Daheim entdecken – Wolfsschlucht

Unlängst, an einem Freitag Nachmittag: Ein Ausflug soll es sein, in die bayrischen Voralpen, irgendwas mit Tegernsee, oder zumindest die Gegend. Bergig wär schön, Wald auch, die Badesachen hätten wir auch noch eingepackt. Los geht’s!

Die letzte Bahn auf den Klassiker Wallberg von Rottach-Egern aus geht um 17 Uhr, die Tage sind im Juni und Juli lang, da kann man sich Zeit lassen – und diese eben promt verpassen. Planänderung also, waren wir schon mal in Kreuth? Ach ja, dieses „Wildbath“ frei nach Gerhard Polt, das ist ja gar nicht weit.

Los geht es also, durch Rottach-Egern Richtung Süden. Kurz nach Kreuth kommt linker Hand ein großer Wanderparkplatz und weiter geht es, nun zu Fuß in zehn lockeren Minuten, auf die kleine Anhöhe mit der bekannten Tagungsstätte Wildbad Kreuth.

Die Sonne steht tief und vergoldet bald nur mehr die flankierenden Blauberge, auch fein. Wer sich die Kombination aus Wolf und Schlucht, den gleichnamigen Voralpenkrimi von Andreas Föhr im Kopf, als eher unliebsamen Verweilort vor Augen führt, wird schnell eines besseren belehrt. Die Wolfsschlucht wird weder von ganz und gar ungefährlichen Wölfen heimgesucht, noch entspricht sie den Höllental-charakteristischen Merkmalen einer dunklen Schlucht.

Zugegeben, „a weng“ respektvoll darf man der Kulisse schon begegnen, wohl aber mehr der dramatischen Schönheit im Abendlicht wegen. Die Schneeschmelze ist vorbei, starken Regen gab es kürzlich auch keinen, somit präsentiert sich die Felsweißach als gemütlicher Bachlauf mit niedrigem Wasserstand und Staudammbau-Potential für die Kleinen. Vorsicht geboten ist hier allenfalls nach Regenfällen, bei Gewittern und im Frühjahr durch die Schneeschmelze und Altschnee, der sich in dem schattigen Tal gerne länger hält.

Wer also im Hochsommer eine kleine Spätnachmittags-Runde in gemütlichem Wandertempo oder auch als Trailrun-Distanz zurücklegen will, dem sei der Ausflug in die Wolfsschlucht ans Herz gelegt. Eine romantische Wasserfall-Kulisse ist übrigens auch noch inklusive, dazu biegt man auf halber Strecke links in einen kleinen Seitenarm des Bachlaufs ab.

Wir entscheiden uns an diesem Tag für die gemütliche Runde mit Abstecher zum Wasserfall. Allerdings bietet die Wolfsschlucht mit den angrenzenden Blaubergen noch weitaus mehr und auch ambitionierte Wanderfreuden. Der Aufstieg zum 1613m hohen Schildenstein beispielsweise ist durchaus anspruchsvoll und erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit im felsigen Gelände. Eine ausführliche Tourbeschreibung finden Sie hier

Eine konditionell fordernde und landschaftlich sehr lohnende Alternative ist die Überschreitung der Blauberge, ebenfalls mit Anstieg durch die Wolfsschlucht. Eine Tagestour, die auf Grund ihrer Länge nicht unterschätzt werden sollte. Nach dem drahtseilversicherten Steig aus der Wolfsschlucht auf den Blaubergsattel geht es bergauf, bergab über Predigstuhl, Blaubergschneid, Blaubergkopf und Karspitz in einem langen Bogen schließlich zurück zum Ausgangspunkt am Wanderparkplatz nebst der B307. 

Und wir? Haben an einem Freitag Nachmittag im Juli ein Stückchen Heimat entdeckt und wissen schon, wo es als nächstes hingeht.

Habe d’Ehre, Wolfsschlucht!

Ausstattung Models: Kjus