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    Mount Elbrus - einer von sieben

    Schuster Kunde Benjamin Klose liebt das Bergsteigen. Diese Leidenschaft entwickelte sich auf einer vierwöchigen Alpenüberquerung von München nach Venedig. Von dieser Tour schwer beeindruckt fasste er den Entschluss, als nächstes die 7 Summits der Alpen (den jeweils höchsten Gipfel jedes Alpenlandes) zu besteigen. Mit jedem dieser Gipfel wuchsen Erfahrung und Begeisterung für die hochalpine Bergwelt. Nun kam Benjamin vom Mount Elbrus zurück und hat uns seine Erlebnisse mitgebracht.
    Elbrus-Kaukasus-Gipfel
    Oben und glücklich!

    Die 7 Summits – einmal überall ganz oben
    Der Mount Elbrus im Kaukasus, an der Grenze zu Georgien, ist mit 5.642m Höhe der höchste Gipfel Europas und somit Teil von Benjamins aktuellem, ambitionierten Projekt. Er hat sich kein geringeres Ziel als die berühmten 7 Summits gesetzt – die höchsten Gipfel aller 7 Kontinente.
    Um sich auf das Ganze optimal vorzubereiten wurde ein professionell geleitetes Höhentraining absolviert und regelmäßiges Ausdauertraining steht natürlich für das gesamte Vorhaben auf dem Pflichtprogramm.

    Während der Besteigung hat Benjamin Tagebuch geführt. Und das gibt's hier:

    Elbrus-Kaukasus
    Anreise durchs malerische Hinterland.

    Anreise, Ankunft und letzte Vorbereitungen
    Am 30.04.18 flog ich von München via Moskau nach Mineralnye Vody, im Süden Russlands. Dort traf ich auf meinen Bergführer und das restliche Team, das aus 8 Russen, 1 Brasilianer und mir bestand.
    Nach einer 3-stündigen wilden Busfahrt durch’s Baksan-Tal erreichten wir unseren Talort Terskol auf einer Höhe von 2.129 m, am Fuße des Kaukasusgebirges. Der Ort lebt ausschließlich vom Berg- und Skitourismus.
    Unsere Unterkunft war erstaunlich komfortabel und sauber. Auch die Verpflegung war in Ordnung, auf gesundes und vitales Essen wurde Wert gelegt, da die internationale Bergsteigerszene hier ganzjährig absteigt. Ein sympathischer Bergführer Namens Evgeniy stimmte uns auf die kommende Herausforderung ein. Für diejenigen, deren Ausrüstung den Anforderungen nicht entsprach, bestand die Möglichkeit, in einem gut-ausgestatteten Bergsteiger-Shop sämtliche Teile auszuleihen. Ich benötigte noch einen bis zu -30 ° C tauglichen Schlafsack.

    02. Mai – erste Eingehtour
    Start morgens um 7 Uhr. Nach einem soliden Frühstück ging es auf die erste Eingehtour, mit einem Anstieg auf 3.400Hm. Dafür waren wir ca. 7 Stunden unterwegs. Schnell zeichnete sich für die Bergführer ab, wie die Gruppe funktionierte und die Kondition der Einzelnen war.

    Elbrus-Kaukasus
    Noch war es frühlingshaft.

     
    03. Mai – Basecamp
    Aufstieg zum Basislager auf einer Höhe von 3.800Hm. Dort erwartete uns eine erste große Überraschung! Wir übernachteten nicht in den ultra-spartanischen Tonnen, die ich in einem Fernsehbericht gesehen hatte, sondern in einer gerade eröffneten Berghütte, die Platz für 250 Bergsteiger bietet. Allerdings hatten wir Glück, da wir zu den ersten Bergsteigern der Saison gehörten und daher nur eine kleine Gruppe waren.
    In der Hauptsaison wird hier wohl jeder Quadratmeter genutzt und die Besucher liegen überall auf dem Boden, sogar in der Küche. Ein einziges Klohäuschen, weit ab von der Hütte an einer steilen Felskante musste für alle reichen!!

    Elbrus-Kaukasus-Basecamp
    Wenn der Toilettengang zur Mutprobe wird...

    04. Mai – letztes Akklimatisieren
    Nach einer mehr oder weniger schlaflosen Nacht im Basislager, fand an diesem Tag unser letztes Akklimatisieren auf 4.800 Hm statt. Das Team spielte sich langsam aufeinander ein, auch wenn die Russen kein Wort Englisch sprachen. Mit Handzeichen klappte einiges….

