Klettersteig-Skala A bis E: Was die Schwierigkeitsgrade für dich bedeuten
01.09.2026
Wir erklären dir, was hinter den Buchstaben der Klettersteig-Skala steckt und wie du den passenden Klettersteig für dein Können findest.
VON SPORT SCHUSTER
Im Tourenführer steht nur ein Buchstabe: C. Mehr nicht. Du stehst am Einstieg, das Stahlseil führt steil nach oben, und genau dieser eine Buchstabe soll dir jetzt sagen, was die nächsten Stunden bringen. Die Klettersteig-Skala taucht häufig im Alpenraum auf, trotzdem wissen die wenigsten genau, was hinter A, B, C, D oder E wirklich steckt. Dabei entscheidet dieser Buchstabe nicht nur über die reine Schwierigkeit, sondern auch darüber, welche Ausrüstung sinnvoll ist. Aber was unterscheidet einen Klettersteig mit Grad A eigentlich von einem mit C oder D?
Was ist die Klettersteig-Skala und woher kommt sie?
Die Buchstabenskala, die du auf fast jedem Topo und in jeder Tourenbeschreibung findest, geht auf den österreichischen Autor Kurt Schall zurück. Seine Schall-Skala reicht von A für leicht bis E für extrem schwierig, mit F als seltener Ergänzung für einzelne Ausnahmefälle. Vor allem in Österreich und Deutschland hat sie sich durchgesetzt und steht heute in den meisten Klettersteigführern und Tourenportalen.
Parallel dazu gibt es die Hüsler-Skala des Schweizer Autors Eugen Hüsler. Sie beschreibt die Schwierigkeit von K1 für leicht bis K6 für extrem schwierig, und ist vor allem in der Schweiz gebräuchlich. Beide Systeme beschreiben im Grunde denselben Schwierigkeitsverlauf, nur mit unterschiedlichen Zeichen. Findest du in einer Tourenbeschreibung ein K4 statt eines D, bedeutet das ungefähr dasselbe.
Warum es zwei Systeme gibt, hat historische Gründe. Verschiedene Verlage und Autor*innen haben über Jahrzehnte eigene Tourenbeschreibungen aufgebaut, und beide Skalen haben sich in ihren jeweiligen Regionen gehalten. Eine gemeinsame, länderübergreifende Norm gibt es bis heute nicht, die beiden Systeme bestehen einfach parallel weiter. Für dich bedeutet das nur: kurz prüfen, welche Skala eine Beschreibung nutzt, bevor du sie mit deiner eigenen Erfahrung abgleichst.
Noch ein kurzer Blick über die Grenze: Frankreich und Italien nutzen jeweils eigene, eigenständige Bewertungssysteme für Klettersteige. Planst du eine Tour dort, dann wirf vorher einen Blick in die länderspezifische Einordnung.
Die Schwierigkeitsgrade A bis E im Detail
Von A bis E steigt die Anforderung kontinuierlich. Mit jedem Grad wird das Gelände steiler, die Tritte werden kleiner und liegen weiter auseinander, und du brauchst mehr Armkraft, um dich hochzuziehen. Gleichzeitig steigt die Ausgesetztheit der Tour. Wer diesen Zusammenhang einmal verstanden hat, kann aus einem einzelnen Buchstaben schon vorab ziemlich genau ableiten, was ihn erwartet.
Was steckt hinter den Graden A und B?
Bei Schwierigkeitsgrad A bewegst du dich in flachem bis mäßig steilem Gelände, das gelegentlich mit Drahtseilen, kurzen Leitern oder Trittstiften versehen ist. Ausgesetzte Stellen kommen vor, lassen sich aber meist gut meistern.
Ab B wird das Gelände steiler, und die Absicherung gewinnt an Bedeutung. Längere Leitern, Steigbügel und Ketten kommen hinzu, vereinzelt auch kurze, kraftraubende Passagen.
Der Übergang: Was sich ab Grad C ändert
Ab Schwierigkeitsgrad C steigen die Anforderungen noch einmal spürbar. Das Gelände wird steil bis sehr steil, Passagen verlaufen senkrecht oder kurz überhängend, und die Abstände zwischen den Tritthilfen nehmen spürbar zu. Absolute Schwindelfreiheit ist an dieser Stelle Voraussetzung.
Kraft und Ausdauer spielen jetzt eine größere Rolle als bei A oder B. Ein kräftiger Klimmzug an einer senkrechten Leiter fordert am ersten C-Steig mehr Kraft, als die Theorie vermuten lässt. Mit ein paar gegangenen Touren wird genau dieses Gefühl aber schnell vertrauter, und du entwickelst ein Gespür dafür, wie viel Kraft eine Passage wirklich braucht, bevor du sie überhaupt antrittst.
