VÖLKL - Skitest und Skientwicklung aus Straubing

Völkl schätzen wir im Sporthaus als Skimarke nicht nur, weil es (wie wir) ein bayerisches Traditionsunternehmen ist. Und auch nicht nur, weil Völkl der einzige Skiproduzent ist, der noch immer in Deutschland fertigt. Sondern in erster Linie, weil sie einfach Top-Skier bauen – ob für die Piste oder den Powder! Verantwortlich dafür ist das Entwicklungsteam in Straubing sowie das Test-Team im Schnee. Ihm gehört auch Anja Blieninger an. Die Ammertalerin war einst selbst eine der talentiertesten Technikerin im DSV-Damenteam (aber leider auch eine der meist verletzten). Heute ist sie bei Völkl für das Scouting, die Betreuung, Logistik und Kommunikation des Rennlaufs in Deutschland bis zum Europacup Level zuständig – und ist eine wichtige Stütze des Produktentwickler-Teams. Wir haben mit ihr gesprochen.





Anja, welchen Ski fährst Du privat vorzugsweise?




Also die Marke kann ich sofort nennen: Völkl – ganz klar.... Aber bei dem Modell wird es dann schon schwierig. Es gibt einige Skier, die ich sehr gerne fahre.


Du hast immer die Qual der Wahl...




Genau. Aber auf der Piste fahre ich derzeit die Code Serie am Liebsten – sehr breitbandige und sportliche Ski, mit denen man alle Facetten, die das Skifahren bietet, ausleben kann. Im Gelände dann ganz klar unsere V-Werks BMT Modelle. Sie sind extrem leicht, gleichzeitig spielerisch und sie bringen einen hohen Spaßfaktor...


Wie viel Skitage hast Du diese Saison denn schon?




Oh, so genau kann ich das leider gar nicht sagen... Ich bin sowohl mit dem Testteam für Skitests unterwegs und war natürlich auch mit den einzelnen Mannschaften, die ich betreue auf der Piste. Da kommt schon einiges zusammen – aber zum richtigen Skifahren komme ich nur beim Testen! An den anderen Tagen stehe ich am Hang und schaue zu – und das zählt dann nicht wirklich als Skitag...


Dafür sind die Testtage sicherlich besonders intensiv...




Ja, das ist tatsächlich ein sehr bewusstes Skifahren. Man ist sehr fokussiert, spürt hinein und analysiert den Ski. Das kenne ich zwar schon seit meiner aktiven Rennzeit, aber damals ging es um das optimale Wettkampf-Setup. Unsere Produkte heute sind natürlich viel breiter gestreut und man hat auch die Zielgruppe genau im Kopf.

Made for Speed! Foto: PeterMathis
Made for Speed! Foto: PeterMathis


Wie läuft der Entwicklungsprozess bei Völkl ab?




Es ist sehr komplex, aber grob beginnt es damit, dass sich unsere Produktmanager zunächst Gedanken machen, wie sich einzelne Modelle verändern sollen, bzw. welche Skier wir neu bauen wollen. Ist das einmal definiert, geht es an die ersten Konstruktionen. Und dann beginnen wir, die Prototypen mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften zu testen. Auf Basis der Testergebnisse geben die Produktmanager  Änderungsvorgaben an die Entwicklung weiter und diese dann umsetzen in Form eines neuen Skis. Dies wiederholt sich dann so oft, bis wir das gewünschte Ergebnis haben.


Aus wie vielen Leuten besteht denn das Team?




Zum Völkl-Entwicklungsteam zählen in etwa 20 Personen, die unterschiedliche Aufgaben zu erfüllen haben. Wir haben zum einen die R&D-Abteilung in Straubing, wo unser Entwicklungsleiter mit seinem Team sitzt – und wir haben das Testteam als „mobile“ Truppe. Sie testet die Skier im Schnee und leitet das Feedback wieder direkt nach Straubing weiter.


Wie viele Musterskier werden produziert, bis man mit dem Endergebnis zufrieden ist und es in die serielle Produktion geht?




Nicht erschrecken, wir arbeiten sehr, sehr akribisch. Wir bauen modellübergreifend rund 750 Paar Prototypen im Jahr. Völkl ist einfach ein Unternehmen, das sehr viel Wert auf Innovation und Tüftelei legt. Wie viele Entwicklungsrunden ein Ski durchmacht, bis wir das gewünschte Ergebnis erzielen, ist aber sehr unterschiedlich. Das hängt von der Komplexität des jeweiligen Skis ab, von Parametern wie Materialien, Bauweise, usw.


Ohne Dich in eine Zwickmühle bringen zu wollen: Was wird in der Zukunft aus Straubing kommen?




Unsere Philosophie ist es, Skier zu bauen, die den höchsten Ansprüchen von Fahrperformance gerecht werden und trotzdem sehr leicht sind. Das Ziel für die Zukunft wird es sein, die Grenzen des machbaren in diesem Bereich auszutesten. Wir besitzen mit unserer UVO-Technologie, unserem Produktionsstandort und dem Know-How unseres Entwicklungsteams technische Möglichkeiten, um neue Maßstäbe zu setzten. In Zukunft wird es kein Wiederspruch mehr sein, höchste sportliche Fahreigenschaften mit einer Gewichtsoptimierung zu verbinden.


Dann freuen wir uns auf leichte Top-Skier aus Straubing! Vielen Dank für das Gespräch, Anja.