Alpine Klassiker in den Dolomiten

Wo bekommen Alpinkletterer leuchtende Augen? Ganz klar, in den Dolomiten. Nirgends wurde mehr Klettergeschichte geschrieben als hier. Das dachte sich auch unsere Kollegin Sabrina und deshalb zog es sie und Freund Robert in die majestätischen Gebirgsstöcke des Rosengartens, der Moiazza und zum Falzaregopass. Mal gucken, was es hier so zu klettern gibt.

Rosengarten

Zuerst ging es, westlich von Civetta und Falzaregopass zur Rosengartenhütte, von dort hinauf zur Gartlhütte. Die ist erstens sehr gemütlich und zweitens sind es von hier aus gerade mal 10 Minuten zum Einstieg des Delagoturms, hier blieben wir über Nacht. Am nächsten Morgen, zum Einklettern, steht ein ganz besonderes Schmuckstück auf dem Programm: die herrlichen vier Seillängen der „Delagokante“. Leicht abgespeckt ist sie schon, die Tour. Das zeigt wohl die große Beliebtheit. Wir genossen die ausgesetzte, legendäre Kantenkletterei im 4. Grad. Danach gönnten wir uns noch die „Fehrmann-Route“ (4+) am Stabeleturm, dann stiegen wir ab, zurück zur Rosengartenhütte. Dort verspeisten wir noch ein unglaublich leckeres Essen, bevor wir weiter in die Moiazza, einem Gebirgsstock der Civettagruppe fuhren. Dort wartete die Herausforderung für den nächsten Tag.

Dolomiten-Klettern-Delagokante
Dolomiten-Klettern-Delagokante
1. Traumhafte Aussicht beim Zustieg. 2. Ein Kletterer in der Delagokante.

Moiazza

Dort, am Passo Doran, ging es in einer ¾ Stunde rauf, zum Rifugio Carestiato und in ½ Stunde weiter zum Einstieg. Der Fels dort ist ein Traum und die Gegend nicht so überlaufen! Wir kletterten die 9 Seillängen der Route „Decima“ (5+), einer imposanten Wasserrinne. Die gesamte Tour bietet wunderbare Felsstrukturen und ist perfekt mit Schlingen, Keilen und Friends zu sichern. Außerdem wartet am Ausstieg eine herrliche Erfrischung in Form einer kleinen, klaren Gumpe.

Dolomiten-Klettern-Decima
Dolomiten-Klettern-Gumpe
1. Tolle Kletterei in der Decima. 2. Die Gumpe.

Falzaregoturm und Piccolo Lagazuoi

Tags darauf ging es weiter in Richtung Falzaregopass. Hier betritt man sehr geschichtsträchtigen Boden, überall sind noch die alten Stellungen zu sehen. Im 1. Weltkrieg gab es am Pass mehrere Sprengungen, daher ist das ganze Gebiet mit Massen von Felsbrocken übersät.
Geplant waren Klassiker am Falzaregoturm und am Piccolo Lagazuoi. An der ersten Route, „Orizonti di Gloria“ (7-, 7 SL), hatten wir gleich ein recht skurriles Erlebnis, als plötzlich ein Kletterschuh an uns vorbei flog. Der Besitzer hat den Ausstieg aber offensichtlich trotzdem erreicht. Hier war insgesamt recht viel los, aber die Kletterei war einfach toll! Die Stände sind gebohrt und auch in den einzelnen Seillängen stecken einige Bohrhaken.

Als wir „The wall“ (8, 9 SL), eine gut eingebohrte, moderne Route am großen Falzaregoturm kletterten, waren wir nochmals allein in der Tour. Ganz anders nebenan in der „Dibona“, dort standen 4 Seilschaften an. Glück muss man haben! Einzig der Blick zum benachbarten Klettersteig trübte etwas die Stimmung, dort schlängelte sich eine Ameisenstraße von mindestens 50 Personen nach oben. Trotzdem: Tolle Tour und ein super Abschluss unseres Dolomitentrips!

In den nächsten Tagen sollte sich das Wetter verschlechtern und wir ließen das Ganze mit viel Dolce Vita am Gardasee ausklingen.