Seven Summits der Alpen - Dufourspitze

    „Wer rastet, der rostet!“ - getreu diesem Motto geht es auch schon weiter mit der Reise von Maggy und Anja von You are an Adventure Story. Gestern noch auf dem Gran Paradiso (höchster Berg Italien‘s) gestanden, machen sie sich heute auf den höchsten Berg der Schweiz zu besteigen. Die Dufourspitze in den Walliser Alpen ist mit 4634m der höchste Gipfel des deutschen Sprachraums. Er thront als höchster Berg im Monte Rosa Massiv. Nach dem Mont Blanc (4810m) ist er der zweithöchste (oder je nach Definition auch dritthöchste) Gipfel der Alpen, doch die Anstiege sind deutlich schwieriger und länger als die des großen Bruders.

    Im Rahmen unseres „Seven European Summits“ Projektes und unseres Vorhabens, die „großen Drei“ in einer Woche zu besteigen, stehen wir am Ausgangspunkt für die Besteigung der Dufourspitze, die Haltestelle Rotenboden der Gornergrat Zahnradbahn. Da wir die Besteigung mit nur einer Übernachtung auf der Monte Rosa Hütte (2883m) planen, sind in weniger als 48 Stunden gut  2400 Höhenmeter im Auf- und Abstieg zu bewältigen. Währenddessen sind mehrere Gletscher zu queren und eine längere Strecke am Gipfelgrat zu klettern. Es handelt sich also um keine Feierabendtour.

    Gut akklimatisiert vom Vortag und bei erfreulicher Wetterprognose starten wir frohen Mutes zur technisch schwierigsten Tour unseres Projektes. Ein markierter Wanderweg an der Südflanke des Gornergrats führt uns allmählich hinab bis zum Gornergletscher. Auf dem Gletscher gehen wir mit Steigeisen bis zur Moräne des Grenzgletschers und von dort geht es dann noch einen kurzen steinigen Aufstieg zur neuen Monte Rosa Hütte. Vom auf 2883 Metern liegenden, futuristischen Neubau bis zum Gipfel sind noch einmal gut 1800 Höhenmeter zu überwinden – und hier wird die Luft schon dünner.

    Um 1:30 Uhr beginnt unser Gipfeltag. Eine lange und anstrengende Tour wartet auf uns und wir sollten gewisse Stellen beim Abstieg aufgrund aufweichender Schneebrücken frühzeitig passieren. Es besteht also etwas Zeitdruck. Ausgerüstet mit Stirnlampen, Steigeisen und Seil machen wir uns trotz bester Wetterprognose mit nur einer weiteren Vierer-Seilschaft auf den Weg. Diese lassen wir nach kürzester Zeit hinter uns und befinden uns nun in völliger Einsamkeit im Aufstieg zum höchsten Gipfel der Schweiz. Gut fünf Stunden dauert allein der Anstieg über den anspruchsvollen Gletscher zum Silbersattel (4517m). Von hier aus steigen wir nun in luftiger Grat-Kletterei die restlichen hundert Meter bis zum Gipfel. Mit Zwischensicherungen überwinden wir große eingeschneite Felsblöcke, was sich bei Wind und Kälte als gar nicht so ohne gestaltet.

    Eine Stunde später ist es geschafft, wir stehen am Gipfel der Dufourspitze und haben unser Tagesziel erreicht. Nur kurz verweilen wir am komplett eingeschneiten Gipfelkreuz, denn der Abstieg ist noch anstrengend und weit – und „Der Berg gehört dir erst, wenn du wieder unten bist.“ – und das Ganze sicher! Wir seilen uns das erste Stück vom felsigen Gipfelaufbau durch eine Rinne ab. Teilweise geht es dann durch sehr sulzigen Schnee, so dass wir an manchen Stellen hüfttief einbrechen, was den sowieso schon langen Abstieg noch mühseliger macht. Nach einem kurzen Zwischenstopp mit Kaffee und Kuchen in der Monte Rosa Hütte und der erneuten Querung des Gornergletschers, folgt als krönender Abstieg der scheinbar ewige Aufstieg übers „Usser Gornerli“ zurück nach Rotenboden. Nicht endend wollend zieht sich der Pfad stetig aufsteigend unterhalb des Gornergrates dahin. Müde, erschöpft und überwältigt zugleich geht dieser Tag und diese lange, aber wunderschöne Tour zuende. Für uns heißt es nun direkt auf zu (noch) höheren Zielen   - Mont Blanc, „Top of the Alps“ – wir kommen!

    Bericht und Fotos: Maggy und Anja