Was erwartet dich bei D und E?
D-Steige verlaufen fast durchgehend senkrecht, manchmal mit kurzen Überhängen, und die Rastpunkte werden selten. Steigbügel und Klammern liegen, wenn überhaupt vorhanden, weit auseinander. Wer hier unterwegs ist, braucht neben Kraft auch ein gutes Gespür für die eigenen Bewegungen am Fels. Eine zusätzliche Bandschlinge mit Rastkarabiner hilft, an schwierigen Stellen zwischenzusichern und kurz zu verschnaufen.
Grad E geht noch einen Schritt weiter: überhängendes Gelände, extreme Kraftanforderungen und oft nur ein bis zwei Versuche an der schwersten Stelle. Dieser Grad bleibt sehr erfahrenen Klettersteiggeher*innen vorbehalten, die ihre eigene Leistungsfähigkeit realistisch einschätzen können.
| Grad | Gelände | Sicherung und Können |
| A | flach bis mäßig steil, vereinzelt ausgesetzt | trittsicher und schwindelfrei genügt oft |
| B | steiler, längere Leitern und Ketten | etwas Kraft wird benötigt, gute Trittsicherheit |
| C | steil bis sehr steil, senkrechte Passagen | absolute Schwindelfreiheit, Kraft und Ausdauer nötig |
| D | fast durchgehend senkrecht, wenige Rastpunkte | sehr gute Kraft und Klettertechnik |
| E | überhängend, extrem kraftraubend | nur für sehr erfahrene Geher*innen |
Gesamtanspruch statt nur Buchstabe: Was die Skala nicht zeigt
Die Bewertung eines Klettersteigs richtet sich fast immer nach der schwersten Einzelstelle, der sogenannten Schlüsselstelle. Der Rest der Tour kann deutlich leichter ausfallen, trotzdem trägt der ganze Steig die Bewertung dieser einen Stelle. Das ist praktisch, aber eben nur die halbe Wahrheit.
Das führt zu einem Effekt, den viele unterschätzen: Ein kurzer C-Steig mit einer einzigen kräftezehrenden Stelle gleich nach dem Einstieg wird genauso bewertet wie ein 400 Höhenmeter durchgehend steiler Steig im selben Grad. Beide tragen denselben Buchstaben, verlangen aber ein ganz unterschiedliches Maß an Ausdauer.
Praxis-Tipp: Wird dir an der Schlüsselstelle mulmig, zieh dich lieber vor der schweren Passage zurück, statt sie zu erzwingen. Wirf schon vor der Tour einen Blick ins Topo, dort findest du oft mögliche Notausstiege.
- Was der Buchstabe dir dabei nicht verrät, sind Faktoren, die genauso stark ins Gewicht fallen:
- Wetter und Nässe am Fels
- deine eigene Tagesform
- individuelle Kondition und Erfahrung
- das Tempo der ganzen Gruppe
Für eine feinere Einordnung nutzt die Führerliteratur außerdem Zwischenstufen wie B/C oder C/D. Sie zeigen an, dass ein Steig zwischen zwei Hauptgraden liegt, weder eindeutig dem einen noch dem anderen entspricht. Solche Zwischenstufen verdienen genauso viel Aufmerksamkeit wie die Hauptkategorien.
Manche Tourenbeschreibungen ergänzen die Buchstaben zusätzlich um ein Anforderungsprofil, das Kraft, Ausdauer, Bergerfahrung und Ausgesetztheit einzeln bewertet.
Ausrüstung: Was du zusätzlich zum Klettersteigset brauchst
Klettersteigset und Helm gehören ab Grad A fest in den Rucksack. Ein robuster Wanderschuh reicht für die Einstiegsgrade meist noch aus. Ab Grad D kommt zusätzlich eine Restschlinge mit Karabiner zur Selbstsicherung dazu, dazu spürbar mehr Kondition.
Handschuhe werden dabei oft unterschätzt: Längere Passagen am Stahlseil belasten die Handinnenflächen stärker, als viele erwarten, und ein Paar robuster Kletterhandschuhe schützt dich zuverlässig vor Blasen und Abschürfungen.
Auch die übrige Kletterausrüstung im Rucksack verdient einen Blick. Planst du zusätzlich alpine Übergänge oder kombinierte Touren, gehören oft auch Steigeisen und Grödel dazu.
