Wasseraufbereitung: Sauberes Wasser on Tour!

Ob auf Trekkingtour, Fernreise oder Expedition: Wasserentkeimung ist ein ganz zentrales Thema. Verunreinigtes Wasser ist eines der größten Gesundheitsrisiken. Doch wie säubert man Wasser? Chlor oder Filter? Was gilt es zu beachten, wie funktioniert es und hat das Reinigen etwa einen schlechten Beigeschmack? Es herrscht Klärungsbedarf! Deshalb haben wir mit unserem Experten im Hause, Stefan Scholz, gesprochen:
Stefan, wen betrifft das Thema Wasserentkeimung denn?
Primär zwei Gruppen: Diejenigen, die auf Trekking-Tour gehen, von Skandinavien bis nach Südamerika. Sie holen unterwegs aus Bächen und Flüssen ihr Wasser. Und die zweite Gruppe wären Reisende, die in Ländern mit problematischer Trinkwasserqualität unterwegs sind. Hier gilt es, das Leitungswasser aus dem Hahn zu reinigen. Grundsätzlich empfehlen wir allerdings, auch das Wasser, das man in verschlossenen Trinkflaschen bekommt, zu säubern. Gepanscht wird überall...
Sind sich die Kunden der Gefahren bewusst?
Viele ja, vor allem die mit Reiseerfahrung. Aber sehr viele auch nicht! Wir weisen sie darauf hin, wenn sie bei uns andere Utensilien einkaufen – Schlafsäcke, Kocher etc. und von ihren Vorhaben erzählen. Oft denken sie an ein Moskitonetz, aber nicht an die Wasserreinigung...

Ist es denn tatsächlich so gefährlich?
Oh ja, das ist es! Wir haben eine sehr gute Trinkwasserqualität in Deutschland und das ist für uns im Grunde eine Selbstverständlichkeit. Unsere Alltagswelt ist generell sehr steril und entsprechend ‚verwöhnt’ ist auch unsere Darmflora. Es reicht schon wenig, um uns gehörig aus dem Takt zu bringen – wenig an Bakterien und wenig an ‚Konsum’. Man erkrankt nicht erst, wenn man einen Liter verunreinigtes Wasser getrunken hat, es reicht schon das  Zähneputzen.
Welche Krankheiten kann man sich einfangen?
Durchfall ist sicherlich das große Gesundheitsrisiko. Die Statistik besagt, dass 25% der Fernreisenden hiervon betroffen sind. Aber auch Cholera, Typhus oder Kinderlähmung kann über verunreinigtes Wasser übertragen werden.
Welche Möglichkeiten der Wasseraufbereitung gibt es?
Man kann entweder auf chemischem Weg desinfizieren oder mechanisch mit Wasserfiltern arbeiten.
Chemisch klingt aber nun nicht so lecker...
Es ist ungefährlich, aber man hat einen leichten Chlor-Beigeschmack. Wer das wiederum nicht mag, kann durch Antichlorine den Geschmack neutralisieren. Wer will schon einen Kaffee mit Chlorgeschmack... Zu beachten bei den chemischen Varianten (mit Tabletten oder in flüssiger Form ): Das Wasser muss optisch klar sein. Es sollten also keine Schwebeteilchen sichtbar sein. Und man muss mindestens 30 Minuten Reinigungszeit einplanen.
Und wie funktioniert der Wasserfilter? Der kommt ohne Beigeschmack aus, oder?
Ja, der schmeckt neutral, d.h. der ursprüngliche Geschmack des Wassers wird nicht verändert. Im Prinzip ist das ein sehr feiner Filter – so fein, dass Mikroorganismen wie Bakterien oder Protozoen hängen bleiben.
Sie sind so groß, dass sie nicht ‚durchkommen’?
Genau. Glasfaserfilter wie dem MSR Gravity oder dem Hiker Pro von Katadyn – das ist die preisgünstigere Variante – haben 0.3 Micron große Poren – das reicht aus! Bei den hochwertigeren Keramikfiltern, wie dem Katadyn Pocket Filter, sind es sogar nur 0.2 Micron. Bakterien wie E-Coli, Salmonellen oder Cholera haben eine Größe von etwa 0.2-5 Micron. Allerdings sind die Hersteller sehr vorsichtig, wenn es um Viren geht. Da halten sie sich durchaus bedeckt.
Weil die Viren ‚schlüpfriger’ sind?
Ja, sie können bis zu 10 Mal so klein sein. Allerdings muss man dazu sagen, dass sie generell nicht ohne Wirt auskommen. Sie sind nicht überlebensfähig und müssen sich an etwas ‚dranhängen’. Dennoch sind die Hersteller vorsichtig, wenn es um eine Garantie gegen Viren wie Hepatitis oder Cholera geht.
Wo stößt die Wasserentkeimung an ihre Grenzen?
Bei chemischer Verunreinigung. Wer hier Zweifel hat – sei es ein Gefühl oder ein Geruch – der sollte unbedingt nach einer Alternative suchen.
Wie lange bzw. wie oft kann man so einen Wasserfilter einsetzen?
Die preisgünstigere Variante hat eine Lebensdauer von ca. 1.000 bis 2.000 Litern. Die Keramikfilter bis zu 50.000 Liter – also nicht nur ein Leben lang, sondern auch noch gleich das Leben der nächsten Generation dazu...
Welcher Filter empfiehlt sich für welche Situation oder Unternehmung?
Die Glasfaserfilter sind zwar preislich günstiger, aber für viele Einsätze absolut ausreichend. Vor allem nehmen sie auch weniger Platz ein und sind leichter. Das heißt, sie sind optimal für die Rucksack-Trekker. Wer hingegen gern mit seinem Land Rover auf Expedition ist, der greift eher zur langlebigen, kraftvolleren und robusteren Keramik-Variante.
Noch etwas, das Dir am Herzen liegt?
Eigentlich nur, dass alle gesund wieder heimkehren. Und das heißt, dass man niemals faul werden darf. Auch wenn es manchmal nervt: das Wasser immer aufbereiten. Nicht nur der Darm wird’s danken.
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