Norwegen: Der Schuster in den Lyngen Alps

 
Wir haben einen der schönsten Arbeitsplätze überhaupt hier mitten im Herzen von München – umgeben von den besten Sportprodukten, die es auf dem Markt gibt. Aber ab und an zieht es auch uns hinaus. Schon alleine deshalb, weil wir Praktiker sind und unseren Sport recht fanatisch leben. Und manchmal gibt es ein Zuckerl und wir verreisen mit Auftrag... Wie zum Beispiel Thomas Wagner, der bei uns u.a. den Ski-Einkauf regelt. Er wurde zum Skitouren-Shooting für unseren Schuster Katalog in den Norden Norwegens geschickt. Hier berichtet er über das „Ende der Welt-Feeling“, Abfahrten bis ans Meer und dichtes Schneetreiben.
 

Schneesturm auf nordisch



Foto: Klaus Fengler
Foto: Klaus Fengler


Thomas, wie kommt´s, dass Du nach Norwegen fahren durftest?

Das war für unsere Katalogproduktion. Wir sind sehr stolz auf den Schuster Katalog, weil er etwas besonderes ist. Das zeigt sich unter anderem auch in den Bildern. Individuell, sehr emotional – eben so, dass sie jeder Sportler nachempfinden kann. Und wir setzen generell in unseren Kampagnen die Schuster-Mannschaft auch vor der Kamera ein. Im Sommer waren meine Kollegen großflächig in ganz München zu sehen. Aber eben beim Sporteln und nicht auf der Verkaufsfläche im Hause...


Aber Norwegen war schon ein starkes Erlebnis, oder?

Absolut. Wir waren in den Lyngen Alps. Das ist nicht einfach Norwegen. Das ist Nordnorwegen. Sie liegen auf einer Halbinsel etwa 300 Kilometer nördlich des Polarkreises. Es ist wunderschön dort und dich nimmt dieses Gefühl der Unberührtheit sofort ein. Der Kontrast zu dem Auflauf an Tourengehern bei uns in den Münchner Hausbergen ist schon immens. Diese Einsamkeit, ein paar wenige Hütten in einer für uns ganz anderen Landschaft mit den blauen Fjorden...


Es braucht aber auch eine Weile bis man dort ankommt. Die A8 habt Ihr nicht genommen.

Nein. Auf den Straßen dort war deutlich weniger los. Allerdings kann ich das nicht sicher sagen, weil wir nichts gesehen haben.


Was meinst Du? 

Bei unserer Hinfahrt war so ein Schneesturm – wir haben null gesehen. Wir sind einfach nur geradeaus gefahren. Immer nur geradeaus. Und dann ist die Fähre nicht gegangen und wir mussten um die Halbinsel fahren. Und dann, ca. eine Stunde vor Ziel, liegt da ein Schlagbaum quer... Die Straße war wegen Lawinengefahr gesperrt.

Thomas im Zwielicht. Foto: Oliver Jaura
Thomas im Zwielicht. Foto: Oliver Jaura


Klingt nach einer Odyssee. Und dann?

Es ging einfach nicht weiter. Eine Frau aus dem Dorf sammelte uns zufällig auf und brachte uns in einer Fischerstube unter. Es war schon wirklich spät, aber sie schleppte noch extra Matratzen an. Schlafsäcke hatten wir ja dabei.


In einer Fischerstube...

Genau. Am nächsten Tag ging es dann weiter. Unsere Unterkunft war im Grunde auch ein Fischerhaus. Dort am Talende gibt es nur Fischer. Im Winter vermieten sie ihre Häuser dann an Skitourengeher. Dort haben wir uns eingenistet, haben gekocht, geratscht, geplant.


Und von dort aus ging es direkt auf Tour?

Wir fuhren meist noch ein Stück, spähten einen Berg aus und haben einfach aufgefellt. Es war sehr windverblasen und wir mussten natürlich immer die Schneesituation beobachten und die Tour der Lawinengefahr anpassen.
Aber ein außergewöhnliches Erlebnis, oder?
Es gab einen Moment, den werde ich ganz sicher nicht vergessen. Eine Abfahrt in der Abendsonne von einem Gipfel mit vielleicht 1.400 m hinab bis auf 0 m direkt auf das Meer zu. Die Sonne hat sich im Meer gespiegelt und du kannst nur Juhu schreien. Das war ein absolutes Highlight. Und wir haben tatsächlich in der letzten Nacht noch ein Polarlicht erlebt. Das war auch ein unglaubliches Schauspiel.


Also eine Reise wert?

Unbedingt! Gerade in Verbindung mit dem Tourengehen. Du hast das Gefühl, dass genau das das perfekte Einsatzgebiet für deine Ski ist. Mich würden jetzt vor allem die Lofoten reizen.

Und die Rückreise war dann entspannt, oder?

Nein, nicht wirklich. Die Fähre ging wieder nicht und wir haben unseren Flieger verpasst. Aber man lernt halt dazu. Ich weiß jetzt zum Beispiel auch, dass man in Oslo nicht einfach mal so naiv eine Runde Bier für die Kollegen schmeißt. Dass der Alkohol teuer ist, war mir klar, aber so sakrisch teuer...