Seven Summits der Alpen - Gran Paradiso

Erst kürzlich standen Maggy und Anja von You are an Adventure Story auf dem höchsten Berg Österreichs, dem Großglockner. Nur eine Woche später geht ihre Reise bereits weiter ins Aostatal nach Italien. Etwas abseits vom Hauptkamm der Westalpen steht der Gran Paradiso - mit seinen 4061m der höchste Berg Italiens. Der Paradiso ist der dritte Gipfel, denn die beiden im Rahmen ihres Seven European Summits Projektes in Angriff nehmen.

Der Gran Paradiso gilt als einer der leicht zu besteigenden Viertausender und ist der erste Berg der – wie wir sie nennen – „großen Drei“ der Seven European Summits, gefolgt von der Dufourspitze (Schweiz) und dem Mont Blanc (Frankreich). Wir wollen alle drei Berge innerhalb einer Woche besteigen. Zum Einen aus Akklimatisierungsgründen, zum Anderen um die An- und Abreise aus München nur einmal auf uns nehmen zu müssen.

Unser Weg führt uns dieses Mal nicht über den Normalweg, das Rifugio Vittorio Emanuele II, sondern über die ebenfalls oft begangene und kaum schwierigere Route über das auf 2750 Metern liegende Rifugio Chabod. Ausgangspunkt der Besteigung ist der Parkplatz in Pavieux, einer kleinen Ortschaft oberhalb von Valsavarenche. Dort machen wir einen letzten Ausrüstungscheck mit unserem Guide Toni, der uns von nun an die komplette Woche begleiten wird. Der Weg führt uns am ersten Tag ca. 900 Höhenmetern bis zum Rifugio. Vom Tal aus überqueren wir einen Gebirgsfluss und steigen durch einen saftig grünen Nadelwald auf. Auf gut befestigten Wanderwegen gewinnen wir an Höhe und es geht weiter über einen geröllhaltigen Wiesenhang. Nach knapp 3 Stunden landschaftlich abwechslungsreichen Aufstieges, erreichen wir das Rifugio Chabod, unser Domizil für die Nacht und Ausgangspunkt für den Gipfelsturm am Folgetag. Nach einem italienischen Pasta-3-Gänge-Menu kehrt schnell Ruhe in der Hütte ein und wir versuchen ein wenig Schlaf zu bekommen, bevor der Wecker um 3 Uhr nachts klingelt. 

Mit einem schnellen Frühstück beginnt der Gipfeltag am Gran Paradiso. Auf steinigem Wege im Licht von Toni’s Stirnlampe, erreichen wir in knapp einer Stunde den Anseilpunkt am Fuße des Gletschers. Dort legen wir auch unsere Steigeisen an und genießen einen traumhaften Blick über das Mont-Blanc Massiv. Weiter geht es über den Gletscher in ausgiebigen Serpentinen auf den Sattel unterhalb des Gipfels auf etwa 3800 Metern. An dieser Stelle vereint sich der Weg vom Rifugio Chabod mit dem Normalweg und es wird deutlich "voller". Hier bekommen wir das erste Mal die wärmenden Strahlen der Sonne zu spüren. Der gesamte Aufstieg von der Chabodhütte bis hierhin befindet sich nämlich auf der Nordseite des Berges und somit im Schatten.

Von hier aus heißt es nun Endspurt auf den Gipfel. Extreme Windböen (bis zu 50 Knoten) erschweren uns die letzten Meter und wir kämpfen gegen die eisigen Winde an. Dabei versuchen wir ein immer gleichmäßiges Schritttempo beizubehalten, was gar nicht so einfach ist. Es folgt noch eine kurze, luftige Block-Kletterei (I - II) über die letzten Felsen, wobei das Zusammenspiel mit den anderen am Gipfel befindlichen Seilschaften eigentlich problemlos verläuft. Doch auch auf 4000 Meter Höhe gibt es, wie wir heute feststellen, noch ungeduldige Menschen... An den letzen Passagen sichert Toni unsere Seilschaft über zwei Karabiner am Fels. Unterhalb fällt der Berg steil ab und wir passen besonders auf unsere Tritte auf. Dann stehen wir auch schon neben der Gipfel-Madonna des Gran Paradiso auf dem höchsten Punkt Italiens! Wir sind überwältigt, genießen einen traumhaften Blick bei wolkenlosen Himmel und erfreuen uns unseres ersten Gipfelsieges der „großen Drei“.  Mit großen Schritten steigen wir bald über das Rifugio Chabod wieder ins Tal - es windet und wir haben heute noch die Autofahrt nach Zermatt vor uns.

Alles in Allem ist die Besteigung des Gran Paradiso eine lohnenswerte Tour und ein perfekter Viertausender für Einsteiger - aber für uns geht es nun auf zu "höheren Zielen", die Dufourspitze wartet!

Bericht und Fotos: Maggy und Anja