    05. Mai – Ruhetag
    Der Rucksack war vollgestopft mit Powerbar-Riegeln und Energizern! Dazu ein hilfreicher Tipp: Heiße Gemüsebrühe in Thermoskannen! Warum das so wichtig wurde, erzähle ich Euch beim Gipfelaufstieg. Letzte Kontrolle aller Gegenstände. Stirnlampe, Trekkingstöcke, Steigeisen, alles lag bereit um nach Mitternacht ruckzuck startklar zu sein!!!

    Elbrus-Kaukasus
    Vorfreude.

    06. Mai – Der Gipfel wartet
    Kurz nach Mitternacht trafen wir uns zu einem energiereichen Snack. Alle waren mit sich beschäftigt und konzentrierten sich auf das was vor ihnen lag. Leider hatte das Wetter umgeschlagen. Als wir um 1 Uhr nachts aufbrachen, war es stockfinster, kein Stern zu sehen. Wir gingen schweigend Schritt für Schritt, nur mit dem Licht der Stirnlampen. Außer dem Geräusch der in den knirschenden Schnee greifenden Steigeisen und dem angestrengten Atmen der Bergfreunde war nichts zu hören.
    Bei Morgengrauen machten wir zum ersten Mal Halt. Wir hatten mittlerweile eine Höhe von ca. 5.000 m erreicht. Meinem brasilianischen Bergkameraden ging es zusehends schlechter. Er schwankte und verlor mehr und mehr den Anschluss an die Gruppe.
    Da ich die Verantwortung als Schlusslicht übernommen hatte, fiel mir sein Zustand bald auf. Er reagierte kaum auf meine Ansprache und versuchte sich hinzulegen. Genau das ist jedoch hochgefährlich. Die Temperaturen lagen inzwischen bei ca. -30 ° C. Jetzt war die heiße Gemüsebrühe die Rettung. Durch den Salzgehalt und die nötigen Elektrolyte kehrten seine Kräfte schnell wieder zurück.

    Elbrus-Kaukasus
    Heiße Brühe auf 5.000 Meter.

    Das Finale
    Nun bildeten wir eine Seilschaft, denn der längste und schwierigste Teil stand uns noch bevor.
    Wir sahen absolut nichts, es war dichtester Nebel. Nur durch die Fähnchen konnten wir die ungefähre Aufstiegsroute halten. Es hatte frisch geschneit und keine Spuren halfen uns zur Orientierung. So ging es nun auf die Traverse über Stunden steil aufwärts. Die Luft wurde immer dünner. Wichtig ist es immer gleichmäßig und tief einzuatmen. Nach ca. 2,5 Stunden erreichten wir den Kessel zwischen dem Ost- und Westgipfel. Hier wurde der Nebel noch dichter. Da wir den Gipfel nicht sehen konnten, machte sich Frust breit. Wir mussten uns gegenseitig sehr motivieren um den nächsten großen Anstieg anzugehen.
    Es lagen noch 1,5 Stunden Aufstieg vor uns. Irgendwann aber gab der Bergführer ein Signal, dass wir den Gipfel in wenigen Minuten erreichen würden. Nochmal alle Kräfte mobilisieren!!! Und dann waren wir am Ziel!
    Den Gipfel des Mount Elbrus markiert ein Felsbrocken mit einer Plakette.
    Endlich! ES WAR GESCHAFFT! Wir konnten es kaum fassen.

    Nach kurzem Beglückwünschen machten wir uns an den Abstieg. Hier oben herrschten Temperaturen von -30 ° bis -40 ° C. Es war also keine Zeit zu verlieren. Auch jetzt durfte die Konzentration nicht nachlassen. Jeder Schritt musste sitzen! Für den Abstieg brauchten wir bei weiter dichtem Nebel gute 6 Stunden.
    Mein erster Gipfelsieg der 7 Welt-Summits war erreicht!

    Zurück im Basislager hieß es: NASTROVJE und die Zertifikate über den Gipfelanstieg wurden uns überreicht.

    Text und alle Bilder © Benjamin Klose

    Auch Hochtouren-begeistert? >> Alles zum Thema Klettern und Bergsteigen gibt's hier.

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