Ortovox Avabag – Lawinenairbag 3.0

Auf der ISPO 2016 präsentierte der bayrische Bergsport-Spezialist Ortovox eine ganz besondere Neuheit: den AVABAG, ein komplett neues Lawinenairbag-System, eines der leichtesten am Markt. Ob der AVABAG diesem und anderen Superlativen gerecht wird, haben wir für Sie im vergangenen Frühjahr in Aktion getestet.

Nein, natürlich nicht im Extrem – das Worst-Case-Szenario würde dann doch den Test-Rahmen sprengen. Dafür haben wir die zwei Varianten des AVABAGs, den Skitourenrucksack „Ascent“ und den „Free Rider“, unterwegs am Berg auf Herz und Nieren getestet.
Eines gleich vorweg: Der AVABAG überzeugt auf ganzer Linie!


Eine ganz andere Nummer

Schon bevor es überhaupt los ging, fielen zwei wesentliche Punkte auf: Reduziertes Design und reduziertes Gewicht, und zwar spürbar! Das neue Lawinenairbagsystem wiegt nur 690 Gramm bei einem Gesamtgewicht des Rucksacks von 1650 Gramm. Das liegt zum einen an den verarbeiteten Materialien, zum anderen am Fokus auf das Wesentliche. Hier ist kein Fach oder Applikation zu viel – entsprechend hält auch die jeweilige Volumenangabe des Rucksacks was sie verspricht.

Er sitzt

Beide Varianten des AVABAGS bieten ein angenehmes Tragegefühl in bekannter Ortovox-Manier. Dabei baut Ortovox die beiden Modelle nicht getrennt für Frauen und Männer, sondern Unisex jeweils mit einer „S(mall)“-Version der Standardgrößen mit 30 und 22 Litern (28 und 20 S). Dabei haben die kleineren Rucksäcke einen kürzeren Rücken, sind also für kleinere Personen. Der Free-Rider bietet auch sonst die bekannten Eigenschaften der klassischen Ortovox Free-Rider-Serie mit integriertem Rückenprotektor.

Technik

Die lange Entwicklungszeit hat sich gelohnt: Herausgekommen ist ein kleines und sehr leichtes Lawinenairbagsystem, bestehend aus Ballon (Monoairbag), Griff und Venturieinheit. Dabei funktioniert das System ohne Elektronik oder Pyrotechnik (wie bei ABS) und das System kann – wenn die Kartusche (beim AVABAG ausschließlich Carbon) nicht angeschraubt ist – mehrfach probeweise ausgelöst werden. Außerdem ist das System herausnehmbar und kompatibel mit allen AVABAG-Modellen.

Der Auslösegriff ist nur am linken Tragegurt des Rucksacks montierbar, dafür allerdings längenverstellbar. Nachdem man den Griff ohne Kartusche beliebig oft zur Übung ziehen kann war die Anbringung auf der linken Seite auch für die linkshändige Testerin kein Problem.
Nach einer Probeauslösung muss ein kleiner Stift, der im Ernstfall die Carbonkartusche für das Airbag öffnet, mit einem Schraub-Tool zurückgedreht werden. Der Schrauber wird in einer kleinen Deckeltasche verstaut, ihn gilt es nicht zu verlieren!


Einsatzbereich

Der AVABAG „Free-Rider“ eignet sich wie der Name schon sagt für Tagesausflüge ins Gelände, einschließlich kurzer Aufstiege. Praktisch: Er hat ein eigenes Fach für die Notfallausrüstung mit Schaufel und Sonde.

Für Tagesskitouren (oder auch mal zwei Tage im Frühjahr) ist der AVABAG „Ascent“ ein Pfund, in den Rucksack geht ordentlich was rein, auch Steigeisen hatten Platz. Sehr gut gelöst ist die Deckelklappe des Rucksacks, die sich seitlich rundrum öffnen lässt, so dass der „Ascent“ wie eine Tasche komplett aufklappbar ist. Auch gibt es eine Vorrichtung, um über den Rucksack ein Seil zu befestigen, ohne dabei den Auslösemechanismus oder das Auffalten des Airbags im Ernstfall zu behindern.

Trotz des optisch aufgeräumten Eindrucks bieten gut verstaubare Schlingen und Halterungen am Rucksack genug Möglichkeiten für Ski- oder Snowboardbefestigung, Rucksackverkleinerung, Helmfixierung oder Pickelhalterung. Es lohnt sich, den Rucksack genau unter die Lupe zu nehmen, nicht jedes Detail erschließt sich intuitiv, erfreut bei Durchblick dann aber umso mehr.

Fazit

Auch nach mehrfachem Einsatz blieb der Eindruck ungetrübt. Auf Grund der Skitourensaison und mangelnder Freeride-Tage kam vor allem der AVABAG „Ascent“ zum Einsatz und überzeugte auf ganzer Linie!


Die Tester

Wenn schon Test, dann g’scheid, finden wir und haben beide Varianten des Avabag von zwei erfahrenen Bergsportlern testen lassen: Benita Klingler ist langjährige Skilehrerin und Skitourengeherin vom Wilden Kaiser bis nach Grönland; Benno Keil ist Bergführer bei Mountain Elements und Autor von Skitouren-Führern.

Hausberg bis Hochalpin

Just als wir die Rucksäcke bekamen, neigte sich der Skitourenwinter mit großen Schritten seinem – ohnehin in der vergangenen Saison nicht allzu rühmlichen – Ende zu. Nur, um dann Ende April nochmal so richtig Fahrt auf zu nehmen. Nichts desto trotz, getestet wurde sowohl auf einer Hausbergskitour mit Freeride-Charakter in den bayrischen Alpen sowie auf Skitourenwoche mit Höhenmetern im Rauris und am Venediger.