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Hochtouren-Ausrüstung - die große Packliste

Hochtouren in Fels und Eis. Klettern, Orientierung, Gletscher - hier zählt das ganze Können im alpinen Gelände. Mit unserer Ausrüstungsliste findest Du alles, was Du für Dein ganz persönliches Hochgefühl brauchst und dabei sicher unterwegs bist.

von ANDRÉ TAPPE

Zwei Bergsteiger gehen über einen vereisten Grat.
Foto: Deuter / Julian Bückers

Hochtouren-Ausrüstung - die Checkliste

Wo so viele verschiedene Anforderungen auf Bergsteiger:innen warten, wie auf Hochtour, fällt die Packliste durchaus etwas größer aus. Da muss schon einiges mit auf den Berg. Angefangen natürlich, bei der funktionellen Ausrüstung, die uns hilft, überhaupt in Gipfelnähe zu kommen. Hier die Checkliste.

Zwei Bergsteiger in alpiner Umgebung ziehen ihre Rucksäcke auf

Tragbar, greifbar und robust. ein Hochtourenrucksack muss alle Erwartungen erfüllen.

Foto: Deuter / Julian Bückers

Hochtourenrucksack, aber welcher?

Leicht, gut am Körper zu fixieren und aus robustem Material – so muss ein guter Hochtouren-Rucksack aufgebaut sein. Die Ausrüstung sollte innen wie außen genügend Befestigungen haben um sicher zu halten, aber dennoch schnell greifbar zu sein. Schlaufen für den Eispickel und das Kletterseil außen, bzw. zwischen Deckelfach und Hauptteil, innen genug Raum um auch sperrige Gegenstände wie Kletterhelm und Steigeisen gut unterzukriegen. 

>> alle Kletter- und Alpinrucksäcke findest Du hier

Ein spezieller Klettergurt für Hochtouren?

Ein guter Hochtouren-Klettergurt braucht verstellbare Beinschlaufen und sollte kein zu dickes Polster haben, da dies bei langen Gehpassagen stört, im schlimmsten Fall im Schritt sogar wundscheuert. Ideal ist ein Modell, welches auch am Hüftgurt zwei Schnallen hat, so kann der Klettergurt bequem und gerade eingestellt werden. Ganz gleich ob er mit dicker Jacke oder Shirt getragen wird. Es gibt auch ultraleichte, ungepolsterte Hüftgurte, die verpackt in die Hosentasche passen. Allerdings bieten diese zwar Sicherheit aber kaum Komfort, beispielsweise beim Abseilen oder am Standplatz.

>> hier findest Du Klettergurte

Welches Kletterseil für Hochtouren?

Natürlich will man beim Hochtouren-Seil am liebsten die leichteste Variante mitnehmen. Hier gibt es dünne Seile mit einem Durchmesser von lediglich 8,5mm, die alle Normen erfüllen: Zwillingsseil, Halbseil und Einfachseil. Es kann also auch in Kletterpassagen im Einfachstrang verwendet werden. Ein reines Halbseil ist nur für Gletscherpassagen geeignet, beim Klettern müsste man es als Doppelstrang verwenden. Ein reines Einfachseil ist deutlich dicker und schwerer und nur dann zu empfehlen, wenn es für Hochtouren, aber auch zum Sport- und Alpinklettern verwendet wird. Unbedingt zu beachten, ist bei der Auswahl des Hochtouren-Seils die Imprägnierung. Ein nasses, teils steifgefrorenes Seil auf dem Gletscher will nun wirklich niemand.

>> hier findest Du Kletterseile

Ein Bergsteiger hält ein oranges Kletterseil in der Hand und wickelt es auf.

Ein gutes Hochtourenseil ist bei allen Bedingungen gut zu handeln.

Foto: Ortovox / Max Draeger

Reepschnur und Schlingen

Das richtige Begehen eines Gletschers wird im Hochtourenkurs vermittelt. Die Gefahr der versteckten Gletscherspalte und somit eines Spaltensturzes ist aber dennoch präsent. Hier sollte jede/r Beteiligte wissen, was zu tun ist – und das erforderliche Equipment greifbar haben. Hierzu gehören drei Stücke Reepschnur mit 1, 2 und 4 Meter Länge, die Mittels Prusikknoten am Seil befestigt werden und so der Person in der Spalte als Steighilfe einen eigenständigen Aufstieg am Seil ermöglichen. Das 1 Meter-Stück dient außerdem als Sicherungs-Prusikschlinge beim Abseilen. Der Durchmesser variiert je nach Seildicke. In den meisten Fällen wird heute 5mm verwendet, da die Seile recht dünn sind. 6mm kommen höchstens noch bei dickeren Einfachseilen zum Einsatz, da sie dort leichter nachzuschieben sind.

