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    Vom Trekkingschuh zum Hochtourenschuh

    Geröll und Fels, Gletscher und Eis, lange Touren, die Trittsicherheit und Konzentration fordern – während wir in Teil 1 unserer Reihe alles über das passende Schuhwerk für leichtere Wanderungen erfahren haben, geht es jetzt ins anspruchsvollere Berggelände. Jens Blochwitz sagt uns, welche Alpinstiefel wir zu tragen haben.
    Bei Bergschuhen der Kategorie C und D – welcher Schuh eignet sich für wen?
    In die BC-Zwischenkategorie fallen solide Stiefel, die sich für lange Treks mit ein wenig Klettereien eignen. Bei den Kategorien C und D sprechen wir dann schon vom richtigen Bergsteigen. Die Alpinstiefel haben einen sehr stabilen, hohen Schaft und eine feste, steife Sohle.
    Das klingt nicht gerade komfortabel...
    Naja, das kommt eben auf den Einsatzbereich an. Ich will mit diesen Schuhen natürlich nicht in der Ebene spazieren gehen – aber man wird auch keinen leichten Multifunktionsschuh im Geröll als komfortabel empfinden. Er würde in erster Linie Unsicherheit vermitteln. Das Komfortempfinden hat schließlich auch mit dem Gefühl der Trittsicherheit zu tun. Und genau das vermittelt ein Alpinstiefel in seiner Umgebung.
    Der hohe Schaft und die Robustheit leuchtet ein. Aber warum muss der Schuh steif sein?
    Zum einen schützt eine steife Sohle auch – hier drückt kein Geröll oder spitzer Fels durch. Und in schwierigem Gelände und bei Kletterpassagen bietet eine weiche Sohle nicht den nötigen Halt, die nötige Stabilität. An einem kleinen Felsabsatz will ich nicht, dass der Schuh ‚durchhängt’ und abrutscht. Mit Kantenstabilität, mit Steifigkeit, gerade im vorderen Sohlenbereich, habe ich auch dort einen festen Stand und eine hervorragende Trittpräzision. Wenn man beispielsweise ein leichtes Modell wie den Ferrata Combi von Hanwag in die Hand nimmt, fällt auf, dass er sich nicht verbiegen lässt. Er hat eine extrem verwindungssteife Sohle und die so genannte Kletterzone vorne an der Spitze bietet super Grip – perfekt für den Klettersteig.
    Und was unterscheidet ihn von anderen C-Modellen?
    Er hat eine andere Ausrichtung, als beispielsweise der Lowa Cevedale Pro, der eher als Allrounder angelegt ist. Der Scarpa Rebel Lite ist hingegen wieder ein sehr leichter Techniker, während der Mammut Eisfeld High sogar schon mit Neoprengamasche kommt. Wenn man dann dazu den Scarpa Mont Blanc Pro oder auch den Nepal Evo von La Sportiva sieht, sieht schon, dass die steigeisenfeste Kategorie D erreicht ist, ein echter Hochtourenschuh.
    Was bedeutet diese Steigeisen-Unterscheidung?
    Es ist so, dass die Schuhwahl vorgibt, welche Art der Steigeisen man einsetzen kann. Ein bedingt steigeisenfester Schuh ist für Steigeisen gedacht, die eine Riemenbindung bzw. eine Bindung mit Körbchen vorne und Kipphebel hinten haben. Sie reichen bei gemäßigten, nicht zu steilen Touren im Firn oder Altschnee aus. Aber sie bieten niemals den festen Sitz einer Kipphebelbindung. Und hierfür braucht man absolut steigeisentaugliche Alpinstiefel mit Kerben, in die man den Bügel vorne und den Fersenhebel einrasten kann. Die Hebelvariante sitzt bombenfest und ist auch einfacher zu bedienen. Sie ist unerlässlich, wenn man in anspruchsvolleres vereistes Gelände geht – ganz zu schweigen vom Eisklettern.
    Und die richtigen hierfür sind dann die technischen Modelle der Kategorie D?
    Genau. Der Typ umfasst steigeisenfeste Bergschuhe für extreme Bedingungen. Das bedeutet aber nicht, dass sie unbedingt sehr schwer sein müssen. Der Scarpa Rebel Pro wiegt zum Beispiel nur 650 g und der Trango Cube von La Sportiva auch nicht viel mehr. Was bei den Modellen auch noch eine Rolle spielt ist die Wärmeisolierung und ein Schutz wie der Schneekragen beim La Sportiva Nepal Evo – das sollte im Eis natürlich bedacht werden.
    Mit welchen weiteren Details wartet ein Alpinschuh auf?
    Die Materialien sind natürlich extrem strapazierfähig. Und um einen wirklich festen Sitz zu garantieren, wird die Schnürung komplexer. Sie reicht nicht nur sehr weit nach vorne, diverse Konstruktionen sorgen auch dafür, dass der komplette Fuß umschlossen und sicher fixiert wird. Außerdem lassen sich die Schuhe ‚zonenweise’ unterschiedlich fest schnüren. Zum Beispiel oben etwas lockerer und unten fester.
    Dann sind wir ja jetzt zumindest mit Wissen gerüstet... Danke, Jens!
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