Walk into the light…

    …und der lange Weg dahin. Ende Juli 2021, kurz nach Mitternacht, irgendwo an der Isar südlich von München. Kleine Menschengruppen aus den verschiedensten Winkeln der Erde sind hier gemeinsam unterwegs und unterhalten sich angeregt auf Deutsch, Englisch und anderen Sprachen. Ihr Ziel: Wolfratshausen. Irgendwann im Morgengrauen. Wir befinden uns auf dem „Walk into the light“. Der Mond scheint auf die rauschende Isar, sonst ist es still geworden um uns herum. Der Wald, der Fluß und wir.

    Ja, es fühlt sich gut an.

    Ganz natürlich ist das entstanden, was sich alle von der Aktion erhofft hatten: Möglichkeiten bieten, damit sich Geflüchtete und potentielle Ausbildungsbetriebe kennenlernen können. Ungezwungen, bei einem gemeinsamen Erlebnis.

    Bewusste Erlebnisse in der Natur wirken sich oft positiv auf die mentale Gesundheit aus, ganz besonders, wenn man diese Erlebnisse auch noch mit anderen teilen kann. Arc’teryx unterstützt mit seiner Kampagne „Outer Peace“ Organisationen, die Menschen den Zugang zu Natur und Outdoorsport ermöglichen.

    In diesem Rahmen unterstützt Arc‘teryx die Laufgruppe des Bellevue di Monaco, die von Künstler & Sozialarbeiter Paul Huf seit vielen Jahren mit viel Hingabe organisiert wird. Paul gibt den Menschen in dieser Laufgruppe nicht nur die Möglichkeit, Natur zu erleben, sondern auch Kontakte zu knüpfen. Einheimische und Geflüchtete laufen hier gemeinsam.

     „Seelische Probleme, Depression und Ängste sind bei vielen Geflüchteten an der Tagesordnung. Ausdauersport, wie zum Beispiel das Laufen, kann sich förderlich auf das Wohlbefinden der Teilnehmer auswirken. Es steigert das Selbstwertgefühl, bietet ein Ventil für Aggressionen und wirkt sich positiv auf das Schlafverhalten aus.“, so Paul, er erklärt aber weiter „Leider ist es mit dem Zugang zu Natur und damit verbundenen positiven Erlebnissen nicht getan. Genießen kann nur der, dessen Grundbedürfnisse sichergestellt sind.“ 

    Dieser Einwand von Paul kann als Initialzündung bezeichnet werden. Es ist ja eigentlich logisch: Nur wer einen sicheren Platz zum Leben hat, Arbeit und Einkommen, kann sich auch längerfristig um sein seelisches Wohlbefinden kümmern. Mit einem Ausbildungsplatz ist ein erster Schritt getan – auch gegen womöglich drohende Abschiebungen.

    Die Idee des „Walk into the light“ – Projekts war geboren. Und damit auch neue Möglichkeiten, bei denen sich geflüchtete Ausbildungssuchende mit potenziellen ausbildenden Unternehmen und ehrenamtlichen Mentor*innen vernetzen können.

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    Paul Huf erklärt nochmal alles und stellt alle vor.

    Eine Idee wird Realität

    „Das ist super. Wir sind dabei – wann geht’s los?“ Martin Jesau, unser Ausbildungsleiter beim Sporthaus Schuster ist von der Projektidee begeistert. Also treffen sich Paul, Annika und Nicole von Arc’teryx und Martin im Schuster. Er hat bereits gute Erfahrungen gemacht, wenn es darum geht, Geflüchtete in Ausbildung zu bringen und will sofort unterstützen. „Es ist viel Arbeit, aber es lohnt sich“, sagt er aus Überzeugung.  

    Und dann ging alles ganz schnell. Paul aktivierte Ausbildungsbetriebe aus Hotellerie, Industrie und Dienstleistung. Er motivierte die Schüler seiner Laufgruppe und auch viele seiner Mentor*innen waren dabei: Ein Rechtsanwalt, der bei Inkasso-Themen unterstützt, ein Polizist, sogar die Bildungsbeauftragte der Stadt München sagte zu.

    Der Termin stand, das Wetter war super, Inzidenzen tief – es sollte wirklich stattfinden!

