Klettern über dem Wasserfall


Simone ist langjährige Mitarbeiterin bei uns im Sporthaus und von allem begeistert, was irgendwie sportlich und vertikal ist. Diese Begeisterung ist spür- und sichtbar, daher zierte sie schon etliche Seiten in unserem Schuster-Katalog, ganz zu schweigen von Plakaten, Hausbannern und und und… Mit Max, unserem Ansprechpartner in Sachen DAV war sie im Ötztal unterwegs und hat sich Tal, Klettersteige und Klettergärten dort näher angesehen.

Der Lehner Wasserfall Klettersteig zählt zu den schönsten Klettersteigen Tirols. Selbst für einen Tagesausflug lohnt sich die Anfahrt von München ins österreichische Ötztal, das viele hauptsächlich mit den bekannten Wintersportorten Obergurgl oder Hochgurgl, und allen voran natürlich dem Ski-und Partyort Sölden in Verbindung bringen.

Das Ötztal im Allgemeinen

Im längsten Seitental des Inns befinden sich 250 Dreitausender, von denen gleich Drei im Skigebiet Sölden mit modernsten Liftanlagen erschlossen wurden, und dem kleinen Dorf somit zu einem der Winter “Hot Spots“ der Alpen verhalfen.
Im Herbst liegt die wunderschöne Bergregion im Vergleich dazu im Dornröschenschlaf, obwohl es doch so viele landschaftliche Besonderheiten zu bieten hat.

Durch die Lage im Regenschatten der Alpen ist das 65 km lange Tal eines der trockensten Gebiete des Alpenraums. Der Tschirgant, ein 2370m hoher Berg bei Imst, schützt es weitgehend vor kalten Nordwinden, und die Südwinde erwärmen sich beim Überqueren der Berghänge, so dass das Ötztal von einem ungewöhnlich milden Klima geprägt wird. Hier gedeihen sogar Weinreben und Edelkastanien.

In den höheren Regionen oberhalb der Baumgrenze wachsen auch im Ötztal irgendwann nur noch Flechten, eine Mischung aus Alge und Pilz. Sie siedeln auf bloßem Gestein und wachsen nur Bruchteile von Millimetern im Jahr. Flechten überstehen tiefste Temperaturen und größte Hitze… und sorgen dafür, dass die Ötztaler Gneis- und Granitberge bis in die Gipfelregionen bunt leuchten, vor allem im Herbst.

1. Im Herbst wird's bunt, in den Höhenlagen.

Der Klettersteig

Unser Ziel heute ist jedoch nicht das Hochgebirge, sondern der talnahe Jubiläumsklettersteig Lehner Wasserfall. Nachdem wir von der B 186 nach der Ortstafel rechts in Richtung „Ötztaler Heimatmuseum“ abgebogen sind, parken wir nach der Fahrt durch Winklern und Unterried direkt in Lehn am Museum.
Hier beginnt ein rot markierter Weg, welcher an Kreuzweg-Stationen vorbei in den Wald führt. Nachdem wir eine Kapelle passiert haben, kommen wir über Stufen zu einer Hängebrücke. Wir überqueren die Brücke und folgen dem Pfad bis zum Einstieg.

Währenddessen löst sich der morgendliche Herbstnebel, der das Tal in eine mystische Atmosphäre taucht, langsam auf. Und damit auch unsere andächtige Stimmung beim kurzen Zustieg. Als uns die ersten Sonnenstrahlen erwärmen, und wir den spektakulären Wasserfall die Wand hinunterstürzen sehen, bekommen wir richtig Lust aufs Klettern.Der Lehner Wasserfall besteht als Klettersteig aus mehreren Varianten, die für jeden etwas Spannendes bietet.

Die traditionelle Route ist perfekt mit angenehm zu greifendem, dickem Stahlseil, Felsankern und geriffelten Trittbügeln modern gebaut.
Damit ist der Klettersteig für Anfänger geeignet.

Die Einstiegswand ist trotzdem eine erste, kleine Herausforderung und somit eine „Eignungsprüfung“. Mal steil, und dann abwechslungsreich ausgesetzt in einem langen Quergang, klettert man weiter nach oben, immer über dem rauschenden Bach und meist den tosenden Wasserfall vor Augen.

Die Normalvariante ist sportlich mittel schwierig – meist zwischen C und D.
In der Variante 2 klettert man die Normalvariante mit dem kurzen Überhang, bei dem es kurz aber heftig mit D/E zur Sache geht.
Die Schlüsselstelle kann jedoch links umgangen werden und bewegt sich dort im machbaren B Bereich.
Variante 3 ist den Könnern vorbehalten. In der Wasserfallroute sind etliche Meter abdrängend, kraftintensiv und somit der Klettersteigschwierigkeit D/E zuzuordnen.
Zum Abschluss gelangt man nach ca. 2 Stunden über zahlreiche Klammern zum Ausstieg. Von dort geht es nach links auf dem Pfad zum Forstweg hinauf.


Wir bleiben oben sitzen und genießen den Blick auf die gegenüberliegenden schon schneebedeckten Gipfel.
Erstmal gemütlich Brotzeit !
Wir haben alle Zeit der Welt.
Der halbstündige Abstieg über den Forstweg durch den Wald kann noch warten.

Während wir die Sonnenstrahlen in uns aufsaugen, entscheiden wir uns dazu, anschließend noch im nahegelegenen Klettergarten Oberried zum Sportklettern zu gehen.
Jetzt wo wir so schön warm geklettert sind...


Nützliche Tipps:

AUSRÜSTUNG

Kletterhelm
Klettergurt mit Klettersteigset
Klettersteig-Handschuhe
Berg- Wanderschuhe
Für den Sportklettersteig ist ein kleiner Rucksack ausreichend. Ein Wetterschutz ist angeraten. Es ist oft recht windig.

BESTE JAHRESZEIT
Mai - Oktober

KARTENMATERIAL
Alpenvereinskarte 30/5 Ötztaler Alpen - Geigenkamm, 1:25.000
Kompass WK 43 Ötztaler Alpen, 1:50.000, ISBN: 3-85491-049-5

Text: Simone Wegner
Fotos: DAV Sektion München Oberland / André Tappe