MALTA – Inselkletterei zwischen den Jahren


Was tun, wenn die versprochene „Weiße Weihnacht“ mal wieder ausbleibt und die Wetterbedingungen auch sonstige alpine Vorhaben vermiesen? Ganz klar, man fliegt von Weihnachten bis Heilig Drei König mit 6 Freunden auf eine Mittelmeerinsel. Am 26.12.2016 ging es für unsere Mitarbeiterin Barbara Kessler auf nach Malta zum Klettern.

Nach 2 stündigem Flug und einstündiger Fahrt mit Mietauto und Fähre zur Nachbarinsel GOZO, bezogen wir unsere Residenz in in Nadur. Eine Villa mit 5 Schlafzimmern, Pool und insgesamt großzügiger Wohnraumgestaltung. Vom Wohnambiente beeindruckt, war nun jeder auch gespannt wie denn die Kletterei, die Insel, das Meer und die Leute hier ticken. Daher war nach dem Villabezug, die erste Amtshandlung „Essen gehen“ im dorfeigenen Sportspub.
Da die Insel lange zu Großbritannien gehörte sprechen alle Malteser hervorragendes Englisch und haben auch Ihre Essgewohnheiten ein wenig an die Inselbewohner im Atlantik angepasst, was uns nicht ganz so mundete. Jedoch fanden wir auf dem Heimweg noch die kleine (Pizza-) Bäckerei Mehrens Bakery und annektierten diese für den restlichen Urlaub.

1. Fährfahrt mit Trainingseffekt 2. Gozo

Am nächsten Tag ging es dann endlich los. Klettern in der San Blas Bay. Dem nächstgelegenen Klettergebiet. Ein absoluter Glücksgriff, wie sich nach anfänglicher Wegfindungsschwierigkeit herausstellen sollte. Neben 30m Routen am Tower of Power in der Schwierigkeit 6a+ bis 8a gab es hier auch Leichteres. Wie zum Beispiel am Lower Sopu Tower, wo wir uns erst mal akklimatisierten und an den Fels gewöhnen konnten. Die Bedingungen waren perfekt, Sonnenschein 14 °C, ein leichter Wind, blühende Schlüsselblumen und Meeresblick. Ein Paradies. Als wir unseren ersten Klettertag nach 6 Routen und unzähligen Ausrufen wie „ Hofi, du musst die Tour machen, die ist total geil“ oder, „ Wow, krass ist der Fels rau“ beendeten, wurden wir auch schon gleich aus dem Paradies vertrieben. Unser Mietwagen verlor Öl und davon nicht zu wenig. Diagnose: Die Ölablassschraube ist nicht ganz dicht. Ein Anruf bei der Autovermietung sollte die Sache kurzerhand regeln. Leider stelle sich diese quer. Ein persönlicher Besuch bei der Vermietung sollte sich als nicht sehr erfolgreich herausstellen und 5 Stunden, einem Polizeibericht und etlichen Telefonaten mit der deutschen Vermittlungsstelle später, hatten wir einen neuen Wagen und waren 1121€ ärmer. Dieser Tag war natürlich gelaufen, aber schon am folgenden konnte uns der Zwischenfall die Stimmung nicht weiter vermiesen und wir erkundeten ein neues Klettergebiet auf Gozo. Bereits bei der Anfahrt beeindruckte uns die riesige Kathedrale, die sich imposant aus der Landschaft erhob und uns den Weg zur erschlossenen Schlucht zeigte. Was wir vorfanden war grandios. Lochkletterei a lá Frankenjura, nur rauer. Überhängende 7a und 7b Kletterei so scharf wie frisch gewetzte Messer und 30m lange Genusskletterei im 6a Bereich. Ein Traum für Sportkletterer. Diese Glückssträhne sollte sich noch in den Klettergebieten Mgarr Ix Xini und Ghajn Abdul fortsetzten. Wir waren zurück im Paradies.

1. Bilderbuchkamin 2. Die ganze Gruppe auf einmal

Silvester stand vor der Tür und wie wir es von zu Hause gewohnt waren, wollten wir natürlich nicht auf das Feuerwerk zum Jahreswechsel verzichten. Leider sahen das die Malteser anders. Hier dürfen sich Hobbypyromanen an Weihnachten oder über das Jahr verteilt austoben, an Silvester wird jedoch ganz gesittet im adretten Anzug und eleganten Kleid essen gegangen und danach noch in einer Bar gefeiert. Darauf waren wir Kleidungstechnisch nicht vorbereitet und fielen in unserer Jeans ganz schön auf. Party haben wir dann trotzdem gemacht, im Hardrock Cafe in Paceville, wo wir mit den Einheimischen ausgelassen zu YMCA, Dancing in September, Sunshine in my pocket …, das Tanzbein schwangen.
Das neue Jahr startete auch gleich mit 20°C, Sonnenschein und einem weiteren Traumklettergebiet (Ghar Lapsi). Überhängende Höhlenkletterei an Sintern und Riesenhenkeln soweit das Auge reicht. An diesem Tag kletterten wir bis zum Umfallen. Leider war das Gebiet auf Malta selbst und nicht auf Gozo, sonst hätten wir mindestens noch einmal Hand angelegt.

Aber wir hatten auf unserer Insel auch noch etwas vor. Ein riesiges Felsentor, das im Norden Gozos‘ ins Meer ragt, sollte erklommen werden. Nachdem wir zunächst zum vermeintlichen Azure Window fuhren und uns ärgerten, dass dieses für Kletterer gesperrt war, fanden wir dann doch noch unseren Felspfeiler, der nicht Azure Window, sondern Wied il Mielah hieß.
An diesem Tag war das Meer unruhig und die Wellen donnerten gegen die Steilklippen. Das Dröhnen, Poltern, die weiße Gischt, waren beeindruckend und zeigte uns, wie winzig und unbedeutend wir doch eigentlich sind. Nach längerer Diskussion, ob und wie wir uns nun zu diesem gewaltigen Element abseilen sollten, ergriffen Markus und Babsi die Initiative.
Eine gute Entscheidung. Es war genial. Unten am Band, ca. 5m über dem Wasser, wurde man zwar immer wieder etwas von der Gisch erwischt, konnte aber perfekt stehen und mit einem zweiten Seil, den Vorsteiger sichern. Der Fels war so rau, dass trotz einsetzendem Regen perfekt weiter geklettert werden konnte.

Wied il Mielah
Wied il Mielah


Insgesamt betrachtet war dies das Highlight des Urlaubs und ein perfekter Abschluss. Denn am Tag darauf ging es schon wieder zurück ins kalte München, wo uns Temperaturen von -15°C und 10 cm Neuschnee erwarteten.

Tipp:

Trotz relativ warmer Temperaturen sollte eine Daunen- oder andere Isolationsjacke mit im Gepäck sein, da der Wind oft sehr kalt ist.
  
Durch das Salzwasser korrodieren nicht lackierte Karabiner und Exen sehr stark, daher lieber die bunt-lackierten einpacken und nach einem Steilklippentag mit Süßwasser abwaschen!

Seil: Beim Klettern an der Steilküste ein Einfachseil hängen lassen, das Vorstiegsseil als Puppe mitnehmen.

...und immer daran denken: "No shooting in this area!"
...und immer daran denken: "No shooting in this area!"