Laufschuhe zum Wandern? Lieber nicht!

    Du bist sportlich, gehst viel Laufen, hältst Dich fit und jetzt rufen die Berge? Klar, warum nicht - Bergwandern ist doch ein super Ausgleich und sorgt für ordentlich Kraft in den Beinen. Regenjacke ist da, Rucksack ist da, also ab in die Laufschuhe und rauf auf den Berg. Moment, stopp, da gibt es ein paar Punkte einzuwenden. Laufschuhe kommen im Gelände schnell an ihre Grenzen. Mach das also lieber nicht, wir sagen Dir auch gern warum.

    Kannst Du Laufschuhe zu Wandern anziehen?

    Grundsätzlich muss man unterscheiden: Gehst Du vorwiegend Strecke und bewegst Dich auf sicheren und guten Asphalt- oder Forstwegen, dann kannst Du natürlich mit Deinen Laufschuhen auch problemlos Strecke machen. Dafür sind sie ja da. Ob Du nun gehst oder läufst ist dem Schuh komplett gleich. Eine Ausnahme macht schweres Gepäck, auch damit solltest Du bereits auf einen Wanderschuh umsteigen. Der bietet mehr Stabilität wenn die Füße mehr tragen müssen.

    Welche Schuhe ziehst Du dann zum anspruchsvolleren Wandern an?

    Verlässt Du allerdings die sicheren Pfade und bewegst Dich auf schmalen, steilen Wegen, voller Wurzeln, Schotter und rutschiger Erde, ist für den Laufschuh Schluss. Ebenso im alpinen Gelände, wo mangelnde Trittsicherheit fatale Folgen hat. Hier benötigst Du einen Schuh mit fester Sohle, einem griffigen Rand und ausgeprägter Torsions- oder Verwindungssteifigkeit. Auch ein hoher Schaft ist spätestens im Geröll ein echtes Sicherheits-Plus.

    Der eine Schuh biegt, der andere geht einfach entspannt drüber.

    Warum brauchst Du eine feste Sohle?

    Laufschuhe sollen weich sein. Sie dämpfen den Aufprall auf harten Untergründen und schonen so die beanspruchten Gelenke wirkungsvoll. Genau da liegt aber die Crux auf dem Wanderweg. Durch den Schotter, Steine und die vielen Wurzeln liegt die Sohle selten ganz auf und punktuellen Druck kann der Laufschuh nicht ausgleichen. Die Sohle biegt sich in alle Richtungen und der Fuß ermüdet dadurch schneller, was auch das Verletzungsrisiko erhöht. Bei Wanderschuhen wird der Druck über einen größeren Bereich verteilt und Unebenheiten so problemlos ausgeglichen. Die Dämpfung ist härter, da der weichere Untergrund und niedrigeres Tempo die Gelenke deutlich weniger beanspruchen.

    Einfach auftreten und vertrauen oder sicher auf der Kante?

    Was bedeutet Torsionssteifigkeit?

    Unter Torsion versteht man die mechanischen Kräfte, die für die Verdrehung eines Körpers, in diesem Fall der Sohle oder dem gesamten Schuh führen. Kräfte, die bei einem Straßenlaufschuh kaum nötig sind. Im bergigen Gelände halten diese aber oft stundenlang an. Das ist natürlich eine enorme Beanspruchung für Fußsohle, Knöchel und Kniegelenke. Hier ist eine torsionssteife Sohle gefragt, die den Fuß unterstützt. Selbst ganz leichte Wanderschuhe haben hier schon mehr zu bieten, als ein Straßenlaufschuh.

    Aber neben der Sohle kann auch der restliche Schuh den Fuß unterstützen. Ein festeres Obermaterial, unterstützende und fixierende Partien, ein hoher Schaft und das meist ausgeklügelte Schnürsystem halten den gesamten Schuh in Form und entlasten die Gelenke spürbar.

    Ausgerutscht oder souverän gemeistert?

    Unterschiede beim Profil

    Spätestens bei rutschigem, lockerem Boden zeigen sich auch die Unterschiede im Profil. Das ist beim Laufschuh für größtmögliche Reibung und Auflagefläche ausgelegt, soll aber gleichzeitig in der Laufbewegung kaum Widerstand aufbauen. So werden feuchte Wurzeln und lockerer, abschüssiger Wald und Schotterboden direkt zur unfreiwilligen Rutschbahn. Auch hier ist das Profil (wenn auch nicht immer sofort ersichtlich) bei Wanderschuhen völlig anders aufgebaut. Viel Widerstand, harte Kanten und Schmutz tritt sich selbst in der Bewegung wieder aus den Rillen und Vertiefungen. Auch der Sohlenrand lässt sich bereits bei leichten Appoachschuhen zuverlässig einsetzen und weist stabile Kanten auf. Die unterstützen beim Queren von steilen Hängen und kurzen Kletterpassagen. Auch auf Klettersteigen lassen sie sich gut einsetzen.

    Stabil ist nur einer.

    Aber Trailrunningschuhe kann man doch zum Wandern anziehen?

    Trailrunningschuhe weisen schon einige Eigenschaften leichter Wanderschuhe auf. Sie sind mit besserem Profil ausgestattet, meist fester und weniger gedämpft. Auch in Sachen Torsionssteifigkeit können viele Modelle mithalten. Mit stabilen Gelenken lässt sich damit sicher einiges bewerkstelligen. Lediglich leichtes Gepäck vorausgesetzt.

    Bei regelmäßigen Touren in höheren Lagen werden dennoch stabile Trekkingschuhe die bequemere und vor allem haltbarere Variante sein. Trailschuhe haben selten ein geschütztes Obermaterial oder Gummiränder an den Seiten. Geröll wird diese Schuhe schnell an ihre Grenze bringen. Ebenso wirst Du hier im Steilgelände den Kantengrip vermissen, ganz zu schweigen von einem höheren Schaft um die Knöchel.

    Im Großen und Ganzen bleibt zu sagen, ein Laufschuh ist einfach ein Laufschuh: Stark auf der Straße oder guten Wegen. Für alles andere ist ein - je nach Einsatz - leichter bis stabiler Wander- oder Bergschuh die weitaus bessere Alternative, die Dich sicher über den Berg bringt. Verletzungen kann es immer geben, aber „ausgerutscht“ oder „umgeknickt“ ist ein vermeidbarer Grund.

    Für alle, die gern laufen: >> Laufschuhe

    Für alle, die gern wandern: >> Berg- und Wanderschuhe 

    Diese Beiträge könnten dich auch noch interessieren


    Das Sporthaus Schuster ist ein echtes Münchner Original. Fest verwurzelt am Marienplatz in München und in der alpinen Tradition. Es steht für Leidenschaft, Bergsportkompetenz und Menschen, die sich mit dem Familienunternehmen identifizieren. Kurz: für das Schuster-Wir-Gefühl seit 1913.