Skifahren lernen mit 30? Ja klar!


Skifahren ist in Bayern und dem Alpenraum Volkssport und Pflichtprogramm für Kinder zugleich und die meisten lernen es, kaum die ersten eigenen Schritte gemacht, bereits im jungen Kindesalter. Mutig und unerschocken steht man in diesem Alter „auf den Brettern“ und die Buckelpiste ist schnell eine Selbstverständlichkeit. Aber was tun, wenn man mit 30 das erste Mal auf Skiern steht. Kann man mit 30 noch Skifahren lernen? Maggy und Anja von „You are an Adventure Story“ stellen sich der Herausforderung und wollen diesen Winter vom Snowboard auf die Ski umsteigen – vom „Pistensitzer“ zum „Skihaserl„ sozusagen.

Wir wollen auch im Winter in die Berge und rauf auf die Gipfel, deswegen wollen wir Skifahren lernen. Skitouren gehen ist der Grund, warum wir uns mit 30 plötzlich auf die Bretter schwingen wollen. Dass man mittlerweile auch mit dem Splitboard komfortabel bergan und bergab kommt, haben wir zwar mittlerweile mitbekommen, aber trotzdem wollen wir dem „Mythos Skifahren“ eine Chance geben. Als Snowboarder sind wir mit dem Element Schnee glücklicherweise bereits vertraut und Worte wie Kanten und Schlepplift sind uns nicht fremd.
Der schneesichere Hintertuxer Gletscher soll unser erstes Übungsgelände sein. Hier kann man aufgrund der Höhenlage auch früh in der Saison schon gut fahren und das Tuxertal ist von München aus relativ zügig erreichbar. Auch wenn das Snowboardfahren für uns beide damals nach dem Motto „learning by doing“ abgelaufen ist und wir hier beide nie einen Kurs hatten, wollen wir das Skifahren etwas professioneller angehen. Am ersten Skitag begleiten uns daher zwei erfahrene Skilehrer auf die Piste.


Voller Vorfreude und bei strahlendem Sonnenschein treffen wir uns an der Talstation der Tuxer Bergbahn. Wir sind beide zum Glück relativ sportlich und mutig, daher geht es nach einem kurzen Crashkurs an der Bergstation der Gondel zum Thema Skier anziehen und Pflugfahren bereits mit dem Sessellift hoch auf den Gletscher. Wir haben sehr viel Wind, was es nicht unbedingt leichter macht, aber wir kämpfen uns die ersten Meter im „Pizzastil“ voran. Schnell können wir die ersten Pflugkurven fahren und es gibt, vor allem aufgrund des doch sehr starken Windes, auch die ersten harmlosen Stürze. Erstaunlicherweise fällt es uns trotz der schwierigen Bedingungen deutlich leichter als das Snowboardfahren zu Anfang. Da die Füße nicht nur an einem Brett festgeschnallt sind und man die Beine getrennt voneinander bewegen kann, ist man viel mobiler und hat viel mehr Möglichkeiten Bewegungsrichtung und Fehler auszugleichen. Auch die Stöcke finden wir sympathisch: Kleinere Hügel schiebt man sich einfach hoch und muss nicht wie mit dem Snowboard hüpfen oder gar abschnallen. Auch muss man in Pausen nicht auf der Piste sitzen und der Po bleibt trocken. Wir sind relativ schnell begeistert, auch wenn die vier Teile manchmal etwas umständlich sind und Maggy bei der ersten Liftfahrt schon fast einen Stock verliert.


Wir üben die richtige Haltung und die Abfahrtshocke und klemmen uns hierfür die Stöcke hinter Rücken und Nacken. Etwas holprig geht es in großen Kurven den Guides hinterher. Wir sollen im Grunde erst einmal drei Dinge: zum Kurvenfahren den neuen Talski belasten, in die Knie gehen und die Pizza machen, wenn wir nicht mehr bremsen können. Erstaunlicherweise genügen diese paar Angaben tatsächlich und wir kommen fahrend und nicht rutschend wieder am Lift an - die erste Piste ist geschafft. Wieder geht es mit dem Sessellift hinauf und wir versuchen nun immer den Bergski anzuheben und parallel zum Talski wieder abzusetzen, was zeitweise sogar schon ganz gut klappt – der erste Stepp zum Parallelschwung ist getan. Kaum haben wir das Gefühl etwas klappt, kommt aber auch schon die nächste Herausforderung. Nochmal dieselbe Piste zu fahren wäre ja langweilig, also versuchen wir es gleich ein Stück mit der roten Variante.

Hier geht es schon deutlich steiler zu und man bekommt ganz schön Geschwindigkeit. Wir schaffen es beide mit nur zweimal hinfallen wieder zum Lift und freuen uns riesig, dass es nach kaum einer Stunde bereits so gut klappt. Am Nachmittag üben wir noch etwas für uns selber auf der bekannten Piste und kommen auch ohne Tipps von außen schon ganz gut zurecht. Es macht einfach super viel Spaß und unsere Zweifel, ob wir das in unserem Alter noch lernen können, sind wie weggeblasen. Ja, wir können und wir haben Lust auf mehr.

Sicher kommt uns unser Snowboard-Background sehr zu Gute, aber wir denken, dass auch komplette Schneeneulinge Spaß am Ski-Späteinstieg finden können, sofern sie nicht ganz so ängstlich und durchschnittlich sportlich sind. Wir machen auf jeden Fall weiter und wollen ab jetzt jedes Wochenende zum Üben nutzen – Skitouren wir kommen!