“The Citadel” – Exklusivinterview mit Matt Helliker


Ich bin der Typ, der die Einfachheit des Bergsteigens auf jeden Fall vorzieht...

Neues aus dem Osprey-Team: Der englische Topalpinist Matt Helliker und sein Seilpartner Jon Bracey eröffneten vor Kurzem eine Route an der Westwand des Citadel in Alaska. Mit dabei: ein Kamerateam. Das Ergebnis: Eine einzigartige Dokumentation der Höhen und Tiefen einer alpinistischen Expedition in Alaska.
Zwischen den Stationen der Film-Tour konnten wir Matt für ein kleines Interview gewinnen.

Hallo Matt, erzähl doch kurz etwas zu dir!

Ich lebe als hauptberuflicher Alpinist und IFMGA Bergführer in meiner Wahlheimat Chamonix. Ursprünglich komme ich aber aus dem Südwesten von England. Klettern ist mein Lebensinhalt, etwas anderes gibt es nicht (lacht).

Beim Bergsteigen bist du auf verlässliche und vertraute Partner angewiesen. Am Citadel warst du mit Jon Bracey unterwegs. Wie habt ihr euch kennengelernt?

Wir haben uns über Freunde getroffen – zusammen geklettert sind wir das erste Mal auf Expedition am “Moose´s Tooth” in Alaska. Dort haben wir eine neue Route in der Ostwand eröffnet (“There’s a Moose Loose about thus Hoose”, AI6 M8). Mittlerweile klettern wir schon seit acht Jahren zusammen. Da kommt schon einiges an vertikalen Metern zusammen, von den Alpen, über Schottland bis zu den ganz großen Gebirgsketten.

Und wie seid ihr auf das “Citadel”-Projekt gekommen?

Es kam wie so oft: Ich habe den Berg in einer Zeitschrift gesehen. Es war die Nord-West-Wand des Citadel im Neacola Gebiet. Ich finde diese Art der Inspiration, auch die Schönheit eines Berges, sehr wichtig, wenn man sich entscheidet, viel Zeit und Kraft in so ein neues Projekt zu investieren. Danach ist es eigentlich ganz einfach, das Ziel war klar, hinzu kam die besondere Herausforderung, das Ganze auch noch zu filmen.


Die Expedition und der Film sind ja zweierlei. Warum entscheidet man sich dazu, aus so einem alpinistischen Projekt einen Film zu machen?

Das stimmt. Unser Ansporn war es, anderen Menschen einen Einblick in die Realität so einer Expedition zu bieten. Ein solches alpinistisches Projekt filmisch in einer Umgebung wie Alaska festzuhalten, ist für sich schon eine besondere Herausforderung.

Wie habt ihr euch vorbereitet? Es geht ja nicht nur um Kondition und die perfekte Klettertechnik, oder?

Naja, irgendwie hängt es schon alles zusammen. Ich denke wenn man physisch echt fit ist und gut im Training, dann stellt sich auch die mentale Stärke ein. Und die ist definitiv ein wirklich wichtiger Faktor beim Alpinklettern.


Eine Trutzburg im Eis.
Eine Trutzburg im Eis.

Wie groß war euer Team und wie lange wart ihr unterwegs?

Wir waren insgesamt zwei Kletterer, Jon und ich, sowie zwei Filmer. Ein kleines Team also, sehr persönlich. Das Persönliche und die Vertrautheit war auch ein großer Vorteil beim Filmen – an den insgesamt 12 Tagen, die wir auf dem Eis und am Fels unterwegs waren. Dabei haben wir jeden Tag gefilmt, um wirklich den gesamten Umfang der Aktion festzuhalten.

Es muss doch ein super Gefühl sein, wenn man nicht nur eine anspruchsvolle neue Route eröffnet, sondern auch erlebt, wie ein Film daraus entsteht?! Aber zwischen der Stille und Einfachheit des Bergsteigens und dem Trubel einer Filmtour liegen Welten – wie siehst du das?

Ich bin der Typ, der die Einfachheit des Bergsteigens auf jeden Fall vorzieht – die Filmtour wirkt sich natürlich nicht unbedingt positiv auf meine Klettertage aus (lacht). Auf der anderen Seite finde ich, dass die Chance einen solchen Film zu drehen, wirklich etwas besonderes ist – dadurch können wir unsere Erlebnisse mit vielen Menschen teilen. Und dazu gehört dann eben auch eine Filmtour und andere Veranstaltungen – oder eben auch dieses Interview (lacht wieder).

Jetzt interessiert uns aber doch noch, welches Gebiet dir hier in den Alpen am besten gefällt?

Meine Wahlheimat Chamonix habe ich nicht durch Zufall gewählt. Hier finde ich mitunter die besten Berge zum Klettern und Skifahren in den Alpen. Außerdem liegt Chamonix sehr zentral und es gibt viele andere Gebiete, die von dort schnell erreichbar sind. Dabei habe ich eigentlich keine “Lieblings-Tour” – es gibt einfach so viele. Und jede Route hinterlässt eigene Erinnerungen und Erfahrungen.

Hast du für 2016 schon neue Projekte im Visier?

Na klar, aber natürlich werde ich die nicht verraten – Reden heißt weniger neue Routen (lacht).

Wir sind gespannt, was wir als nächstes von dir hören – Alles Gute, Matt!