>> hier findest Du Reepschnur

Außerdem sollte eine 60cm und eine 120cm Bandschlinge dabei sein. Diese werden beispielsweise beim Bau eines Flaschenzugs zur Spaltenbergung von oben verwendet. Außerdem können Bandschlingen bei ausgesetzten Gratbegehungen auch als Zwischensicherung über Felsköpfe gelegt werden, als sogenannte Köpflschlingen.

Express-Sets und Karabiner

Express-Sets sind zwei, durch eine kurze Bandschlinge verbundene Schnappkarabiner. Sie werden normalerweise beim Klettern in Haken oder mobile Sicherungen, wie Friends oder Klemmkeile gehängt. Auf Hochtour kommen sie nur selten bei Kletterpassagen zum Einsatz. Hier muss nach Bedarf entschieden werden ob und wie viele Express-Sets mitgenommen werden.

Karabiner sind allerdings immer notwendig. Die Empfehlung liegt bei 2 HMS-Karabinern mit gut bedienbaren Verriegelungsmechanismus (auch mit Handschuhen), und 3 baugleichen Schnappkarabinern. Sie werden vielfältig eingesetzt, beispielsweise beim Bau von Zwischensicherungen, bei Flaschenzügen oder bei der Standplatzsicherung in Kletterpassagen.

>> hier findest Du Karabiner und Express-Sets

Seilrollen und Seilklemme

Beim Bau vom Flaschenzug zur Spaltenbergung helfen Seilrollen und Seilklemme. 1-2 zwei Seilrollen, am besten eine mit Rücklaufsperre und eine ohne, sind empfehlenswert. Zudem kommt noch eine Seilklemme, die ebenfalls nur in eine Richtung bewegt werden kann.

Manche Hersteller bieten auch fertig zusammengestellte und aufeinander abgestimmte Spaltenbergungssets, wie beispielsweise das Crevasse Rescue Kit von Petzl, mit allen Rollen, der Seilklemme und dem benötigten Schlingenmaterial.

Kletterhelm – braucht man den auf Hochtour?

Hier muss unterschieden werden: Gibt es Kletterpassagen? Ist man unterhalb von Felswänden unterwegs? Ja? Dann darf der Kletterhelm auf Hochtour nicht fehlen.

Bei Kletterhelmen wird zwischen In-Mold Helmen und Hartschalenhelmen unterschieden. Der Hartschalenhelm ist in der Regel schwerer und lediglich an der Oberseite ausgeschäumt und gepolstert. Eine robuste Variante gegen Steinschlag und meist günstiger.

Die moderneren In-Mold Kletterhelme sind, ähnlich einem Fahrradhelm, komplett ausgeschäumt und nur von einer dünnen Kunsstoffschicht ummantelt, haben aber keine Belüftungs-Schlitze an der Oberseite. Zudem bieten sie auch bei Stürzen einen „Rundumschutz“, schützen also auch die Stirn, die Schläfen und den Hinterkopf. Außerdem sind In-Mold Helme deutlich leichter als Hartschalenhelme und tragen meist auch weniger auf, was sehr angenehm in Verbindung mit einer Kapuze ist.

Wie muss der Kletterhelm passen?

Wenn man den Kletterhelm anpasst, sollten keine Druckpunkte spürbar sein, der Druck sollte sich gleichmäßig um den Kopf verteilen. Der Helm darf nicht wackeln oder in die Stirn, bzw. den Nacken rutschen. Ein Fingerbreit Abstand an den Seiten, zwischen Schale und Kopf, ist ideal. Außerdem muss darauf geachtet werden, dass der Kletterhelm nicht zu hoch sitzt. Das stört und bietet weniger Schutz.

>> hier findest Du Kletterhelme

Zwei Bergsteiger steigen eine steile Eisflanke nach oben.

Mit den richtigen Steigeisen und einem guten Hochtouren-Pickel darf es ruhig auch mal steiler werden.

Foto: Rab

Welcher Eispickel ist der Richtige?

Gerader Schaft, gebogener Schaft oder Eisgerät?

