Was ist eine Leistungsdiagnostik und wie läuft sie ab?

    Ein sportkardiologischer Check-Up sollte bei jeder/m Sportler*in regelmäßig auf dem Plan stehen. Der Sportkardiologe Prof. Dr. med Axel Preßler erklärt, wofür eine medizinische Leistungsdiagnostik hilfreich ist und wie sie in der Praxis abläuft.
    Ein sportkardiologischer Check-up ist sowoh für Profi als auch Amateursportler*innen wichtig.

    Was ist eine medizinische Leistungsdiagnostik überhaupt?

    Eine Leistungsdiagnostik bei der/dem Kardiolog*in ist meistens Teil eines allgemeinen sportkardiologischen Check-ups, bei dem neben Informationen zum aktuellen Fitness-Zustand und zu geeigneten Trainingspulsen auch geprüft wird, ob Herz und Lunge gesund sind und auch langen und/oder intensiven Belastungen standhalten können. Dies erfolgt durch ausführliche ärztliche Untersuchungen mittels u.a. EKG, Blutabnahme, Ultraschall und Lungenfunktionstest. Auch die Leistungsdiagnostik selbst ist ein wichtiger medizinischer Teil davon, da dabei nicht nur Trainingspulse ermittelt werden, sondern auch ein EKG zur Überprüfung des Herzrhythmus unter Belastung aufgezeichnet und der Blutdruck gemessen wird.

    Die Leistungsdiagnostik selbst erfolgt entweder auf einem Fahrrad- oder auf einem Laufbandergometer; für Läufer*innen natürlich in aller Regel auf letzterem. Durchgeführt und überwacht wird sie in aller Regel von Sportwissenschaftler*innen, wobei die Kardiolog*innen natürlich stets in der Nähe sind, um bei medizinischen Auffälligkeiten eingreifen zu können. Für den Test ziehen die Läufer*innen ihre gewohnten Sportsachen an.

    Bei einer Leistungsdiagnostik wird allgemein stets eine subjektive körperliche Ausbelastung angestrebt, d.h. der Test wird erst dann beendet, wenn die Sportler*innen von sich aus nicht mehr weiterkönnen. Allerdings: fällt während des Tests medizinisch etwas auf, wie etwa ungewöhnliche Rhythmusstörungen, verdächtige EKG-Veränderungen mit Hinweisen auf eine Durchblutungsstörung des Herzens oder ein zu hoher Blutdruck, wird der Test unter Umständen bereits vorzeitig von ärztlicher Seite abgebrochen. In einem solchen Fall erfolgt selbstverständlich erst einmal eine weitere medizinische Abklärung.

    Was ist das Ziel einer Leistungsdiagnostik?

    Eine Leistungsdiagnostik gibt Aufschluss über den Fitness- und Belastungsstoffwechsel.

    Allgemeines Ziel der Leistungsdiagnostik ist die Messung von stoffwechselbezogenen Pulsbereichen und Geschwindigkeiten, um daraus geeignete Trainingsbereiche ermitteln zu können. Dies wird in der Regel mit der Messung des Laktats im Blut (Milchsäure) erreicht, kann aber auch entweder alleine durch Sauerstoffmessungen (Spiroergometrie) oder in Kombination beider Verfahren durchgeführt werden. Neben Informationen zur allgemeinen Fitness und zum Belastungsstoffwechsel lassen sich aus den Ergebnissen einer Leistungsdiagnostik eine Reihe wichtiger Werte zur Lungen-, Herz- und Muskelfunktion unter Belastung ermitteln, d.h. die Spiroergometrie liefert nicht nur Leistungsdaten, sondern ist auch eine bedeutende medizinische Funktionsdiagnostik, die z.B. auch nach einer Coronainfektion hilfreich sind.

    Was muss ich vor der Leistungsdiagnostik beachten?

    Da die Leistungsdiagnostik den Energiestoffwechsel der Muskulatur erfasst, sollte man in der Vorbereitung auf einen solchen Test in den Tagen davor nicht zu intensiv trainieren, um die Kohlenhydratspeicher nicht zu entleeren und den Test damit eventuell zu verfälschen. Dies kann zum Beispiel zu ungewöhnlich niedrigen Laktatwerten oder sogar zu einem vorzeitigen Abbruch aufgrund Kohlenhydratmangel führen. Am unmittelbaren Tag davor sollte am besten sogar eine komplette Trainingspause eingelegt werden. Andererseits muss man auch nicht mehrere Tage zuvor schon speziell kohlenhydratreich essen, denn auch „übertrieben“ gefüllte Speicher können die Ergebnisse negativ beeinflussen. Am besten ist es, ganz normal zu essen wie während des Trainings auch; z.B. eine kohlenhydratreiche Mahlzeit ca. 2-3 Stunden vorher (z.B. Müsli) und ggf. nochmals ein Riegel ca. 30 min vorher.

    Wie läuft die Leistungsdiagnostik in der Praxis ab?

    Bei einer Leistungsdiagnostik wird die Geschwindigkeit auf dem Laufband stetig gesteigert.