Tipp: Der passende Schuh
Ein Punkt, der oft übersehen wird, ist die Schuhwahl selbst. Ab Grad C profitieren viele von einem präziseren, kletterorientierten Schuh statt eines klassischen Wanderschuhs, und für leichtere Sportklettersteige im Grad A oder B reicht dagegen oft schon ein spezieller Approach-Schuh völlig aus. Bei uns im Sortiment sind für diesen Einsatzbereich vor allem folgende Marken stark vertreten:
- La Sportiva: kletterorientierte Passform mit präziser Sohle
- Scarpa: steifere Sohlenkonstruktion für kleine Tritte
- Hanwag: robuste Verarbeitung für längere Zustiege
- Salewa: leichte Modelle mit guter Haftung am Fels
Welche Marke am Ende zu dir passt, hängt stark vom eigenen Fuß und der geplanten Tour ab, eine Empfehlung von der Stange gibt es hier ehrlich gesagt nicht. Wie du dabei die richtige Passform für deinen Bergschuh findest, erklären wir separat, genauso wie die Frage, welche Modelle sich für breite Füße eignen, falls dein Fuß etwas mehr Platz braucht. Bist du dir trotzdem unsicher: Mit einem Beratungstermin für Berg- und Wanderschuhe erhältst du bei uns im Sporthaus Tipps von unseren Expert*innen direkt vor Ort. Welche Schuhe zum Klettersteig passen, erklären wir ausführlich im Ratgeber zu Klettersteigschuhen.
Die passende Tour für deinen Schwierigkeitsgrad finden
Von A oder B ausgehend heißt es erst, Routine zu sammeln, bevor du zur nächsten Stufe wechselst. Mehrere Touren im selben Grad geben dir ein Gefühl dafür, wie sich Ausgesetztheit und Armkraft für dich persönlich anfühlen, unabhängig von der reinen Theorie. So sammelst du Sicherheit, bevor du dich an die nächste Stufe heranwagst.
So gehst du die Steigerung am besten an:
- Beginne bei Grad A oder B und sammle dort auf mehreren Touren Routine.
- Wechsle erst zu C, wenn dir die vorherige Stufe spürbar leichtfällt.
- Lies vor jeder neuen Tour das Topo genau: Schlüsselstelle, Notausstiege, Höhenmeter.
- Plane bewusst defensiv, gerade an neuen Grenzen deines Könnens.
- Vor jeder neuen Tour hilft dir außerdem ein genauer Blick in die Tourenbeschreibung. Wichtig sind dabei die Schlüsselstelle, mögliche Notausstiege und die Höhenmeterdifferenz.
Bewusst defensiv zu planen, ist gerade an den eigenen Grenzen die klügere Grundhaltung. Du verlierst nichts daran, eine Tour eine Nummer kleiner zu wählen und stattdessen mit einem guten Gefühl zurückzukommen.
Fazit: Der Buchstabe ist der Anfang, nicht die ganze Antwort
FAQ: Klettersteig-Skala
Was bedeutet die Zwischenstufe B/C bei der Klettersteig-Skala?
B/C beschreibt einen Steig, der zwischen den beiden Hauptgraden liegt: schwieriger als ein reiner B-Steig, aber noch nicht durchgehend auf C-Niveau. Solche Zwischenstufen helfen bei der genaueren Einschätzung vor der Tour und sollten genauso ernst genommen werden wie die Hauptkategorien.
Was unterscheidet die Schall-Skala von der Hüsler-Skala?
Die Schall-Skala bewertet mit Buchstaben von A bis F und ist vor allem in Österreich und Deutschland verbreitet. Die Hüsler-Skala bewertet verbal mit K1 bis K6 und wird stärker in der Schweiz genutzt. Beide beschreiben denselben Schwierigkeitsverlauf, nur mit unterschiedlichen Zeichen.
Wie erkenne ich vor der Tour, ob ein Klettersteig zu meinem Können passt?
Lies vor der Tour Topo und Tourenbeschreibung genau, achte auf Schlüsselstelle, Notausstiege und Höhenmeterdifferenz statt nur auf die Seillänge. Beginne im Zweifel mit der niedrigeren von zwei möglichen Kategorien und steigere dich erst, wenn dir diese Stufe leichtfällt.
Wenn du für deinen nächsten Klettersteig die passenden Schuhe suchst oder unsicher bist, welches Modell zu deinem Schwierigkeitsgrad passt: Im Sporthaus Schuster am Marienplatz berät dich unser Kletterteam auch gerne persönlich. Alles, was du für Klettersteige benötigst, findest du natürlich ebenfalls hier im Onlineshop.