Die Wahl des passenden Hochtourenpickels hängt vom Einsatzbereich ab. Ein Pickel mit geradem Schaft ist wunderbar als Stützpickel bei langen Gletscherbegehungen im einfachen, bis mäßig steilen Gelände geeignet. Ebenso eingegraben, als T-Anker, zur Sicherung bei einer Spaltenbergung im Firn. Die richtige Länge hat der Eispickel, wenn er locker zwischen den Fingern hängend bis knapp über den Knöchel reicht. Wer im flachen Gelände Trekkingstöcke verwendet, kann auch ein etwas kürzeres Modell nehmen, dann ist der Einsatz in steileren Abschnitten angenehmer und weniger sperrig.

Wird das Gelände anspruchsvoller und kommt die Haue häufiger zum Einsatz, beispielsweise beim Passieren von kurzen Steileispassagen und steilen Flanken, greift man eher zum gebogenen Schaft. Das erhöht den Winkel und die Haue sitzt beim Einschlagen kompakter. Zudem hat die Hand beim Aufstützen mehr Abstand zum Eis. Hier kann die Länge bereits deutlich kürzer gewählt werden, ca. bis Mitte des Unterschenkels.

Zu Eisgeräten greifen vor allem die Nordwand-Aspirant:innen. Lange, steile Schnee- und Eispassagen sowie ausgesetztes Mixed-Gelände, hier machen sich die kurzen, aggressiven Pickel im Doppelpack wirklich bezahlt. Am empfehlenswertesten sind hier Modelle mit Hammerkopf (zum Schlagen von Felshaken) und Schaufelkopf (zum Entfernen von Eis und dem Schlagen von Stufen) und gleichmäßig gebogenem Schaft. Technische Eisgeräte mit geformtem Griff stören in ihrer Funktion als gelegentlicher Stützpickel und beim Aufstieg in Firnflanken. Die Wechselhauen können bei Beschädigung einfach ausgetauscht werden. Eisgeräte sind grundsätzlich kürzer und haben eine feste Länge.

Und wofür sind Alupickel geeignet?

Eispickel mit Aluminiumhaue sind natürlich um ein vielfaches leichter, aber nur für Schneepassagen geeignet, beispielsweise bei Skitouren. Im Blankeis oder im gemischten Fels-Eis-Gelände hat dieser Pickel nichts verloren. Die Spitze stumpft hier schnell ab und verweigert im ungünstigsten Fall ihren Dienst.

>> alle Eispickel findest Du hier

Braucht man Eisschrauben auf Hochtour?

Kurze Antwort: Ja! Zwei, um genau zu sein. Eisschrauben werden ebenfalls beim Bau von Flaschenzügen und Sicherungen bei der Spaltenbergung verwendet. Ebenso können sie auf steilen Blankeispassagen als Zwischensicherung gesetzt werden. Empfehlenswert ist hier eine Länge von 19cm. So ist die Eisschraube lang genug, um in die tieferen, harten Eisschichten zu gelangen, aber schneller gesetzt, als die noch längeren mit 21cm. Extrem hilfreich beim Setzen mit Handschuhen, ist eine praktische Kurbelhilfe, so muss nicht ständig umgegriffen werden.

Welches Steigeisen ist auf Hochtour sinnvoll?

Riemenbindung, Kombibindung oder Bügel? Hier richtet man sich nach den Möglichkeiten des Hochtourenschuhs und achtet auf einen sauberen, festen Sitz an der Sohle. Bei der Auswahl des Steigeisens selbst, sollte auf die Zackenlänge geachtet werden. Gerade beim Gehen in gemischtem Gelände sollten die Zacken nicht zu lang sein. Hier empfehlen sich Modelle wie das Air Tech von Grivel oder das Petzl Vasak. Bei vermehrtem Frontalzacken-Einsatz an anspruchsvolleren Viertausendern ist das Grivel G12 eine gute Wahl. In fordernden Nordwänden ist auch ein technisches Steigeisen mit aufgestellten Zacken, wie das Grivel G14 notwendig.

>> hier findest Du Steigeisen

Hochtourenschuhe - was sind die Unterschiede?

Wer regelmäßig auf Hochtour geht, kommt um einen Bergstiefel der Kategorie C oder D nicht herum. Die C-Modelle haben bereits eine harte Kunststoffkante an der Ferse und sind somit für alle Steigeisen mit Kombibindung (vorne Korb, hinten Kipphebel, beides wird durch einen Riemen verbunden) geeignet. Diese Schuhe sind meist sehr leicht und haben eine Sohle die auch für den felsigen Einsatz ausgelegt ist. Heute für viele das perfekte Allround-Modell und auch am Gletscher für die meisten Begebenheiten ausreichend.

