den Gipfel zu erreichen. Was früher nur eine kleine abgelegene Alm war, ist heute ein Touristenzentrum mit allem, was das Wandererherz begehrt.


1. Die Schneefelder reichen noch bis weit ins Tal hinab.


Von dort aus legt man ca. 1300 Höhenmeter in fünf Stunden zurück. Ausdauer sollte man reichlich mitbringen, da es immer wieder bergauf und bergab geht. Über große Geröllfelder, Eis- und Schneelandschaften zieht sich der Weg nach oben und manchmal denkt man, dass es kein Ende mehr nimmt. Aber am Gipfel wird man mit der Aussicht auf Gletscher und die höchsten Gipfel des Jotunheimen belohnt.

Wer eine geführte Tour bevorzugt, startet in Juvasshytta und legt ca. 640 Höhenmeter auf dem Gletscher Styggebreen zurück. Geprüfte Bergführer, sowie Ausrüstung stehen von Mai bis September zur Verfügung. Wir planen für dieses Jahr den Aufstieg über den Gletscher ohne Führung und erkundigen uns im Voraus bei den Einheimischen nach den Bedingungen am Berg: In den letzten Tagen gab es heftige Schneefälle und das Wetter blieb wechselhaft. Die Schneelage in diesem Juli ist ungewöhnlich für Norwegen, selbst in geringen Höhen sind noch große Mengen vorhanden. Wir müssen die Tour absagen.

Ein Leben reicht wahrscheinlich nicht aus, um alle Wege im Rondane zu gehen.  

Aber Norwegen wäre nicht Norwegen, wenn man nicht an der nächsten Ecke eine mindestens genauso schöne Alternative fände. Uns verschlägt es in den Rondane Nationalpark, den ältesten Nationalpark Norwegens. Östlich des Gudbrandsdal nimmt der Park eine Fläche von knapp 950 qkm ein. Mit dem angrenzenden Dovrefjell stellt er einen wichtigen Lebensraum für tausende Rentiere dar. Der norwegische Bergwanderverein DNT betreibt auch hier ein Netz an Berghütten als Service für Wanderer. Rondvassbu am See Rondsvatnet ist einer der zentralen Ausgangspunkte für viele Touren durch das Rondane. Auf endlosen Wegen wandert man durch Islandmoos, Rentierflechten, an tiefblauen Seen entlang, durch die endlose Weite der Hochebene. Ein Leben reicht wahrscheinlich nicht aus, um alle Wege im Rondane zu gehen.


Bilderbuch-Nordland! Marianne macht es sich erst mal bequem...
Bilderbuch-Nordland! Marianne macht es sich erst mal bequem...


Wer seine Autofahrkünste unter Beweis stellen will, wird am Trollstigen seine wahre Freude haben. 20 km südlich von Andalsnes, schafft man auf elf Haarnadelkurven 400 Höhenmeter. Oben angekommen freut man sich einerseits, dass das Auto noch heil ist, und andererseits über die atemberaubende Aussicht auf das Isterdal. Die Straße führt weiter über eine Hochebene bis zum Adlerweg, einer ebenso kurvenreichen Straße, die wieder auf Meereshöhe zurückführt. Nun ist man in Geiranger, in der Provinz Möre og Romsdal, am Ende des gleichnamigen Fjords. Den besten Blick auf den Fjord hat man vom Dalsnibba aus. Sein Gipfel ist 1476 m hoch und man muss nicht einen Schritt zu Fuß zurücklegen, denn hier führt eine Straße hinauf; die Erholung darf ja auch nicht zu kurz kommen! Hier oben sind die Seen noch mit einer dicken Eisschicht überzogen, die Straße ist gesäumt von hohen Schneewänden.


1. Kurvenreich durchs Hochland: Trollstigen 2. Auf der Hochebene...
Der Blick vom Dalsnibba auf den Geirangerfjord.
Der Blick vom Dalsnibba auf den Geirangerfjord.

Wo es auf Mariannes Reise weiterging, erfahren Sie in der Fortsetzung ...

Text und Fotos: Marianne Scheifl