Inseln, Surfer und Nordlichter

Tibor ist bei uns entweder in der Bergsportabteilung oder bei den Rucksäcken zu finden, da rüstet er andere für ihre Abenteuer aus. Doch was passiert, wenn er selbst das Erlebnis sucht? Dann geht's schon mal ganz kernig auf die Lofoten. Im Herbst. Warum eigentlich im Herbst? Da sieht man die ersten Nordlichter! Wenn denn das Wetter mitspielt. Gesagt, getan, gemeinsam mit Tourenpartner Johannes geht es ab über den Polarkreis, auf die norwegische Inselwelt.

An kaum einem anderen Ort findet man die schönsten Seiten Norwegens so gebündelt wie auf den knapp 80 Inseln, 100 - 300 Kilometer nördlich des Polarkreises im Nordatlantik vor Norwegen. Die Lofoten bieten traumhafte Sandstrände umringt von Bergen und Fjorden. Obwohl die Lofoten nicht das ideale Reiseziel für eine Trekkingtour sind, da man hier besser Tagestouren von einem oder mehreren Standorten aus machen kann, gibt es doch einige abwechslungsreiche Möglichkeiten, um mehrere Tage über die Inseln zu wandern.

Unsere Route führte von Fredvang bis nach Sørvågen durch die südlichste Inselgruppe Moskenesøya.
Nach der Ankunft mit der Fähre aus Bodø, ging es erst mal mit dem Bus in den Norden nach Fredvang. Der Plan war von Norden nach Süden zu wandern und die schönsten Orte der Insel zu erkunden. Über ebendiese Orte und Erlebnisse möchte ich berichten und euch Lust auf eine Reise hinter den Polarkreis machen!


Los geht’s...

In Fredvang angekommen, starteten wir die erste kleine Wanderung hoch auf die Fredvanghütte. Nach etwa zwei Stunden erreichten wir das kleine Haus in mitten einer atemberaubend schönen Landschaft aus Wiesen, Hügeln, kleineren Felsen hier und da und natürlich einem unendlich weiten Blick über den Atlantik. Das Licht und die Luft dort oben waren von solcher Klarheit, dass ich sofort meine Kamera ausgepackt habe, um die Atmosphäre einzufangen und mit nach Hause zu nehmen.
Die Hütte war nicht bewirtschaftet, aber wir konnten unser Zelt auf der kleinen Terrasse aufschlagen und das Abendessen zubereiten. Als langsam die Sonne unterging und wir den Horizont beobachteten, färbte sich dieser fast unbemerkt in grünliches Licht.

Die ganze Insel schwimmt in einem Ring aus Meeresschaum und Brandung. Es bollert und kracht, heult und donnert, als wären tausend Dämonen entfesselt und die schneeweiße Gischt deckt alle Inseln und Schären. Sogar der massive Leuchtturm, von oben bis unten aus Eisen, zittert und bebt, während er gespenstisch seine sechzehn Strahlen in die Dunkelheit schickt.

 (Theodor Kittelsen (1857 – 1914), norwegischer Künstler)


Erst konnten wir unser Glück kaum fassen, zum ersten Mal Polarlichter zu sehen und dann auch noch an unserem ersten Abend! Das Spektakel begann langsam mit grünlich schimmernden Wolken, die anfingen sich leicht zu bewegen bis der Himmel irgendwann in allen Farben leuchtete. Allein für dieses Erlebnis mitten in der Natur mit nichts um uns herum außer der kleinen Hütte und ein paar fernen Lichtern, die aus der Bucht zu uns hoch schimmerten, würde ich diese Reise wirklich jedem empfehlen.

1. Erst zaghaft... 2. ...aber dann: Was für ein Schauspiel!

Am nächsten Morgen ging es weiter in die Kvalvika. Dort standen wir zum ersten Mal direkt am Meer und hatten einen wunderschönen und menschenverlassenen Strand vor uns. Die Nacht verbrachten wir in einer Hütte, die von zwei Surfern direkt am Strand zwischen zwei großen Felsbrocken gebaut worden war. Sie waren 2010 für einen ganzen Winter in der Bucht zum surfen und errichteten deshalb die Hütte als Unterschlupf, die seither von vielen Wanderern gerne genutzt wird (mehr dazu hier).
Im Innern befinden sich ein kleiner Ofen, eine Küchenzeile und ein Bett. Alles ist aus Holz gebaut, das vom Meer angespült wurde, nur die Wände sind mit Plastikflaschen gegen Kälte und Nässe isoliert. Wir fühlten uns ein bisschen wie in einer Hobbit-Höhle und genossen die Nacht im Trockenen.


Weiter ging es dann in viereinhalb Stunden südlich zur Selfjordhütte, wo wir auch eine Nacht verbrachten. Am nächsten Tag wanderten wir zur Horseidvika. Dort hatten wir wieder die Gelegenheit die Polarlichter zu bestaunen, die diesmal in grün, pink und lila strahlten. Ein weiteres unvergessliches Erlebnis!

Anschließend ging es mit der Fähre über den Kirkefjord und den Forstfjord Richtung Munkebu. Allein um die spröde, aber doch wunderschöne Landschaft mal vom Wasser aus zu sehen, hat sich diese Fahrt gelohnt.
Nach einer Nacht im Hafen am Forstfjord wanderten wir auf die Munkebuhütte und verbrachten dort unsere letzte Nacht unter freiem Himmel.

Am letzten Tag ging es auch schon zurück nach Moskenes und von dort nahmen wir die Fähre zurück nach Bodø und damit zurück in die Zivilisation.




Reisetipp:

Gas für Schraubkartuschen bekommt man in Reine, dort gibt es ein kleines Sportgeschäft. Außerdem eine Tankstelle und einen Postkasten um Grüße in die Heimat zu verschicken.


Text: Tibor Werner
Fotos: Tibor Werner, Johannes Wiesholler