Ortovox - alles Wolle

Wolle - ein Alleskönner? Warum ist das so?


Swisswool, Merino Wool und Merino Cool – „Ist doch irgendwie alles das gleiche?“ Weit gefehlt. Ortovox baut seit Ende der Achtziger auf den Alleskönner Wolle und hat es sich zur Profession gemacht, die richtige Wolle für den richtigen Zweck zu nutzen. Mit Stefan Krause, Head of Product bei Ortovox, wurden wir zu Faserexperten: Er erklärte uns, was es mit den unterschiedlichen Fasern und deren Herkunft auf sich hat. Und wie man die Wolle wirklich richtig wäscht, das verriet er uns auch.

Servus Stefan. Du kennst dich aus mit Wolle. Seit zwei Jahren sagst du in der Textil-Produktentwicklung bei Ortovox wo es lang geht – wo siehst du Ortovox heute in Sachen Wolle?

Die Ursprünge von Ortovox liegen bekanntermaßen in der Sicherheitstechnik im Wintersport. Mitte der Achtziger entwickelten zwei Technikstudenten ein LVS-Gerät, das die bis dahin unterschiedlichen Frequenzen der Geräte der Österreicher und Schweizer kombinierte. Weniger bekannt ist vielleicht, dass Ortovox bereits 1989 mit  Funktionswäsche aus Wolle an den Markt ging. Damals war die Wolle aber noch weniger fein und das Design kein Vergleich zu heute.

Worin unterscheidet ihr Euch von anderen Marken?

Wir sind eine junge Marke – gerade das gibt uns die Möglichkeit Funktion und freches Design zu verbinden. Unsere Zielgruppe ist jung im Lebensgefühl, dabei sind unsere Produkte nicht billig. Wir haben aber die Erfahrung gemacht, das gerade junge Leute unsere Produkte ausprobieren und weil sie merken, dass es funktioniert, dann lieber nur ein Teil kaufen, anstatt drei Teile, die nach einer Saison fertig sind.

Das heißt, ihr setzt neben Design ganz wesentlich auf Qualität. Was ist zum Beispiel Swisswool – was muss ich wissen, außer dass die Wolle logischerweise aus der Schweiz kommt?

Swisswool ist eine Initiative, die sich zur Aufgabe gesetzt hat, das regionale Bergbauerntum zu fördern und zu erhalten. Dazu gehört, den Bauern eine Möglichkeit zu bieten, trotz kleiner Betriebe ihre Wolle zu fairen Konditionen abzugeben. In zahlreichen Schweizer Tälern gibt es inzwischen mehr als 22 Sammelstellen. Die gesammelte Wolle wird für Ortovox in Bayern weiterverarbeitet, die Zusammenarbeit mit Swisswool besteht bereits seit fünf Jahren.

1. Schweizer Schafe im Alpinen. 2. Man würde am liebsten gleich mit laufen!

Was ist denn der Unterschied zwischen Swisswool und Merinowolle?

Die Qualität und Beschaffenheit der Wollfaser hängt nicht nur von der Schafrasse ab, sondern auch von Klima und Ernährung. Die Schweizer Bergschafe liefern durch ihre härteren Lebensbedingungen mit großen Temperaturunterschieden eine von Haus aus dicke und weniger stark gekräuselte Wolle. Unsere Merinowolle beziehen wir von Merinoschafen vor allem aus Tasmanien, dort ist das Klima feuchter, aber weitaus milder und ausgeglichener. Swisswool ist viel robuster und z. T. fast doppelt so dick wie feine Merinowolle und wäre dadurch auch kratzig auf der Haut. Aber durch die Robustheit der Faser eignet sich Swisswool zu Wollvlies verarbeitet bestens als Isolation, und wird bei uns beispielsweise in unterschiedlichen Gewichtsklassen als Alternative zur Daune eingearbeitet.

1. Schaf auf Tasmanien sollte man sein... 2. ...oder???

Wolle ist feuchtigkeits- und temperaturregulierend und neutralisiert außerdem Gerüche. Ein Alleskönner? Warum ist das so?

Das liegt an der hochkomplexen Struktur der Wollfaser. Wolle besteht aus Proteinen mit ca. 20 verschiedenen Aminosäuren. Somit beinhaltet ein typisches Wollmolekül bis zu 10 hoch 40 (also eine 1 mit 40 Nullen) verschiedene Kombinationsmöglichkeiten und Seitengruppen! Dadurch gibt es unglaublich viele verschiedenartige Bausteine, an denen zum Beispiel Geruchsmoleküle an die Wollfaser andocken können - aber z. B. durch intensives Lüften oder achtsames Waschen auch wieder abgegeben werden.

Zusätzlich haben Wollfasern eine Schuppenstruktur, die von Natur aus wasserabweisend wirkt, weil sie das Wasser abperlen lässt. In Dampfform kann die Faser allerdings bis zu 35% ihres Eigengewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich feucht anzufühlen. Und wenn sie mal „nass“ ist, kann diese „natürliche Klimaanlage“ trotzdem noch wärmen, da trotz Feuchtigkeit die Lufteinschlüsse, die die Wolle zum Wärmen nutzt, nicht verloren gehen.

Wussten Sie außerdem, dass der optimale pH-Wert der Wolle bei 4,9 liegt, und damit für unsere menschliche Haut „pH-neutral“ist!?

Was ist dein Lieblingsteil für die neue Saison?

Diese Teile sind superleicht, sehr angenehm zu tragen und wärmen sehr gut:

Gewusst wie: Gibt es die perfekte Waschanleitung für Merinowolle?

Zunächst sollte man wissen, dass speziell die Merinofaser fein und stark gekräuselt ist. Das heißt, dass sie schneller als andere Fasern zum Filzen neigt – die drei Faktoren, die den Filzprozess beeinflussen, sind Feuchtigkeit, Temperatur und Mechanik.

Generell ist für die Wolle wichtig: nicht zu heiß waschen, am besten bei 30 Grad. Außerdem sollte man die Wolle im Wollwaschgang waschen, wo sie nicht zu sehr bewegt wird. Denn gerade in Kombination mit Seife rutschen die Fasern durch die mechanische Bewegung des Waschgangs noch leichter ineinander und verfilzen schneller.

Alle Wollteile sollten immer mit speziellem Wollwaschmittel, und nicht mit Funktionswaschmittel oder dergleichen gewaschen werden. Je weniger Zusatzstoffe im Waschmittel, desto besser. Wichtig ist auch, keine Weichmacher oder Bleichmittel zu verwenden. Trocknen lässt man Wolle im Idealfall liegend, der Trockner ist tabu.

Generell gilt: Lieber einmal mehr an die frische Luft hängen und auslüften, anstatt zu waschen – darüber freut sich vor allem Merinowolle.

Was macht Ortovox heute für dich aus?

Ich bin jetzt seit drei Jahren bei Ortovox. Beruflich habe ich mich aber schon seit meiner Diplomarbeit vor 25 Jahren mit Wolle beschäftigt. In meinem Job heute verbinde ich das Thema Wolle mit Funktion – als passionierter Sportler interessiert mich das auch privat. Samstags und Sonntags kann ich das ausprobieren und testen, woran unser junges, sportbegeistertes Team Montag bis Freitag arbeitet. Das macht besonders Spaß!

Lieber Stephan, vielen Dank für das interessante Gespräch.