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    Lofoten - Fjorde, Berge und Mee(h)r

    Gefühlte 30 Grad Außentemperatur, die Sonne scheint, kein Wölkchen trübt den azurblauen Himmel, das Meer glitzert türkis Ich befinde mich 300 Kilometer nördlich des Polarkreises. Ein Witz? Das kann nur ein Witz sein, denn das gibt es nicht. Schließlich befinden wir uns in arktischen Regionen.

    Nach einem Monat auf der Inselkette der Lofoten, im Norden Norwegens, habe ich gelernt, dass es hier nichts gibt, was es nicht gibt. Als Norwegen-Fan habe ich schon oft von den endlosen, Karibik-artigen Sandstränden gehört, die es hier angeblich geben soll. Normalerweise versucht niemand, der einen Strand genießen will, diesen in Nord-Norwegen zu finden. Normalerweise - doch genau das ist mein Ziel. Für mich hörte sich das alles so paradiesisch, fast unwirklich an, dass es mir schwer fiel, den Erzählungen Glauben zu schenken. Also blieb mir nichts anderes übrig als hinzufahren und mich selbst davon zu überzeugen.

    Als mir bewusst wurde, dass das Gute doch nicht so nah liegt wie vermutet, trübte das meine anfängliche Euphorie ein wenig. Denn 3000 Kilometer sind dann doch ein ganz schönes Stück.
    Aber so schnell lässt man sich nicht einschüchtern, schließlich soll ja, wie man gehört hat, das Ziel die Mühe absolut wert sein. Somit ist die Vorfreude wieder zurück und nach 5 Tagen und knapp 3000 Kilometern auf Achse setze ich voller Erwartungen vom Festland mit der Fähre auf die Lofoten über. Als ich die Inseln erreiche, mache ich große Augen, denn ich sehe nichts. Rein gar nichts. Die besagten Bergketten, Strände und Buchten sind hinter einem dichten Schleier aus Nebel und Regen verborgen, wie ein Geheimnis, das bewahrt werden muss.

    Mit dem Wetter auf den Lofoten ist es wie im Lotto, meistens verlierst du.

    "Zwei Wochen Regen können schon mal drin sein.", berichten uns Einheimische. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, immerhin ist für morgen Regenpause angesagt. Unser Ziel ist der 442 Meter hohe Reinebringen, der Hausberg des kleinen Fischerdorfes Reine. Ein Hügel für alpine Verhältnisse, jedoch darf man nicht vergessen, dass hier immer auf Meereshöhe gestartet wird. Durch Sumpf und Wald zieht sich der steile Pfad wie eine Direttisssima direkt zum Gipfel hoch. Oben angekommen fällt mir die Kinnlade herunter. Ich habe es gefunden - das Paradies. Auf der einen Seite liegt das offene Nordmeer, auf der anderen Seite fällt der Blick auf Fjorde, die von Bergen eingekesselt sind und auf kleine, bewohnte Inseln. Aus der vom Wetterbericht vorhergesagten Regenpause wurde ein ausgewachsenes Schön- Wetter- Hoch.

    Der Erfolg dieses Tages treibt mich an, neue Ziele zu suchen, um jeden Winkel dieses Paradieses zu entdecken. Abwechslung ist hier garantiert, jede Tour hat ihren ganz eigenen Charme. Um die Traumstrände zu erleben muss man nicht lange suchen, schließlich gibt es an jeder Ecke mindestens einen davon. Ich nehmen mir vor eine kleine Halbinsel zu umrunden und mich abschließend im türkisen Meer zu erfrischen. Während der ganzen Wanderung freue ich mich darauf. Als ich den Strand von Uttakleiv endlich erreicht habe, laufe ich hochmotiviert ins Meer. Als das Wasser meine Füße erreicht, wird mir sofort klar, dass ich das mit dem Baden absolut vergessen kann. Bei 10 Grad Wassertemperatur macht das nämlich keinen Spaß. Selbst Norweger, die abgehärteter sind als ich, schwimmen hier nur im Neoprenanzug. Trotzdem genieße ich den Anblick und dass niemand sonst hier ist. Das ist keine Seltenheit auf den Lofoten. Meistens ist man einsam an kilometerlangen Stränden unterwegs. Ich dachte immer, die Fotos aus Reisekatalogen, können nicht real sein, doch jetzt hatte ich den Beweis dafür. Weißer Sand, so fein wie Staub, glasklares Wasser, das den blauen Himmel widerspiegelt. Diese Motive brauchen keine Bildbearbeitung, sie sind in Natura sogar noch eindrucksvoller. Neben endlosen Küstenwanderungen und anspruchsvollen Kletterrouten gibt es auf den Lofoten sogenannte "Sportberge". Charakteristisch für diese Berge sind der kurze aber knackige Aufstieg und der lohnenswerte Gipfelausblick.

    Der Glomtinden ist einer dieser Berge und hält was er verspricht. 20 Grad auf den Lofoten sind im arktischen Sommer, trotz frischer Brise vom Meer, wie 30 Grad in Bayern. Somit ist der Aufstieg wirklich anstrengend. Die Belohnung ist ein 360 Grad Panorama über die höchsten Berge der Insel bis zur Hauptstadt Svolvaer. Um jedes Abenteuer auf den Lofoten zu erleben, müsste man 24 Stunden aktiv sein. Theoretisch ist das möglich, denn die Sonne scheint hier im Sommer 24 Stunden lang. Praktisch ist das aber nicht umsetzbar, da man so viele Eindrücke an einem Tag sammelt, dass man abends totmüde ins Bett fällt und mit der Zeit die Sonne in der Nacht nicht mehr wahrnimmt. Doch kaum hat man sich an Dinge gewöhnt, wird man wieder herausgerissen. So verlasse ich die Lofoten mit übertroffenen Erwartungen, wundervollen Erlebnissen und 1000 geknipsten Fotos.

    Als ich wieder zu Hause bin, werde ich gefragt "Was sind die Lofoten eigentlich?".
    Bis heute habe ich keine eindeutige Antwort auf diese Frage. Das ist nicht nur eine Inselkette im Nordmeer, nicht nur Berge und Wasser. Die Lofoten sind der Inbegriff von Norwegens wilder Landschaft: steil zum Meer hinabfallende Felswände, einsame Buchten, malerische Fjorde und beschauliche Fischerdörfer. Beim Bergsteigen auf den Lofoten fühlt man sich erhaben und gleichzeitig ganz klein im Vergleich zur Mächtigkeit der Berge.

    Doch vor allem fühlt man sich frei. Lofoten sind Freiheit.

    Text und Bilder: Marianne Scheifl

    Interesse an Mariannes letztem Norwegen-Trip? Dann geht es hier zu"Im Licht des Nordens - Teil 1" und "Im Licht des Nordens - Teil 2"

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