    Bei dem Test wird die Geschwindigkeit des Laufbandes stufenförmig stetig gesteigert von anfangs sehr leichten Belastungen bis zu dem Tempo, was man gerade noch durchhalten kann. Man versucht allerdings, ein anfängliches Gehtempo zu vermeiden, da beim Übergang ins Laufen sonst meist eine „Stufe“ in die Laktatauswertung kommt und die Leistungskurve hier etwas verzerrt werden kann. Die Belastungsprotokolle werden soweit möglich an das vorher erfragte Leistungsvermögen der Läufer*innen angepasst. Übliche Anfangsgeschwindigkeiten sind, je nach Trainingszustand, zum Beispiel 6 oder 8 km/h, gesteigert wird um 1-2 km/h pro Stufe. Je nach Leistungsvermögen werden als Spitzengeschwindigkeiten für Läufer meist Werte zwischen 16-20 km/h erreicht, manchmal auch mehr; Läuferinnen erreichen je nach Protokoll meistens Zielwerte zwischen 14-18 km/h. Sehr gute Läufer können auch einmal 22 oder gar 24 km/h erreichen, das hängt aber auch sehr stark vom Belastungsprotokoll ab. Aber auch für weniger gute Läufer oder gar Anfänger, die solche Werte noch nicht erreichen, macht eine Leistungsdiagnostik Sinn – schließlich sollen damit neben medizinischen Risiken auch Pulsvorgaben für eine spätere Leistungssteigerung ermittelt werden.

    Vor dem Test und anschließend jeweils am Ende jeder Belastungsstufe wird ein Blutstropfen in der Regel aus dem Ohrläppchen entnommen, aus dem das jeweils auf dieser Stufe vorhandene Laktat bestimmt wird. Dazu ist auf dem Laufband eine kurze Pause von 30 Sekunden erforderlich, bevor es dann mit der nächsthöheren Stufe weitergeht. Einige Sekunden vor dieser Pause verlangsamt sich die Geschwindigkeit des Laufbandes und steigert sich danach wieder über einige Sekunden bis in die neue Geschwindigkeit. Für den Blutstropfen muss meistens nur einmal am Anfang gepiekst werden, später wird immer wieder etwas Blut aus dem Ohrläppchen herausgedrückt; nur sehr selten muss nachgestochen werden. Die früher übliche Erweiterung der Blutgefäße im Ohrläppchen mit der Salbe Finalgon wird heutzutage in aller Regel nicht mehr durchgeführt, da es auch ohne diese stark reizende Salbe meist gut funktioniert.

    Um später die pulsbezogenen Trainingsbereiche ermitteln zu können, wird auch der Puls am Ende jeder Stufe und auch bei maximaler Belastung dokumentiert, diesen erhält man aus dem mitlaufenden EKG oder über einen Brustgurt. Eigene Pulsuhren können übrigens während der Leistungsdiagnostik „mitlaufen“, um deren Messgenauigkeit mit dem EKG zu vergleichen, das wird auch häufig und gerne gemacht. Nach dem Ende der Belastung folgt noch eine Ruhephase von 5 min, in der die Erholungswerte alle 2 min ebenfalls gemessen werden.

    Was ist eine Spiroergometrie und wofür ist sie hilfreich?

    Die Spiroergometrie liefert Informationen über die Sauerstoffaufnahme des/r Sportler*in.

    Alternativ oder in Kombination mit dem Laktat ist es außerdem möglich, bei dem Test auch die Sauerstoffaufnahme zu bestimmen, dieses Verfahren nennt man Spiroergometrie. Dazu setzt man den Läufer*innen eine atemdurchlässige Mund-Nasen-Maske auf, die mittels dünner Schläuche mit Messgeräten verbunden ist. Dies erlaubt die kontinuierliche Aufzeichnung des eingeatmeten Sauerstoffs und gleichzeitig des ausgeatmeten Kohlendioxids während des gesamten Tests. Aus der Spiroergometrie berechnet der Computer verschiedene Atemparameter, zum Beispiel die Atemfrequenz, die Atemzugtiefe und daraus berechnet das Atemminutenvolumen, die Sauerstoffaufnahme und die Menge des abgeatmeten Kohlendioxids. Die Spiroergometrie liefert somit nicht nur Leistungsdaten, sondern ist auch eine bedeutende medizinische Funktionsdiagnostik, die z.B. auch nach einer Coronainfektion hilfreich sind.

    Wie lange dauert eine Leistungsdiagnostik?

    Die Dauer der einzelnen Belastungsstufen variiert je nach Protokoll und auch ein wenig nach persönlicher Erfahrung und Ansicht des Untersuchers, üblich sind 3 min pro Stufe. Allerdings muss die finale Stufe nicht zwingend durchgelaufen werden – abgebrochen wird, wenn die Läufer*innen nicht mehr können, selbst wenn nur Anteile der letzten Stufe gelaufen werden.

    Eine Leistungsdiagnostik dauert demnach je nach individuellem Trainingszustand meistens zwischen 20-30 min. Längere Tests erhöhen nicht die Aussagekraft, zu kurze Protokolle können dagegen zu einem raschen Laktatanstieg führen und damit die Bestimmung der aeroben Grundlagenbereiche erschweren.

    Im Teil II
    erfährst Du, was Du aus den Auswertungen einer Leistungsdiagnostik, wie dem VO2 max bzw. der aeroben Schwelle, für Dein Training herausziehen kannst!

    Unser Gastautor// Prof. Dr. med Axel Preßler


    Prof. Dr. med Preßler ist einer der renommiertesten Experten für Sportkardiologie in Europa. Der Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie war bis zur Eröffnung seiner eigenen Praxis elf Jahre lang Oberarzt im Zentrum für Prävention und Sportmedizin der Technischen Universität München. Er hält regelmäßig Vorträge vor nationalem und internationalem Publikum und veröffentlicht wissenschaftliche Beiträge auf seinem Spezialgebiet Herz und Sport. Er joggt, fährt Mountainbike und schwimmt gerne.

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