„Ist ja nur zur Sicherheit!“



Unsere Kollegen erleben ja einiges, wenn es um das Thema Sicherheit geht. Aber es gibt Aussagen, da kriegt man unvermittelt so ein Kribbeln bis in die Zehenspitzen. Da sticht der Kopf und der Bauch krampft. Alle Alarmglocken läuten. Unsere Fachberater in der Bergsport-Hartware kennen das. Vor allem hören sie leider bei aller Aufklärung eines immer noch sehr häufig:
Es ist ja „nur“ zur Sicherheit.

Was ist nur zur Sicherheit? Das Stückerl Reepschnur um den Bauch, am Klettersteig? Das selbst gebastelte Klettersteigset? Das kurze Seil, um den Enkel am Grat im Falle eines Ausrutschers noch schnell festhalten zu können – mit den Händen –nach fünf Metern Sturz? Der Brustgurt als ausreichende Sicherung? Auch sehr beliebt, die 4-Zack Grödel für leichte Gletscherpassagen. Nur um ein paar Beispiele zu nennen.

Ganz ehrlich, da bekommen die Härtesten weiche Knie. Es ist einfach nicht die geringste Sicherheit, nur ein Zuckerl für den Kopf. Die Reepschnur wird im Ernstfall reißen, das „Klettersteigset“ das Kreuz oder die Rippen brechen, wenn es denn hält und der Enkel wiegt nach einem Sturz von nur einem Meter bereits so viel, das hält der stärkste Opa nicht! Ein Brustgurt zur Sturzsicherung existiert auf dem heutigen Markt schlichtweg nicht mehr, die erhältlichen Modelle gelten ausschließlich als Zusatzsicherung, die ein Umkippen nach hinten verhindern. In Verbindung mit einem Sitzgurt. Allein das bloße Hängen in dem Ding führt nach einiger Zeit zu Bewusstlosigkeit und sogar Tod durch fehlende Blutzufuhr. 

 Das machen wir schon immer so! 

Ach und die Grödel, die gibt genau so lange Halt, bis die ersten unerwarteten Passagen kommen. Wasserrinnen, Blankeis beim Auf- oder Abstieg oder kleine Spalten, die zu überqueren sind. Aber steckt man erst mal drin, dann ist eines wirklich sicher: SO kommt man da nicht raus und bei so viel Sicherheitsdenken sind hier sicherlich auch absolute Spezialisten in der Spaltenbergung unterwegs. Grödel sind und bleiben für Schnee und nicht für Gletscher.
„Das machen wir schon immer so!“ Erstes Argument. - Schön, Glück gehabt. „Mein Spezi kennt einen Bergführer, der sagt…“ - Nein, kennt er nicht und der sagt auch nicht und würde er sagen, dann wäre er seine Lizenz los. 


Bitte, liebe Spezialisten, schenkt den Kollegen auf der Fläche ein wenig Vertrauen, die kennen sich mit der Materie tatsächlich aus. Die wollen Euch keinen Sitzgurt „andrehen“, sondern bieten ihn an, weil ER das Sicherungsmittel der Wahl ist, nicht das Stück Strick um die Hüften. Man muss nicht alles wissen und gibt sich vor allem keine Blöße, weil man einmal falsch liegt. Es gehen so viele Menschen in die Berge und machen es richtig.


Und falls das mit dem Vertrauen schwer fällt – zwei Schritte weiter zur DAV-Servicestelle (ist direkt bei der Kletterabteilung), die werden das sicher bestätigen und haben auch die eine oder andere Geschichte auf Lager, was passieren kann, wenn man sich „Nur zur Sicherheit“ ausstattet. Den passenden Kurs gibt es dort auch.



Für ein gutes Gefühl – bei Euch und auch bei uns. Geht sicher in die Berge!