Approach! Der Zustiegsschuh führt zum Fels – und darüber hinaus


 
Einst als Schuh für die Strecke zum Kletterfels gedacht, geht es für den Zustiegsschuh in den letzten Jahren in Sachen Popularität steil bergauf. Welche Wege kann man mit einem Approach-Modell am Fuß bestreiten? Was kann es und welche Varianten gibt es? Einer, der darauf die Antworten weiß, ist unser Experte Michael Decker. Zeit für eine Befragung!

Michael, Approach-Schuhe sind eigentlich eine recht junge Kategorie, oder? Und dabei schon sehr beliebt...

Absolut. Sie werden mehr und mehr nachgefragt. Dabei kommen sie ursprünglich – wie die Bezeichnung sagt – aus der Kletterecke. Mit dem Zustiegsschuh (auf Englisch eben Approach) geht man zum Einstieg der Route an den Wandfuß, wo man dann in die Kletterschuhe schlüpft. So das eigentliche Einsatzgebiet...

Und mit der Zeit hat sich das verbreitert. Jetzt sieht man die Schuhe wirklich viel in den Bergen.
Das kam auch im Zuge der Leichtigkeitstrends. Früher hatte man meist nur einen traditionellen Wanderschuh zu Hause. Aber was ist, wenn man eine nicht allzulange Tour ohne Geröllpassagen plant? Kann ich meinen hohen, recht schweren Lederstiefel hier nicht gegen ein leichtes, vielseitiges Modell eintauschen? Das war und ist der Grund für den Popularitätsschub. Approach-Schuhe sind meist LowCut-Modelle und viele fühlen sich darin einfach wohler.

Für wen eignet er sich denn vor allem?
Hier spielen einige Faktoren mit rein. Zum einen ist es eine Geschmacks- bzw. Gefühlssache: Es gibt Bergsteiger und Wanderer, die sich im Gebirge nur mit hohen Schuhen wohl fühlen. Ihnen ist es wichtig, dass der Knöchel geschützt ist und gestützt wird. Das ist auch richtig, vor allem, wenn man auf schwierigem Terrain mit viel losem Untergrund unterwegs ist. Dort ist das Risiko umzuknicken besonders hoch. Für sie ist ein Zustiegsschuh die falsche Wahl.

Und die andere Fraktion?
Ist gut trainiert, sportlich und hat eine sehr ausgeprägte Fußmuskulatur. Sie lässt sich außerdem auch vom Trail Running Bereich beeinflussen: Leichter und schneller am Berg unterwegs zu sein, steht bei vielen hoch im Kurs.

Der hohe Schaft ist für sie unwichtig, alle anderen wichtigen Bergschuh-Features kann ihnen der Approach-Schuh mindestens genauso bieten. Er ist technisch, bietet einen super Grip und umschließt den Fuß perfekt, wie der MTN Trainer. Für sehr sportliche Spezialisten hat Salewa den Firetail entwickelt. Hier kommt beispielsweise das „3D EVO“ System zum Einsatz: Die „normale“ Schnürung wurde so weiter entwickelt, dass der Fuß noch satter im Schuh sitzt und der Bergsteiger fein nachjustieren kann – für Komfort und beste Performance zugleich. Ein dünnes Kabel aus extrem robusten Aramidfasern verläuft von der Lasche über den Knöchelbereich rundum. Sehr angenehm ist bei dem Schuh übrigens auch die nahtlose Oberflächenkonstruktion. Ihn gibt es mit und ohne GoreTex.

Bietet sich denn ein wasserdichtes Modell an?
Das hängt natürlich vom Einsatz ab. Wer bei jedem Wetter unterwegs ist, auch mal durch Bäche oder Schlamm stapft, der ist sicherlich mit einem GoreTex-Modell bestens beraten. Wer hingegen einen Schuh für trockene, tendenziell eher warme Tage sucht, nimmt die Variante mit Leder- oder Textilfutter – und genießt dadurch den luftigeren Klimakomfort.

Aber es gibt generell bei den Zustiegsschuhen diverse unterschiedliche Varianten, oder?
Ja, es gibt eine ganze Bandbreite. Approach-Schuh ist nicht gleich Approach-Schuh. Der eine eignet sich eher für Klettereien und Klettersteig, der andere für den leichten Zustieg. „Tech Approach“ Schuhe, wie der La Sportiva Scratch zum Beispiel, sind ideal für einfachere Zustiege, machen aber mit ihrer Kletterzone in der Sohle, die einen sehr präzisen Antritt ermöglicht, auch in kurzen felsigen Passagen eine gute Figur. Und auch ein cooles Detail: Sie kommen meist mit einer Schlaufe, so dass man sie beim Schuhwechsel einfach irgendwo einhängen kann. Es gibt übrigens auch Sportler, die mit den Zustiegsschuhen Bike & Hike Touren unternehmen, wenn sie nicht mit Click-Pedalen und separaten Wanderschuhen unterwegs sind. Für rauere Einsätze durchs wegloses, felsiges Gelände und Klettersteige würde ich wiederum „Alpin Approach“ Modelle wie den Mammut Ridge Low GTX, den Haglöfs Roc Icon Q oder den Approach II GTX von Hanwag empfehlen. Das sind richtig robuste Schuhe mit steifer Sohle und hoch gezogenem Gummirand und schon eher klettertaugliche Bergschuhe als reine Zustiegsmodelle.

Man sagt ja, dass sich der Approach auch im Alltag ganz gut macht?
Man findet ja generell inzwischen viele Outdoor-Produkte im täglichen Einsatz, oder? Ich persönlich finde es ungemein praktisch. Ich trage ständig meine Softshell-Jacke, Nike Airs im Sommer oder Multifunktionsschuhe. Und ein leichtes Approach-Lieblingspaar habe ich schon auch...