Ladykracher am Cerro Torre - Christina Huber

Ich bin eher der Mixed-Typ.

Voll ausgebremst – das passiert. Bein gebrochen, Bänder durch, auch das noch. Aber: Training geht auch so und jetzt ist auch mal Luft für Café und Co. „Nimm´s locker!“, sagt sich die Garmischerin „Chrissi“ Huber und wir freuen uns über ein Gespräch mit ihr. Ihr Lebenslauf liest sich eindrucksvoll: 25 Jahre jung, Master-Studentin in Innsbruck, Mitglied im ersten DAV-Damen-Expeditionskader 2011-2013, Einsatzleiterin bei der Bergrettung und neue Athletin im Petzl-Team.
 
Im Februar war sie mit ihrer Kader-Kollegin und Freundin Caroline North noch in Patagonien, die Nachricht von der geglückten ersten, freien Frauen-Team-Begehung des Cerro Torre über die Via dei Ragni sorgte in der Bergwelt für Schlagzeilen.

Servus, Chrissi. Wie schön, dass es klappt – trotz (oder gerade wegen) Verletzungspause. Wie geht es dir?

Schon wieder ganz gut. Am Anfang habe ich mich natürlich total geärgert, gerade jetzt, wo Sommer ist und ich so viele Pläne hatte. Aber mei, das passiert halt und passen tut´s nie.

 

Im Februar ist dir und der Caro aber wirklich eine Spitzenleistung am Cerro Torre gelungen! Wie seid ihr auf Patagonien gekommen?

Caro und ich waren beide schon zuvor getrennt in Patagonien unterwegs. Caro musste 2013 kurz vorm Gipfel mit ihrer Seilpartnerin umkehren. Ich war 2009 zum Reisen dort, in El Chaltén, dem klassischen Ausgangsort für Touren rund um das Cerro Torre und Fitz Roy Massiv bin ich vor Begeisterung buchstäblich hängen geblieben. Die Berge dort sind einfach der Hammer! Da habe ich mir vorgenommen, auf jeden Fall wiederzukommen.

1. Chrissi glücklich bei Traumblick am Gipfel. 2. Beim Gipfelanstieg.


Eure Besteigung kam dann aber überraschend...

Wir wollten uns keinen Druck machen, daher haben wir nur wenig über unsere Pläne gesprochen. Caro hatte ja schon einen Versuch und wer Patagonien kennt, weiß, dass man allein auch wegen des Wetters nie weiß was geht...aber wir hatten Glück. Drei Tage nach meiner Ankunft bekamen wir das „go“ von Rolando Garibotti. Er kennt die Region wie seine Westentasche und war uns eine große Hilfe bei der Vorbereitung - vor allem in Hinsicht auf das instabile Wetter.

 

Und wie ist es euch ergangen?

Der Anfang war zäh. Bis zum Fuß des Cerro Torre waren es auf unserer Route schon fast zwei Tagesmärsche, die erste Nacht haben wir auf dem Inlandeis verbracht. Von dort führt die Route dann über Gletscher und felsiges (Kletter-)Gelände zum Col de la Esperanza und weiter zum Sockel des Elmo. Dort haben wir die Nacht vorm Gipfelanstieg verbracht (und zufällig Luka Lindic, Luka Krancj und Tadej Kriselj getroffen.) 

1. Bei Aufstieg zum Col de la Esperanza. 2. Nachtlager vor dem Gipfelanstieg.

Um vier in der Früh sind wir dann wieder los, in der Dunkelheit. Zum Glück kannte die Caro diesen Teil der Route noch, das machte die Orientierung leichter. Den Gipfel haben wir dann in Wechselführung erreicht, auch die schwierigen Passagen konnten wir beide frei klettern und punkten, das war echt cool. Das Gelände ist einzigartig, Tunnel, die berühmten Gipfeleispilze, Eis... und steil!

 

Starke Leistung, Gratulation! Wann wart ihr dann zurück in El Chaltén?

Oh, das hat gedauert. Der Abstieg hat´s in sich, wir mussten viele Sicherungen im Eis neu legen. Und zurück am Inlandeis war da der Wind. Wir waren deswegen gezwungen, über den Paso del Viento ausweichen, statt den gleichen Weg nehmen, den wir gekommen waren, über den Paso Marconi. Das hat uns viel Zeit und Kraft gekostet. Vom Gipfel bis zurück nach El Chaltén waren wir mit einer kurzen Schlafeinheit und Pause am Elmo 36 Stunden auf den Beinen...

 

Das ist was für die Psyche - gehen Mädels eigentlich anders Bergsteigen?

(lacht) Nein, ich weiß nicht, bei solchen Touren eigentlich nicht. Aber es ist schon cool, mit einem anderen Mädel unterwegs zu sein: Gleiche Kondition, jeder trägt gleich schwer, gleiche Pace. Und trotzdem hat jede ihre Stärken, die Caro ist zum Beispiel stark am Fels, ich bin eher der Mixed-Typ.

1. Nach dem Gipfelglück... 2. ...folgt ein beschwerlicher Abstieg.


Welches Material kannst du uns speziell nach dieser Tour empfehlen?

Wirklich toll bewährt haben sich die Petzl Speed Light Eisschrauben, super angenehm in puncto Gewicht. Einen tollen Dienst hat mir auch das Petzl Nomic Eisgerät erwiesen.

 

Danke, Chrissi, für das Gespräch und gute Besserung weiterhin – wir sind schon gespannt auf deine nächsten Ziele!