Leonidio - Die Kalymnos Alternative


Kommt die Sprache auf Klettern in Griechenland, denkt man meist zuerst an Kalymnos. Die Insel ist allerdings über die Nebensaison nicht mehr mit Charterflügen zu erreichen, und die Anreise im Vergleich zur Saison relativ teuer und zeitaufwändig. Aber auch auf dem Peloponnes sind einige interessante und noch wenig bekannte Klettergebiete zu finden. Unsere Mitarbeiterin Simone hat einen Abstecher nach Leonidio gemacht und sich die dortigen Felsen und Cafés mal genauer angeschaut und war schwer begeistert.

Unter dem Link „Climb Greece“ kann man sich einen Überblick über die verschiedenen Klettergebiete, neu entstandene Sektoren, einzelne Routen, usw. verschaffen. Wir entschließen uns für Leonidio an der Ostküste. Mit dem Mietauto ist der Ort in ca. dreieinhalb Stunden über die kurvenreiche Küstenstrasse von Athen aus zu erreichen. Die Felswände von Leonidio zählen zu den weitläufigsten auf der Halbinsel und bieten jetzt schon ein Potenzial von fast 1000 Routen in 50 Sektoren. Die meisten Routen wurden von den berühmten Schweizer Brüdern Claude und Yves Remy zusammen mit dem griechischen Bergführer und Kletterer Aris Theodoropoulos erschlossen. Die drei haben auch in Kalymnos über viele Jahre die meisten Linien eingebohrt. 

Rund um das ursprüngliche Städtchen am Fuße des beeindruckenden, langgezogenen rötlichen Felsmassivs des Mount Parnon werden hauptsächlich Orangen, Oliven und Auberginen angebaut. Von Klettertourismus ist hier noch wenig zu spüren.



Gleich am ersten Tag wollen wir uns an diesem „Kokkinovrachos“(griech.: roter Fels) im Sektor Douvari einklettern. Das Massiv oberhalb des Dorfes ist schnell erreichbar, und für den Nachmittag sind Schauer vorhergesagt. Die Routen sind beschriftet, sehr gut abgesichert und bieten, wie in weiteren Sektoren, die Möglichkeit sogenannter „Extensions“. Das heißt, nach dem ersten Stand kann die Route noch um einige Meter in einem meist schwierigeren Gelände bis zum endgültigen Stand verlängert werden. So gibt es viele lange Sportkletterrouten bis zu 40m. Daher ist es praktisch, ein 80m Einfachseil dabei zu haben. Da es am Nachmittag zu regnen beginnt, verbringen wir die restliche Zeit in einem der zahlreichen einfachen griechischen Cafes bei Kaffee und Bergtee. Kletterer sind im Ort kaum zu sehen.

Will man sich austauschen, ist auf der Suche nach vergessenem Klettermaterial, oder nach einem Kletterpartner trifft man sich in der Kooperative Panjika. Einem Cafe, das von Einheimischen und Berliner Kletterern betrieben wird, die sich auch in der Erschließung neuer Sektoren engagieren.

Anschließend erkunden wir den urigen Dorfladen, in dem es hauptsächlich lokale und einheimische Produkte wie Eingelegtes in Gläsern, Mandeln, Walnüsse, Pistazien und Feigen aus Säcken, natürlich Olivenöl und offene Kaffeebohnen zu kaufen gibt. Abends fahren wir ein paar Kilometer zum kleinen Hafen von Leonidio, um dort zu essen. Wir bekommen gleich beim Eintritt jeder eine Plastiktüte frischgepflückter Mandarinen und Orangen geschenkt. Die Portionen sind mehr als genug, schon mit den Vorspeisen wären wir satt geworden. Aber eine von den süßen Mandarinen als Nachtisch geht immer.



Am nächsten Tag entscheiden wir uns beim Frühstück für den Sektor Aresos. Das ist ein vorgelagter Felsen, von dem aus das ganze Tal bis zum Meer zu überblicken ist. Es ist ein perfekter, sonniger Klettertag mit vielen abwechslungsreichen 6a/6b Routen in kompaktem Fels. Was liegt näher, als nach dem Besuch eines „Berliner Cafes“ , sich tagsdrauf aufzumachen in den Sektor „Berliner Mauer“. Nachdem uns jedoch in den ersten drei großgriffigen, eher überhängenden Routen mit teils losem Gestein der Unterschied klar wird, zu den perfekt sanierten und ausgeräumten Remy Touren, wechseln wir in den Sektor Grande Cuckoo, der sozusagen ums Eck liegt. Die Wandkletterei ist technisch anspruchsvoll, und eine dicke Hornhautschicht an den Fingern ist eindeutig von Vorteil.

Während die anderen abends schon wieder Pläne für die nächsten Tage schmieden, bereite ich meine Abreise zurück nach Athen vor. Wenn ich schon mal dort bin… klar… Akropolis nicht entgehen lassen!


Nützliche Tipps:
In den Wintermonaten zum Sichern eine gute Isolationsjacke mitnehmen.
Anständige Approachschuhe für die teils felsigen Zustiege.

Text und Fotos: Simone Wegner