Skitouren: Die richtige Wahl beim Steigfell

Ohne geht es nicht aufwärts! Das Steigfell ist auf Skitour das Mittel zum Anstieg – es gleitet voran und verhindert ein Zurückrutschen. Aber auf was kommt es an? Welche Materialunterschiede gibt es, wie klebt es am Ski und was tut man, wenn es stollt, oder nicht mehr am Ski haften will. Unser Skitouren-Experte Robert Bechtold hält alle Antworten parat.


 


Die erste Frage beim Kauf von Steigfellen zielt wahrscheinlich auf das Material...


Genau. Zunächst hat man die Wahl zwischen Fellen aus 100% Mohair oder Mischfellen, die meist etwa zu 70% aus Mohair und zu 30% aus Nylon bestehen. Mohair ist die Wolle der Angoraziege und ist von Natur aus wasserabweisend. Sie hat auch tolle Gleiteigenschaften, gerade wenn es kalt wird. Wir verkaufen aber primär die Mischfelle, weil sie robuster und preiswerter sind und einfach tolle Allrounder, die bei den verschiedensten Schneeverhältnissen sehr gut funktionieren. Dann gibt es noch Felle, die nur aus Kunstfaser bestehen, aus Polyester oder Polyamid. Sie sind recht preisgünstig, aber gleichzeitig auch sehr pflegeaufwändig. Sie werden eigentlich kaum noch nachgefragt.


 


Dann sollte das Fell auch zu meinem Ski passen.


Das ist der nächste Schritt. Die meisten Hersteller haben inzwischen passend zur Breite und Taillierung des Skis vorgefertigte Steigfelle. Die liegen dann perfekt auf der Fläche. Aber es gibt natürlich auch noch Zuschneide-Modelle welche für die meisten Freerider hergenommen werden oder wenn man Wert auf ein spezielles Fell legt.


 


Kann ich das Fell selbst zuschneiden? Ist das einfach oder sollte man das lieber im Sporthaus machen lassen?


 


Im Grunde ist es nicht allzu kompliziert. Es liegt immer ein entsprechendes Kit samt Anleitung bei. Wichtig ist, dass man exakt arbeitet, dass die Kanten frei liegen und gleichzeitig die Fläche (gerade die wichtige Steigfläche in der Skimitte) bedeckt ist. Wer es sich nicht zutraut, kann das natürlich auch von uns erledigen lassen.


Kostet das dann extra?


Nein. Nicht, wenn das Fell bei uns gekauft wurde.



Kommen wir zu den Klebeeigenschaften: Was gibt es hier für Unterschiede?


Im Grunde kleben alle Felle, die wir im Sortiment haben, sehr gut. Die Black Diamond Modelle sind zum Beispiel berühmt für ihre satte Haftung. Entsprechend sollte man sie nicht ohne Abdecknetz zusammenlegen. Das Auseinanderzerren kann zum Kraftakt werden... Adhäsionsfelle, die rein über eine ‚molekulare Anziehungskraft’ funktionieren, verkaufen wir eigentlich kaum. Beliebt sind hingegen die neuen Hybrid-Modelle von Contour. Sie haben zwei unterschiedlichen Lagen: Eine Schicht, mit der das Fell am Skibelag haftet und einen Spezialkleber, der den Fellrücken mit der Haftschicht verbindet. Die sichtbare Schicht wirkt in etwa wie Silikon, ist also abwaschbar und ziemlich pflegeleicht. Das Fell lässt sich leicht abziehen und wenn es nicht mehr so gut klebt, reinigt man es einfach mit Spüli.


 


Und das muss man bei anderen Fellen?


Schon. Es kommt natürlich darauf an, wie man es wie oft wo im Einsatz hat und vor allem, wie man das Fell pflegt. Der ‚normale’ Kleber ist schon empfindlich und kann schnell austrocknen. Man sollte unbedingt ein paar Grundregeln einhalten.


 


Und die wären?


- Vor dem Aufkleben auf den Ski den Belag von Schmutz und Schnee befreien.


- Die Felle dann am Gipfel sauber mit einem Abdecknetz zusammenlegen.


- Nach der Tour sollte man kleine Steinchen, Dreck und Nadeln gleich aus der Klebefläche entfernen.


- Das Fell niemals am Ski trocknen lassen und niemals auf einem Heizkörper trocknen.


- Gelagert wird es dann am besten mit Abdecknetz und im ‚Sackerl’ an einem trockenen Ort bei konstanter Temperatur.


- alte Felle lassen sich noch mal reakivieren wenn man sie zeitweise ohne Trennfolie lagert, bei Black Diamond lässt


  sich der Abdeckstreifen in der Mitte entfernen.


 


 


Wie rüste ich denn die Klebeseite nach, wenn das Fell nicht mehr gut haftet?


Da gibt es zwei Varianten: Einmal den Haftkleber aus der Tube, den man auf die gereinigte Fläche aufträgt. Aber viele bevorzugen die ‚sauberere’ Lösung mit Klebefolie, die aufgebügelt wird. Hier natürlich beim Kauf auf die Fellbreite achten. Dann den alten Kleber gut entfernen: Man erhitzt ihn mit einem Fön und zieht ihn mit einem Spachtel ab, wenn er flüssig geworden ist. Zum Aufbügeln das Fell gut einspannen und das Bügeleisen nicht zu heiß einstellen. Nun die Folie abziehen und nochmal kurz über den Kleber bügeln. Gut trocknen lassen und zum Schluss zuschneiden.


 


Ein andere Problematik: Was tun, wenn das Fell stollt?


Nicht gleich wegschmeißen! Oft liegt es an den Bedingungen und man kann durch Nachimprägnierung einiges ausrichten. Und das durchaus auch auf Tour. Hier kann man das spezielle Flüssigwachs einpacken oder ein Wachsstück. Das hat mir schon viel Geschimpfe erspart – und viel Kraft...


 


Hast Du es tatsächlich auf Tour immer dabei?


Ja, ich habe grundsätzlich ein kleines Notfall-Kit mit. Da ist auch noch ein Stück beidseitig klebendes Tape dabei und so kleine Sachen wie Kabelbinder.