>> hier findest Du Bergstiefel der Kategorie C

Noch kompakteren Sitz versprechen die Bergschuhe in der D-Kategorie. Sie haben auch vorne eine Kunststoffkante und passen für Steigeisen mit Bügelbindungen (ähnlich einer Skibindung wird das Steigeisen vorne mit einem Stahlbügel eingehakt und hinten durch den Kipphebel fixiert). Das bietet nochmals höhere Stabilität am Schuh. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Isolierung. D-Modelle haben häufig ein wärmendes Futter eingearbeitet und sind somit auch für große Höhen geeignet. Dafür sind sie aber steifer und in gemäßigten Lagen eher unangenehm.

>> hier findest Du Bergstiefel der Kategorie D und Expeditionsstiefel

Expeditionsstiefel sind für die Extrembereiche wie das Höhenbergsteigen in den Anden und im Himalaya, oder für Unternehmungen in den Polarregionen ausgelegt. Mit sehr hochgezogenen, direkt eingearbeiteten Gamaschen und dicker Isolierung für tiefste Temperaturen. Bergstiefel für Spezialist:innen, bei Unternehmungen in gemäßigten Zonen sind diese Schuhe nicht geeignet.

Die Silhouette zweier Bergsteiger ist auf einem vereisten Grat in spektakulärer Berglandschaft zu sehen. Alles ist in strahlendes Licht getaucht.

Ein Moment, der das Abenteuer Hochtour spektakulär abbildet. Natur, Ausgesetztheit und Stimmung.

Foto: Ortovox / Max Draeger

Was darf im Hochtourenrucksack sonst noch nicht fehlen?

Es gibt aber ein paar grundlegende Ausrüstungsgegenstände, die immer im Rucksack sein sollten und nur zu gern daheim liegen bleiben. Hier haben wir sie einmal für Dich gesammelt.

Eine Hochtour findet selten ohne eine oder mehrere Hüttenübernachtungen statt. Hier gehört ein Hüttenschlafsack oder ein dünner Sommerschlafsack ins Gepäck. Für die Wärme gibt es meist Wolldecken vor Ort, für die Zwischenschicht sorgt der Gast selbst.

Mit einer leichten Stirnlampe kommt Licht ins Dunkel. Ganz gleich, ob man nachts die Hüttentoilette sucht, oder früh in der Dunkelheit aufbricht, ohne anständige Beleuchtung wird es schwierig. Spätestens wenn die Steigeisen an die Schuhe montiert werden, sollte man sehen was man tut. Besonders schön, im Vergleich zu regulären Taschenlampen: mit einer Stirnlampe bleiben die Hände frei und das Licht strahlt immer in die Blickrichtung.

Für Medikamente und eine schnelle Wundversorgung gehört in jeden Hochtourenrucksack ein Erste-Hilfe-Set, mit Pflastern, Verbandsmaterial, einer Rettungsdecke und etwas Notfallmedizin. Eine Schere oder ein kleines scharfes Messer sollte auch noch Platz finden.

Eigentlich logisch, wird aber dennoch vergessen: die Trinkflasche. Hier oben am Berg macht sogar eine leichte doppelwandige Isolierflasche Sinn. So bleibt der Tee länger warm, friert aber vor allem nicht ein.

Bei aller Vorsicht und Vorbereitung, manchmal überschätzt man sich, verletzt sich oder das Wetter schlägt unverhofft um. Die Verhältnisse machen aus einem 3-Stunden-Gipfelaufstieg auch mal 6 Stunden und es wird dunkel. Kurz gesagt, es geht nicht weiter. Die Nacht muss draußen überstanden werden. Dann darf der Biwaksack nicht fehlen. Er reflektiert Körperwärme, ist wasserdicht und der Wind bleibt ebenfalls draußen. Hier ist empfehlenswert, ein paar Gramm mehr in Kauf zu nehmen und ein Modell für zwei Personen einzupacken. Zu zweit bleibt’s wärmer und ist man doch doppelt ausgestattet, kann das Gepäck mit rein.

Fazit: Lange Liste, aber wer hier sorgfältig auswählt, ist für lange Zeit ausgestattet. Da kann der Hochtourenkurs kommen, die großen Gipfel stehen bereit.