Profession verpflichtet – Patagonia

Besuch beim kalifornischen Ausrüstungs-Profi Patagonia – (leider) nicht in Kalifornien, dafür aber im neuen Büro auf der Münchner Leopoldstrasse. Getroffen haben wir Laura Hoppe, Expertin in Sachen Marketing und Umwelt bei Patagonia Deutschland. Ein Gespräch über Vorbildrollen und Duct Tape, Umweltschutz und Sport - und über Leidenschaft.

1. Das Wesentliche im Blick: unsere Umwelt! 2. Expertin on Tour: Laura Hoppe unterwegs in der Schweiz 3. Es geht auch natürlich.

Servus Laura, schön habt ihr es hier in eurem neuen Büro. Bei euch hat sich strukturell einiges verändert, oder?

Ja, sehr. Neben unserem Europasitz werden gerade weitere Büros lokal auf- und ausgebaut, unsere Themenschwerpunkte im europäischen Kontext verstärkt und unser Team ist gewachsen. Das bringt uns tolle, neue Möglichkeiten.

So zum Beispiel auch deine neue Aufgabe, oder?

Genau. Ich bin schon seit 6 Jahren bei Patagonia, die Kombination der Aufgabenbereiche Marketing und Umwelt ist etwas ganz Neues. Im Marketing bei Patagonia bin ich schon länger zu Hause, das Thema Umweltschutz liegt mir persönlich sehr am Herzen, seit März diesen Jahres auch offiziell – mein persönlicher Traumjob.

1. Profis in jeder Hinsicht. 2. Natur pur, die Bio-Baumwolle.

Also, mal von vorn, was gehört denn in die Kategorie „Patagonia-Allgemeinwissen“?

Patagonia ist bis heute in Privatbesitz. Das ermöglicht Spielraum. Wir können uns Dinge trauen, etwas ausprobieren, wenn uns eine Idee packt. So war das zum Beispiel mit der Umstellung auf die Verwendung von Bio-Baumwolle vor bald 20 Jahren, eine Entscheidung, die zunächst völlig unökonomisch war. Was zählte, war die Überzeugung, der Wille, etwas anders zu machen. Unsere Produkte werden so umweltfreundlich wie möglich hergestellt. Und das Besondere: Seit 1985 spenden wir jährlich 1% unseres Gesamtumsatzes an Umweltschutzprojekte, wie so eine Art „Erdsteuer“. Seit 2002 holen wir auch andere ins Boot mit dem Unternehmensbündnis 1% for the Planet.

Wie funktioniert das mit der Unterstützung der Projekte? Könnt ihr sicherstellen, dass das Geld auch wirklich da ankommt, wo es hin soll?

Um Durchblick und Klarheit zu haben, treffen sich zweimal im Jahr Patagonia-Mitarbeiter aus ganz Europa zum sogenannten „Enviro-Council“. Da beraten wir, welche Projekte in den jeweiligen Ländern mit dem Umweltschutz-Budget unterstützt werden sollen. Für die Zuschüsse kann sich jedes noch so kleine Umweltschutz-Projekt bewerben, wichtig ist uns, dass eine Umweltschutzorganisation dahinter steht, wir einen genauen Eindruck des Projektes bekommen und ein klarer Plan mit erreichbaren Zielen vorliegt.

1. Vor der Ernte. 2. Ins Licht gerückt - erntereife Baumwollkapsel. 3. Luftiger Kopfsport.

Patagonia allein auf weiter Flur?

Nein, das entspräche auch nicht unseren Zielen. Bei Patagonia gibt es seit 2013 einen eigenen Fonds, der Unternehmen unterstützt, die in den Bereichen der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes forschen und ähnliche Ziele verfolgen wie wir. Beyond Surface Technologies in der Schweiz ist zum Beispiel so ein Unternehmen, die an der Behandlung von Textilien auf Basis natürlicher Rohstoffe entwickeln und forschen.

Was tut sich denn vor unserer bayrischen Haustüre? Euer Hauptsitz ist in Kalifornien, die großen, medienbekannten Kampagnen meistens gefühlt sehr weit weg...

Da gibt es viel, in den Alpen beispielsweise mangelt es überhaupt nicht an spannenden Projekten und Herausforderungen. Darin liegt auch meine Aufgabe, solche Projekte aufzuspüren, kennenzulernen und damit regionale Schwerpunkte zu setzen. Wir versuchen, den Projekten, die wir unterstützen ein Gesicht zu geben, oft sind auch unsere Athleten persönlich engagiert. In Bayern haben wir in der Vergangenheit schon mehrere Projekte erfolgreich unterstützt, es gibt aber noch viel Ausbaupotential...

Und wie spiegelt sich euer Umweltengagement in den Kollektionen wieder?

Neben der Verbindung zu den Umweltschutzprojekten setzen wir auch in der Produktion auf umweltfreundliche und nachhaltige Materialien. Unsere ist die Bio-Baumwolle, wir verwenden aber auch Hanf, recyceltes Nylon und Polyester und nachhaltig erzeugte Merinowolle aus Patagonien – das passt natürlich besonders gut (lacht). Und auch bei unseren Daunenprodukten überprüfen wir jeden Schritt in der Herkunft der Federn.

Und wenn mal was kaputt geht...?

... nicht verzagen, das geliebte Teil muss nicht gleich ausgetauscht werden. Auf alle unsere Produkte gibt es eine lebenslange Garantie. Wenn der Reißverschluss kaputt geht oder sich die Nähte auflösen, kann ich es bei unseren Händlern, so also auch bei Euch im Haus, oder auch direkt bei uns im Geschäft vorbeibringen. Wir haben einen Schneider vor Ort, Stoffe und Ersatzmaterial sind auf Lager, so dass wir (fast) alle Schäden innerhalb zwei Wochen reparieren können. Geflickt, geklebt, getaped, mit Patina und Geschichten versehen, trägt sich´s doch am Besten!

So ist´s richtig, wir sind schon gespannt auf die nächsten Projekte – vielen Dank, Laura! Übrigens: Unsere Service-Stelle finden Sie im Untergeschoss links bei uns in der Rosenstraße.   

Fotos: T. Davis & A. Burr © 2015 Patagonia, Inc.