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    Der Abend begann gemütlich

    Schon während dem gemeinsamen marokkanischen Abendessen im Bellevue di Monaco wurden die ersten Kontakte geknüpft: Jemand muss für die Abendschule Französisch lernen. Ein anderer wiederum muss Deutsch lernen – und kann französisch bieten. Perfekt!

    Freude über die Aufnahme an der Kunstakademie.

    Die Atmosphäre im Innenhof des Bellevue di Monaco war voll mit positiver Energie. Bunt, international, facettenreich. Im Hof nebenan war zeitgleich Rap Battle, die Teilnehmer gaben alles. Nach mehreren erfolglosen Versuchen von Paul, diese zu übertönen und die Rahmenbedingungen für die geplante Tour zu erklären griff er zum Megaphon. Jetzt war ihm die Aufmerksamkeit sicher. Zuerst stellte er alle vor und berichtete über schöne Erfolge. So bekamen zwei Teilnehmer erst kürzlich Nachricht über die Aufnahme an der Kunstakademie und waren immer noch völlig fassungslos vor Freude.

    Letzte Vorbereitungen.

    Dann aber schnell alles noch mal durchgegangen, Routenverlauf – check, Stirnlampenausgabe – check, Klamottenübergabe – check, alles klar! Auch die möglichen Ausstiege für alle, die nicht die vollen 30 km mitlaufen können oder wollen wurden nochmals vorgestellt.

    Gesättigt und voller Tatendrang brachen wir gegen 22:30 auf, den Weg gemeinsam zu gehen – symbolisch und physisch. 

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    Letzte Lichter an der Isar.

    Ziel: Wolfratshausen im Morgengrauen

    Als die letzten gegen 1:00 Uhr die Gruppe an der Großhesseloher Brücke verlassen, blieb eine bunte Gruppe von 18 Menschen auf dem Weg, die gemeinsam, fröhlich schwatzend in Richtung Wolfratshausen weitergeht. Allen voran Martin, der die Strecke bereits kennt.

    Unerwartete Hindernisse in der Nacht.

    Gegen 2 Uhr ging der Mond unter, es wurde sehr dunkel. Auch das Gelände zeigte sich unwegsamer und lediglich der Kegel der Stirnlampen weist den Weg. Die Isar rauschte nebenan sichtlich unbeeindruckt. Jetzt hieß es zusammenbleiben und zusammenhalten, nicht dass plötzlich noch jemand allein im Wald steht. Die vielen Unwetter der letzten Zeit hatten ebenfalls ihre Spuren hinterlassen. Wir kletterten über umgestürzte Bäume und ließen uns auch von einer Wasserfläche, die bei einem der zahlreichen Gewitter der letzten Wochen entstand, nicht aufhalten. Umwege waren schließlich einkalkuliert und Martin führte die Gruppe sicher durch die Nacht.

    Im Morgengrauen.

    Das Kloster Schäftlarn begrüßte uns zum ersten zarten Dämmerungshauch und spätestens in der Pupplinger Au ist die Nacht endgültig besiegt! Viele haben sich kennengelernt, viele haben Kontakte geknüpft. Ali aus Afghanistan vereinbarte mit Martin gleich ein Praktikum beim Schuster.

    In Wolfratshausen schließlich, gerieten wir mitten in den hektischen Berufsverkehr, eine recht unwirkliche Situation nach der absoluten Stille der Nacht – wenn all die Pendler und Schüler wüssten, woher wir gerade kommen…

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    Du hast Fragen zum Projekt oder zur Laufgruppe?

    Du möchtest Dich ehrenamtlich einbringen oder hast hilfreiche Kontakte zu interessierten Ausbildungsbetrieben?

    Dann wende Dich bitte an Paul Huf (paulhuf67@gmail.com)
    Infos auch hier: https://bellevuedimonaco.de/ehrenamtliche/ 

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    Das Sporthaus Schuster ist ein echtes Münchner Original. Fest verwurzelt am Marienplatz in München und in der alpinen Tradition. Es steht für Leidenschaft, Bergsportkompetenz und Menschen, die sich mit dem Familienunternehmen identifizieren. Kurz: für das Schuster-Wir-Gefühl seit 1913.